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Nachhaltigkeit

Globale Energiewende

von Drake Jamali

Hintergrund

Erdwärmekraftwerk in Kenia.

Erdwärmekraftwerk in Kenia.

Deutschland hält nach Aussagen der neuen Bundesregierung an der Energiewende fest. Wirtschaftswachstum und Umweltschutz müssen Hand in Hand gehen. Eine Be­preisung von Kohlendioxid (CO2) kann gute Anreize für eine Wende zur Nachhaltigkeit schaffen.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels hält die neue Bundesregierung weiterhin am Ziel einer weltweiten Energiewende fest. Um es zu erreichen, setzt sie auf erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz.

Laut Umweltministerin Svenja Schulze soll Deutschlands Energiesektor bis 2050 komplett emissionsfrei sein. Andere Wirtschaftsbereiche wie beispielsweise die Landwirtschaft bekommen dafür etwas mehr Zeit. Schulze gibt jedoch auch zu, dass Deutschland einige der angestrebten Ziele verfehlt und fordert eine kohärentere Klima- und Energiepolitik, um die Defizite auszugleichen. Die neue Koalition aus CDU und SPD hat das ursprüngliche Klimaschutzziel für 2020 aufgegeben, hält aber an dem Ziel fest, bis 2030 mindestens 65 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Sollten dann nicht wenigstens 55 Prozent erreicht sein, würde Deutschland seine Glaubwürdigkeit laut Schulze komplett verlieren.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der wie Schulze neu auf dem Posten ist, hält Partnerschaften zwischen weit entwickelten Ländern für besonders wichtig. Er vergleicht die Energiewende mit einer „Operation am offenen Herzen“ einer Volkswirtschaft. Eine solche Operation sei zwar schmerzhaft, aber unerlässlich – und auf lange Sicht der Entwicklung förderlich.

Altmaier betont, dass die Umstellung auf Erneuerbaren-Technologien mehr Jobs schaffen als kosten werde. Die Beschäf­tigung im Bereich erneuerbarer Energien biete langfristige Perspektiven, während die Jobs in der fossilen Energiewirtschaft nicht nachhaltig seien. Der Minister sieht auf Osteuropa einschließlich dem Osten Deutschlands wegen der Abschaltung fossiler Kraftwerke Schwierigkeiten zukommen. Diese dürften die Gesellschaft aber nicht spalten. Die Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen biete Potenzial für die Schaffung von Millionen Jobs, strukturbedingte Arbeitslosigkeit könne demnach vermieden werden. Er spricht sich dafür aus, Beschäftigte frühzeitig umzuschulen.

Bei einer internationalen Konferenz des Auswärtigen Amtes in Berlin betonte Altmaier zudem, dass die Bundesregierung am vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2023 festhalte. Politiker in Deutschland und überall auf der Welt müssten sowohl politische als auch Stromausfälle verhindern – und gleichzeitig für einen Weg zur Nachhaltigkeit sorgen.


CO2-Preis

Nachhaltige Entwicklung hat viele Dimen­sionen. Versorgungssysteme müssen umweltfreundlich werden, und viele Entwicklungsländer brauchen neue Infrastruktur. Die Entwicklung in Industrienation kann zum Teil als Vorbild dienen, in manchen Fällen ist es aber auch sinnvoll, einen anderen Weg einzuschlagen. Beispielsweise ist einerseits der Ausbau einer landesweiten Stromnetzinfrastruktur wichtig, aber andererseits können kleine, lokale Lösungen – vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten – attraktiver sein (siehe Kasten).

Natürlich braucht es auch Großprojekte. Die AU-Kommissarin für Infrastruktur, Amani Abou-Zeid, nennt Initiativen zur Nutzung von Erdwärme in Ostafrika als Vorbild. Diese Technologie könne entlang des Großteils des fast 6000 Kilometer langen Ostafrikanischen Grabens genutzt werden. Dschibuti, Äthiopien, Eritrea, Uganda, Kenia und Sambia könnten besonders davon profitieren.

Industrie und Transportwesen müssen auf der ganzen Welt dekarbonisiert werden. Die richtigen Anreize können Menschen dazu bringen, umweltfreundliche Lösungen zu nutzen. CO2-Preise und Emissionshandelssysteme (emissions trading systems – ETS) schaffen finanzielle Anreize und sind eine wichtige Maßnahme zur Reduzierung von Treibhausgasen. In den meis­ten OECD-Länder gibt es mittlerweile eine CO2-Bepreisung. China hat im Dezember ein nationales ETS eingeführt. In den USA sind Kalifornien und nordöstliche Staaten die Vorreiter, andere Staaten denken darüber nach, sich anzuschließen. Auch die Privatwirtschaft hat angefangen, einen CO2-Preis – vor allem bei der Risikobewertung – mit einzurechnen.

Dennoch gibt es auch starken Widerstand gegen ETS. Laut Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fallen 80 Prozent der Emissionen weltweit noch unter kein ETS. Um die Ziele des Pariser Klimavertrags zu erreichen, müsse dieser Anteil sinken und der CO2-Preis steigen. 2020 sollte die Tonne CO2 dem Experten zufolge 40 bis 80 Dollar kosten und bis 2030 auf 50 bis 100 Dollar steigen. Ende April lag der Preis im europäischen ETS bei lediglich 13 Euro (16 Dollar).

Brune Poirson, Staatsministerin im französischen Umweltministerium, wirbt für einen Mindestpreis in Europa. Frank­reich solle gemeinsam mit Deutschland vorangehen. Sie weist darauf hin, dass Europa die Pariser Ziele nicht erreichen kann, wenn es die Dekarbonisierung nicht stärker als bisher vorantreibt, und spricht sich dafür aus, dass Europas Emissionen jedes Jahr um 100 Millionen Tonnen zurückgehen. Die Kosten stünden dem nicht im Wege, denn die Folgen des ungebremsten Klimawandels wären weitaus teurer.

Rumäniens Energieminister Anton Anton äußert sich hingegen zurückhaltender. Im Energiemix seines Landes lägen die Erneuerbaren bereits bei 60 Prozent. Ein CO2-Preis würde der rumänischen Industrie schaden, aber der Umwelt nicht viel bringen. Seiner Meinung nach sollte jedes Land für sich selbst entscheiden.

Manuel González Sanz, Außenminis­ter von Costa Rica, hält eine CO2-Bepreisung hingegen für notwendig, da die Menschen ansonsten Geld mit fossilen Rohstoffen machen würden, so lange es geht. Wir sollten uns schämen, unseren Planeten zu verschmutzen und uns selbst zu schaden. „Wir sind klüger“, sagte er in Berlin. Costa Rica sei ein kleines Entwicklungsland und habe einen Erneuerbaren-Anteil von fast 100 Prozent. Andere sollten seinem Beispiel folgen.

Sein deutscher Amtskollege Heiko Maas bekennt sich sowohl zum Pariser Abkommen als auch zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs). Er betont die große Bedeutung von Kompromissen auf multilateraler Ebene. Der Klimawandel, der auf das Konto des industrialisierten Westens gehe, belaste die Regionen am Stärksten, die die wenigsten Ressourcen hätten, um dagegen anzugehen. Umweltschäden seien ein globales, kein lokales Problem – und direkte Ursache für klimabedingte Migration. Letztlich ist das Erreichen der SDGs laut Maas eine Frage von Krieg und Frieden: Wenn die globalen Probleme nicht gelöst würden, sei globale Sicherheit eine Illusion.


Drake Jamali ist Praktikant bei E+Z/D+C, finanziert vom Congress-Bundestag-Jugendaustausch (CBYX). Dieses Programm entsendet 75 junge Amerikaner nach Deutschland und 75 junge Deutsche in die USA.
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