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Versorgungsunternehmen

Noch immer nicht in Fluss

von Cathrine Schweikardt

In Kürze

Refugees at Lake Chad, the water level of which has dropped dramatically

Refugees at Lake Chad, the water level of which has dropped dramatically

In der Wasserwirtschaft armer Länder verbucht die Weltgemeinschaft kaum Fortschritt. Mehr Aufklärung, besseres Manage­ment und langfristig angelegte Koope­rationen könnten helfen.

Bis 1992 galt Wasser als soziales Gut und stand unter Aufsicht des Staates – der aber vielerorts mit der Versorgung der Bevölkerung überfordert war. Mit der Anerkennung als ökonomisches Gut durch die Dubliner Prinzipien vollzog sich 1992 eine Wende hin zum Markt und zu globaler Steuerung. Die Branche werde aber bis heute dominiert von großen Versorgungskonzernen, kritisiert Petra Dobner von der Universität Hamburg. Mitsprache der Zivilgesellschaft fehle: Weltwasserrat, Welt­wasserforum und -kommission bräuchten ein breiteres Akteursspektrum.

Die Privatisierung von Wasser hält Dobner für „theoretisch falsch und empirisch hoffnungslos“. Da Wasserleitungen ein natürliches Monopol bildeten, sei echter Wettbewerb nicht möglich. Auf große Privatin­ves­titionen in ländlichen Gebieten zu hoffen, sei zudem „ökonomisch wahnwitzig“. Tatsächlich sei bisher kaum Geld geflossen; fast alle großen Privatisierungsprojekte seien gescheitert. Dobner nennt als Bei­spiele ­Bujumbura in Burundi oder Managua in Nikaragua.

Der Klimawandel verschärft Versorgungsprobleme. „Besonders Afrika ist davon betroffen,” sagte Professor Francis Mutua von der Universität Nairobi Ende November während einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum. Als Beispiele zitierte der Meteorologe die Austrocknung des Tschadsees oder die Gletscherschmelze des Kilimandscharo in Tansania. Afrika fehle es an Technologie, um mit dem Wandel umzugehen. Grundwasser zum Beispiel werde bisher kaum genutzt; Abhängigkeit von Oberflächenwasser erhöhe aber das Verschmutzungsrisiko. Mutua fordert mehr institutionellen und technologischen Austausch. Zudem müsse Abwasser als Ressource aufbereitet werden.

Kein Rezept für alle

Afrikas rasantes Bevölkerungswachstum verschärfe die Wasserkrise, ergänzt Kelvin Chitumbo vom National Water Supply and Sanitation Council (NWASCO) in Sambia: „Die beschränkte Handlungsfähigkeit afrikanischer Regierungen zeigt sich an ungeplanter Verstädterung.“ Zu den Folgen gehörten ineffiziente Wassergewinnung und -nutzung, sowie katastrophale Abwasser- und Abfallsysteme. Sambia will mit gutem Beispiel vorangehen: Seit 1994 begegnet die Regierung der Wasserkrise mit einer breiten Reform und gestärkten Behörden. NWASCO errichtete in Slums Wasserkioske; dadurch erhielten seit 2003 rund 350 000 Menschen Zugang zu Trinkwasser.

Wasserkioske seien nur eine Zwischenlösung, wendet Michael Klingler von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein. In ländlichen Gebieten sowie als Grundlage für sanitäre Anlagen seien sie ungeeignet. Der Fußweg zum Wasser dürfe außerdem nicht länger als zehn Minuten dauern. Erfolgreiche Projekte entstehen laut Klingler nur zusammen mit örtlichen Partnern; in jedem Land seien neue Analysen und Lösungen gefragt.

400 bis 500 Milliarden Dollar sind laut Deutsche Bank Research nötig, um das siebte Millenniumsentwicklungsziel (MDG) zu erreichen – die Zahl von 884 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und von 2,5 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sanitären Anlagen zu halbieren. Thomas Kluge vom Institut für so­zial-ökologische Forschung in Frankfurt, empfiehlt mehr in Menschen zu investieren als in Maschinen: „60 Prozent der Gelder für MDG 7 müssen in die Ausbildung von Personal fließen.“ Eine Projektdauer von unter zwölf Jahren hält Kluge für sinnlos. In Loccum betonte auch Kelvin Chi­tumbo aus Sambia, dass es auf lokale Kompetenzen ankomme. Entwicklungsplaner müssten lernen, besser zuzuhören – denn die betroffenen Menschen wüssten selbst meist am besten, wie ihnen wirkungsvoll zu helfen sei.

„Klimawandel, Naturschutz, Ernährungssicherheit und Bioenergie greifen wie Puzzlestücke ineinander“, warnt Dieter Gerten vom Potsdam-Institut für Klimaforschung. Besonders interessant seien Daten über virtuelles Wasser – also darüber, wieviel Wasser zur Herstellung einer Ware gebraucht wird. Für eine Tasse Kaffee sind laut Dorothea August vom World Wide Fund for Nature (WWF) 140 Liter Wasser nötig. In der Fleischproduktion werde 15 Mal mehr Wasser verbraucht als im Getreideanbau. Bei steigender Weltbevölkerung wachse auch der Fleischkonsum – gleichzeitig nehme die Zahl unterernährter Menschen zu, sie liege derzeit bei 923 Millionen.

Unverantwortlich ist laut August beispielsweise der Erdbeeranbau in Andalusien. Damit Ökosysteme stabil bleiben, müssten Produkte dort angebaut werden, wo sie klimatisch hinpassten. Um Erdbeeren zu bewässern, wurden in Andalusien tausende illegaler Brunnen gebohrt, die nun Grundwasser aufbräuchten, berichtete die WWF-Expertin. Damit die weltweite Abhängigkeit des Menschen vom Wasser bewusst werde, sei mehr Öffentlichkeitsarbeit gefragt. Auch ein Gütesiegel, das den Wasserverbrauch auf Waren anzeigt, könnte überforderten Verbrauchern helfen.

Cathrine Schweikardt