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Klimapolitik

Ehrgeizigere Ziele sind unerlässlich

von Katja Dombrowski

Meinung

Um den Klimawandel aufzuhalten, ist ein Systemwandel nötig. Dafür demonstrieren diese Aktivisten bei der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kattowitz.

Um den Klimawandel aufzuhalten, ist ein Systemwandel nötig. Dafür demonstrieren diese Aktivisten bei der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kattowitz.

Die Weltgemeinschaft hat sich auf ein Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimavertrags geeinigt. Deshalb gilt die 24. Klimakonferenz, die Anfang Dezember im polnischen Kattowitz stattfand, als Erfolg. Doch Regeln allein führen nicht automatisch zum Erfolg. Jetzt müssen die Staaten ihre Klimaschutzziele erhöhen.

Menschen reagieren instinktiv auf unmittelbare Gefahren. Mit genügend Adrenalin im Blut sind sie bereit zu springen, selbst wenn es wehtut. Um langfristige Gefahren abzuwehren, braucht es hingegen den Kopf. Dann aber wägt man ab, berücksichtigt verschiedenste Interessen oder setzt auf Lösungen, die von außen kommen. Dahin, wo es wehtut, geht niemand ohne Not.

Der Klimawandel gehört zu den Gefahren, die langsam und schleichend kommen. Die Erde heizt sich seit Beginn der Industrialisierung vor 200 Jahren auf. Die Folgen sind in vielen Teilen der Welt bereits seit langem spürbar und mittlerweile auch in den westlichen Industriestaaten nicht mehr zu leugnen: Waldbrände in Kalifornien und Australien, Dürre in Deutschland, Überschwemmungen in Italien.

Doch der große Paukenschlag, der radikale Veränderungen auslöst, ist bislang ausgeblieben. Bei der Erderwärmung stellen die irreversiblen Kipppunkte wie das Abschmelzen der Polkappen, das Auftauen der Permafrostböden oder der Zusammenbruch des Golfstroms existenzielle Gefahren dar. Sie treten nicht von jetzt auf gleich ein – aber die Welt steuert bereits darauf zu.

Wenn die Kipppunkte erreicht sind, ist Anpassung nicht mehr möglich. Da hilft nur Vorbeugung. Daher muss in der Energiewirtschaft, bei Wohnen und Verkehr sowie in der Land- und Forstwirtschaft jetzt umgesteuert werden. Eine Transformation der Wirtschaft wäre vernünftig, um die Erde für nachfolgende Generationen zu erhalten, und auch ökonomisch sinnvoll. Doch zu viele Politiker haben andere Prioritäten – und das liegt vor allem am Einfluss mächtiger Interessengruppen, die weiter von fossiler Energie profitieren wollen.

Da ist es gut, auf Basis der vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse einen allgemeinverbindlichen Rahmen zu schaffen. Das hat die Weltgemeinschaft auf dem Klimagipfel getan. Störmanövern von Ländern wie den USA, Saudi-Arabien und Russland hat sie die Stirn geboten. Sie hat sich zum Abkommen von Paris bekannt, indem sie ein Regelbuch für die Umsetzung beschlossen hat. Einheitliche Vorgaben sorgen für Vergleichbarkeit der Beiträge zum Klimaschutz, Berichte über Klimafinanzierung schaffen Planungssicherheit.

Damit ist die Grundlage gelegt. Die Chance, dass viele Staaten nun auch nach dem Pariser Vertrag handeln, steigt. Die USA-Delegation hat das Ergebnis nicht torpediert, sondern sich die Rückkehr zum Paris-Abkommen offen gehalten. Sanktionen für Klimasünder sieht das neue Regelwerk zwar immer noch nicht vor, Druck entsteht aber durch „Naming and Shaming“, und Vertragsbrecher müssen damit rechnen, vom weltweiten Emissionshandel ausgeschlossen zu werden, mit dem Verschmutzungsrechte in anderen Ländern gekauft werden können. Die Verabschiedung neuer, strengerer Regeln dafür wurde allerdings aufgrund eines Streits mit Brasilien auf die nächste Weltklimakonferenz in Chile verschoben.

Eine Grundlage zieht noch nicht zwangsläufig das richtige politische Handeln nach sich. Dazu wären seit Verabschiedung des Kyoto-Protokolls schon 21 Jahre Zeit gewesen, seit Paris immerhin drei. Stattdessen sind die weltweiten Treibhausgasemissionen auf ihrem Höchststand. Selbst wenn alle Staaten die neuen  Regeln beachten, wird das den Klimawandel nicht stoppen. Vielmehr müssen sie sich schnell ehrgeizigere Ziele setzen – und erreichen. Das ist das Entscheidende.


Katja Dombrowski ist Redakteurin bei E+Z/D+C.
[email protected] de

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