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Unsere Sicht

Chemische Intensivierung stößt an planetare Grenzen

von Katja Dombrowski

Meinung

Pestizideinsatz auf einem Reisfeld in Mosambik.

Pestizideinsatz auf einem Reisfeld in Mosambik.

Chemikalien sind überall: in der Kleidung, die wir tragen, in der Nahrung, die wir zu uns nehmen, in Möbeln, Spielzeug, Smartphones, Häusern und Autos. Sie verleihen den tausenden Produkten, die uns täglich umgeben, die erwünschten Eigenschaften. Aber der Großteil von ihnen hat auch schädliche Wirkungen.

Bei manchen Stoffen ist das unvermeidlich: Pestizide müssen giftig und Brennstoffe entzündlich sein. Bei anderen haben die gefährlichen Eigenschaften hingegen nichts mit der Funktion zu tun – und die müssen vermieden werden.

Das ist eine der Herausforderungen der Chemikalienpolitik. Eine weitere besteht darin, die Nutzung chemischer Ressourcen insgesamt zu verringern. Die Chemikalienproduktion verdoppelt sich derzeit alle 10 bis 12 Jahre. Mehrere zehntausend Stoffe sind weltweit auf dem Markt, und ständig werden neue erfunden. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Experten sind sich darüber einig, dass die planetaren Grenzen bald erreicht sind, wenn das so weitergeht. In einzelnen Bereichen sind sie bereits überschritten. Für mehr Nachhaltigkeit sind drei Ansätze wichtig, die aus der Umweltpolitik bekannt sind:

  1. Eine Steigerung der Effizienz von Verfahren und Produkten. Dafür braucht es in erster Linie technische Innovationen, aber auch den nötigen Willen, etwa um Produkte langlebiger zu gestalten.
  2. Mehr Wiederverwertung. Chemikalien sollten so weit wie möglich im Kreislauf geführt werden. Bisher ist das nur bei einem Bruchteil der Fall.
  3. Weniger Verbrauch. Das bedeutet eine Veränderung des Konsums, vor allem in den reichen Ländern, die besonders viele Ressourcen verbrauchen.

Für Chemikaliensicherheit und Nachhaltigkeit ist internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Denn häufig umspannen Produktion, Verwendung und Entsorgung von Produkten den ganzen Globus – etwa wenn seltene Erden in Afrika gefördert und in China in Smartphones verbaut werden, die in Europa und den USA verkauft werden. Am Ende ihrer Lebensdauer landen sie zum Recycling wieder in Asien. Ziel muss es nicht nur sein, möglichst hohe Wiedergewinnungsraten zu erreichen, sondern auch Schaden und Nutzen von Chemikalien fairer zu verteilen: Umwelt- und Gesundheitsschäden treten eher lokal beim Rohstoffabbau und der Entsorgung von Abfällen auf als bei der Nutzung der Produkte.

Die chemische Intensivierung und ihre Folgen erhalten bislang weniger Aufmerksamkeit als andere globale, existenzielle Krisen wie die Erderwärmung und der Verlust von Biodiversität. Dabei hängen sie direkt und auf vielfältige Weise miteinander zusammen. Zum Beispiel tragen die Verwendung von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft sowie der Plastikeintrag in die Natur zum Artenschwund bei. Die sehr energieintensive Chemieindustrie ist für erhebliche Treibhausgasemissionen verantwortlich. Und höhere Temperaturen durch den Klimawandel wiederum machen manche Stoffe toxischer.

Umweltverbände wie der BUND fordern daher, Stoffpolitik als dritte wichtige Säule einer Transformation zur Nachhaltigkeit zu betrachten und mit den anderen beiden Säulen – Klima und Biodiversität – zusammen anzugehen. Diskutiert wird zudem die Idee einer internationalen stoffpolitischen Konvention in Anlehnung an die Klimarahmenkonvention. Diese könnte auch ein globales Ziel zur Begrenzung der chemischen Intensivierung auf den Weg bringen, analog zum 1,5-Grad-Ziel im Pariser Klimavertrag. Dazu muss aber zunächst geklärt werden: Wie viel Chemie braucht der Mensch? Und wie viel mehr hält das globale Ökosystem Erde aus?


Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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