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Justiz

Gefängnishölle

von Raphael Mweninguwe

Heutzutage

In einem malawischen Gefängnis inhaftiert zu sein, löst psychische Störungen aus. So urteilt jedenfalls die Gefängnisaufsicht des Landes. Schätzungsweise 1400 Mordverdächtige warten seit 2006 auf ihre Gerichtsverhandlung und sitzen in überfüllten Zellen ohne richtige Luftzufuhr.

Die Gefängnisaufsicht soll die Lebensbedingungen, Administration und generelle Funktionsfähigkeit der Gefängnisse überwachen und dabei internationale Standards beachten. In einem Bericht vom August dieses Jahres weist die Behörde darauf hin, dass viele Inhaftierte jahrelang hinter Gittern sitzen, ohne je vor Gericht zu kommen. Das löst intensiven Stress aus. Je länger sie ohne Verhandlung im Gefängnis sitzen, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie „mentale Probleme entwickeln, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringt“.

Dem Bericht zufolge sind unzureichende Nahrungsversorgung, Bestechung und sogar Folter häufig. Etwa 14 000 Häftlinge sitzen in Malawis Gefängnissen; die meisten von ihnen zeigen Symptome der Unterernährung. Viele leiden an Tuberkulose oder sind HIV-positiv; andere haben Krätze.

Die Aufsichtsbehörde beanstandet, dass die Häftlinge oder deren Angehörige jemanden bestechen müssen, um überhaupt eine Gerichtsverhandlung zu bekommen. Das Geld geht entweder an Polizisten, Richter oder Gefängniswärter.

Der Kommunikationsbeauftragte des Malawi Prisons Service, Smart Malior, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Der Pressesprecher des Gerichtswesens, Mlenga Mvula, sagte der Presse jedoch, dass es mehrere Gründe für die Verzögerung der Gerichtstermine gebe – unter anderem die unzureichende Finanzausstattung der Justiz.

Die Menschenrechtsorganisation Centre for Human Rights and Rehabilitation (CHRR) erklärt, es sei gesetzeswidrig, wenn Gerichte Fälle nicht bearbeiten. Es bedeute, dass gegen die Rechte der  Gefängnisinsassen verstoßen werde und die Justiz nicht mehr funktioniere.

Victor Mhango vom Centre for Human Rights Education, Advice and Assistance (CHREAA) urteilt, Bestechung und Korruption seien „im malawischen Justizsystem an der Tagesordnung“. Reformen im Rechtswesen hätten bisher keine Ergebnisse gebracht.  

Die malawische Strafjustiz funktioniert nicht: Häftlinge bekommen zu wenig zu essen, und die meisten müssen über zehn Jahre warten, um vor Gericht gebracht zu werden. Mit anderen Worten: Gefängnisse in Malawi sind eine Hölle auf Erden.


Raphael Mweninguwe ist Journalist und lebt in Malawi.
[email protected]


Links

Centre for Human Rights and Rehabilitation (CHRR):
http://chrrmw.org/

Centre for Human Rights Education, Advice and Assistance (CHREAA):
http://chreaa.org/

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