Gesundheit

Vorbereitung auf Ebola

Im Südsudan wächst die Sorge vor dem Ebolavirus, nachdem Nachbarländer mit Ausbrüchen zu kämpfen hatten. Die Regierung hat präventive Maßnahmen ergriffen, doch es bestehen weiterhin erhebliche Defizite. Eine Umfrage offenbart Wissenslücken beim Gesundheitspersonal.
Ebola-Schulung im südsudanesischen Ort Yei im Jahr 2019. picture-alliance/AP Photo/Sam Medrick Ebola-Schulung im südsudanesischen Ort Yei im Jahr 2019.

Im Südsudan wurden seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011 keine Fälle von Ebola nachgewiesen. Allerdings grenzt das Land an Uganda und die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) – zwei Länder, in denen die Krankheit im Jahr 2022 ausbrach. Ebola kann von Tieren auf Menschen übertragen werden. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit vermehrtem Kontakt zwischen Menschen und Wildtieren in Risikogebieten, begünstigt unter anderem durch Entwaldung, Jagd und Bergbau.

Das Virus könnte auf verschiedenen Wegen in den Südsudan gelangen, etwa über internationale Flughäfen oder die grüne Grenze. Enge Handelskontakte zu den Nachbarländern, offene Grenzen und gewisse kulturelle Traditionen könnten die Ausbreitung begünstigen. Zugleich weist die gesundheitliche Infrastruktur Defizite auf. Beispielsweise mangelt es an Monitoring, aber auch an Laborkapazitäten, um Proben zu analysieren.

Um den Südsudan besser gegen Ebola zu wappnen, kooperiert das Gesundheitsministerium des Landes mit den UN und humanitären Organisationen. Es hat unter anderem

  • das Ebola-Überwachungssystem gestärkt,
  • Gesundheitseinrichtungen auf Quarantäne vorbereitet,
  • medizinisches Personal geschult,
  • Aufklärungskampagnen für die Öffentlichkeit organisiert und
  • Leitlinien im Umgang mit Ebola entwickelt.

Das medizinische Personal spielt eine Schlüsselrolle. Es ist aufgrund des Kontakts zu Infizierten bei Ebolaausbrüchen besonders gefährdet und könnte die Krankheit ungewollt verbreiten. Mitarbeitende sollten unter anderem die Symptome Erkrankter erkennen können, um Patient*innen schnell an die richtigen Stellen weiterleiten zu können.

Umfrage unter Gesundheitspersonal

Allerdings mangelt es an Informationen dazu, inwiefern das medizinische Fachpersonal im Südsudan auf einen möglichen Ebolaausbruch vorbereitet ist. Als PhD-Student der Yesbud University India habe ich deshalb eine Umfrage unter medizinischem Personal durchgeführt, im Bezirk Yei River County am Dreiländereck Südsudan, DRC und Uganda, von August bis Oktober 2023. Das Ziel war, mehr darüber zu erfahren, was die Mitarbeitenden über Ebola wissen, welche Einstellung sie dazu haben und welche vorbeugenden Praktiken bereits etabliert sind.

Die 195 Teilnehmenden füllten dafür einen Fragebogen aus. Es zeigte sich, dass sie einerseits über die Symptome von Ebola recht gut Bescheid wussten. Andererseits war ihr Wissen zu Übertragung und Prävention lückenhaft – etwa hinsichtlich der Tatsache, dass das Virus auch über Muttermilch übertragen werden kann. Ihr Umgang mit Patient*innen unter Ebolaverdacht ist ebenfalls verbesserungswürdig. Teilnehmende mit hohem Bildungsniveau demonstrierten in der Umfrage mehr Wissen über Ebola, den Umgang mit Infizierten und darüber, wie sich die Krankheit eindämmen lässt, als solche mit niedrigerem Bildungsniveau.

Kontinuierliches Bildungsangebot

Die bisherigen Schulungen für medizinisches Fachpersonal dürfen deshalb erst der Anfang sein. Die Regierung sollte dringend ein kontinuierliches Bildungsangebot schaffen. Dabei sind die unterschiedlichen Bildungsniveaus und Erfahrungsgrade der Beteiligten zu berücksichtigen. Vor allem sollte das Gesundheitspersonal besser über potenzielle Infektionsquellen aufgeklärt werden.

Auch in anderen Regionen des Südsudan sollten ähnliche Studien unter Mitarbeitenden im Gesundheitssektor durchgeführt werden, um eine belastbarere Datenbasis zu schaffen. Auch sollten das Wissen über und die Einstellung zu Ebola in der breiten Bevölkerung erfragt werden.

Weitere Maßnahmen im Kampf gegen Ebola sind:

  • das Gesundheitssystem besser auszustatten, etwa mit Diagnose-Equipment für ein flächendeckendes Monitoring,
  • digitale Systeme zu nutzen für eine optimale medizinische Versorgung, etwa im Rahmen von Impfkampagnen,
  • lokale Gemeinschaften einzubeziehen, etwa durch lokale Autoritäten, sowie
  • über Ländergrenzen hinweg zu kooperieren und Informationen zu teilen.

Das 3. UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung lautet „Gesundheit und Wohlergehen“. Um es für den Südsudan zu erreichen und die Bevölkerung zu schützen, müssen die Regierung, die UN und andere Organisationen jetzt ihre Kräfte bündeln. Eine tödliche Krankheit wie Ebola darf im Südsudan keine Chance haben.

Simaya Ladu James ist Projektmanager bei der Hilfsorganisation Malteser International im Südsudan.
simayaladu@gmail.com

 

Ein tödliches Virus

Ebola ist eine hochansteckende und für Menschen tödliche Viruserkrankung, die vor allem in Subsahara-Afrika auftritt. Laut WHO lag die Sterblichkeitsrate bei früheren Ausbrüchen zwischen 25 und 90 Prozent, abhängig von den Umständen und Gegenmaßnahmen. Zu den Symptomen zählen Fieber, Abgeschlagenheit sowie Muskel-, Hals- und Kopfschmerzen. Es folgen Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag sowie innere und äußere Blutungen. Auch nach der Genesung können noch jahrelang Symptome auftreten.

Wird eine infizierte Person früh behandelt, erhöht dies ihre Überlebenschancen. Allgemein wird die Zufuhr von Flüssigkeit und Körpersalzen empfohlen, oral oder durch Infusion. Gegen die Variante des Zaire-Ebolavirus sind zugelassene Impfstoffe auf dem Markt. Beim Ausbruch in Uganda im Jahr 2022 handelte es sich allerdings um die sogenannte Sudan-Variante, gegen die es noch keine speziellen Impfstoffe oder Medikamente gibt.

Im Kampf gegen Ebola spielt Prävention eine entscheidende Rolle. Dazu gehört insbesondere, den Kontakt zu Körperflüssigkeiten infizierter Personen zu meiden, aber auch zu möglicherweise infizierten Gegenständen, wie der Kleidung Erkrankter oder medizinischen Geräten. Da Ebola von Tieren auf Menschen übertragen wird, ist besondere Vorsicht geboten im Umgang mit Wildtieren wie Fledermäusen, Waldantilopen und Schimpansen. SLJ

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