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Internationale Zusammenarbeit

INGOs in Afrika

von Agnes Abuom

Hintergrund

Berufliche Bildung: ­Frisiertraining bei einer kenianischen NGO.

Berufliche Bildung: ­Frisiertraining bei einer kenianischen NGO.

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben bei Schlüsselthemen wie HIV/Aids, Frieden, nachhaltiger Entwicklung oder Frauenrechten politischen Einfluss. Die Ko­operation nichtstaatlicher Organisationen aus Nord und Süd hat dazu beigetragen, dass gute Managementmethoden genutzt, Teilhabe an Entwicklung gefordert und der Ruf nach guter Amts- und Regierungsführung unterstützt werden. Leider hat die Zusammenarbeit aber auch Schattenseiten.

In Afrika ist die Zahl der zivilgesellschaftlichen Organisationen (civil-society organisations – CSOs) in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen. Ein Grund dafür war, dass die staatliche Finanzierung von Sozialprogrammen im Zuge der von Weltbank und Internationalem Währungsfonds geforderten Strukturanpassungen in den 80er und 90er Jahren deutlich zurückging. In gewissem Maß konnten nichtstaatliche Organisationen (non-governmental organisations – NGOs) die Lücken füllen.

Internationale NGOs (INGOs) waren für die Stärkung der afrikanischen CSOs wichtig. Letztere leisten nun Lobbyarbeit und unterstützen ausgegrenzte Gemeinschaften im Kampf für bessere Politik und bessere Lebensbedingungen. INGOs sind relevant, weil sie materielle Hilfe und Modelle für Management und Organisationswesen bieten. Geberregierungen ist klar, dass sie über INGOs recht unterschiedliche Zielgruppen in Entwicklungsländern erreichen können, und fördern INGOs entsprechend.

INGOs helfen örtlichen NGOs, Netzwerke zu knüpfen und Bündnisse zu schließen, was sie zu stärkeren Anwälten weitreichenden Wandels macht. Zugleich beeinflussen INGOs aber auch die Politik von Geberregierungen und ermöglichen es afrikanischen CSOs, mit diesen in Kontakt zu treten.

Örtliche CSOs übernehmen oft Aufträge im Rahmen von INGO-Projekten, aber sie erhalten auch Geld für ihre eigenen Maßnahmen. Besonders effektiv ist die Zusammenarbeit, wenn die Partner sich intensiv austauschen und ein gutes Kooperationsklima schaffen. Im Lauf der Jahre ist die INGO-Finanzierung für Vorhaben afrikanischer NGOs gestiegen, woran auch konfessionell gebundene Organisationen teilhaben.

Die INGOs liefern aber mehr als nur Geld, Wissen und Fachkenntnisse. Sie helfen, die Stimmen afrikanischer CSOs lauter erklingen zu lassen. In Afrika ist es um soziale Gerechtigkeit oft schlecht bestellt, und viele Regierungen machen es zivilgesellschaftlichen Akteuren schwer, sich politisch zu engagieren. Für afrikanische NGOs bedeuten Verbindungen zu INGOs Schutz. Amnesty International, Human Rights Watch und andere INGOs weisen international immer wieder auf repressives Regierungshandeln hin. In der Tat agieren viele Amtsträger weltweit – auch in Kenia – zunehmend autoritär.

INGOs haben in Afrika geholfen, bürgerschaftliches Engagement und öffentliche Beteiligung an Politik zu etablieren. Ihre Öffentlichkeitsarbeit wendet sich gegen Machtmissbrauch. Sie fordern Rechtssicherheit und gute Amtsführung. INGOs treiben die Formulierung konkreter und umfassender Strategien voran und unterstützen alle die, die Wandel fordern.

Dank solcher Unterstützung konnten kenianische CSOs zum Demokratisierungsprozess beim Übergang vom Regime einer Staatspartei hin zu echten Wahlen mit Parteienwettbewerb beitragen. Religiöse Organisationen forderten beispielsweise solide Regierungsführung sowie Raum für das politische Agieren vielfältiger Akteure. Sie schützten die Organisatoren von Protesten. Später übernahmen die CSOs dann eine Führungsrolle bei der Entstehung der neuen kenianischen Verfassung. Nachdem der Prozess Jahrzehnte gestockt hatte, wurde das neue Grundgesetz 2010 endlich beschlossen.

Der Austausch zwischen internationalen und nationalen NGOs hat zudem das öffentliche Verständnis dafür wachsen lassen, wie Frieden, Rechtssicherheit und soziale Gerechtigkeit zusammenhängen. Heute sind INGOs in Kenia vermutlich in marginalisierten und vom Staat vernachlässigten Regionen am wichtigsten. Im Norden sorgen World Vision, Action Aid und andere dafür, dass Menschen in Not Lebensmittel und Wasser bekommen. Sie sind bei Hochwassern, Dürren oder Hungersnöten zur Stelle und sichern eine Grundversorgung.

 

Wettbewerb um Fachkräfte

Lange Zeit setzten örtliche NGOs vor allem Vorhaben um, für die ihre internationalen Partner die Mittel beschafften und Öffentlichkeitsarbeit machten. Mittlerweile sind die afrikanischen CSOs aber selbstbewusst geworden, und das prägt nun ihre Interaktion mit den INGOs.

Eine große Zahl afrikanischer NGOs entstand in den frühen 90ern. Damals waren sie kaum in der Lage, Maßnahmen effizient und wirkungsvoll umzusetzen. Ihre Kapazitäten waren begrenzt, und die Geberorganisationen mussten auf gute Mittelverwendung bestehen. Aus gutem Grund fordern sie weiterhin stimmige Buchhaltung und Jahresbilanzen und kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben mit ausgeklügelten Systemen. Das kann aber zu Spannungen und Streit führen, denn örtliche CSOs fühlen sich manchmal übergangen oder finden die Regeln zu streng. Es ist eine Balance nötig, die den Bedürfnissen aller Beteiligten entspricht. Afrikanische Organisationen müssen an der Formulierung der Regeln betei­ligt werden.

Einige INGOs haben Büros in Afrika eingerichtet, unter anderem, um Finanzströme zu kontrollieren. Leider neiden diese Büros dann zu Micromanagement, womit sie die Eigenverantwortung der afrikanischen NGOs untergraben und deren Lernprozesse behindern. Wenn eine INGO ein Büro in einem Land hat, neigen dessen Mitarbeiter dazu, öfter Projekte zu besuchen. Das dient zwar dem Monitoring, erhöht aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass INGO-Manager zu viele Entscheidungen an sich ziehen. Die Prioritäten der INGOs übertrumpfen dann örtliche Prioritäten. Solches Gebaren behindert vor allem das Wachstum kleiner afrikanischer Organisationen.

Erschwerend kommt hinzu, dass INGOs in Afrika örtlichen Partnern Ressourcen wegschnappen. Sie sind darin geschickter, Anträge an Botschaften und Durchführungsorganisationen von Geberregierungen und multilateralen Institutionen zu stellen. Sie sprechen deren Sprache und kennen deren Regeln. Problematisch ist auch, dass INGO-Büros in Afrika die besten Fachkräfte einstellen. Sie werben sie lokalen CSOs ab. Afrikanische Organisationen können im Blick auf Gehälter und Arbeitsbedingungen nicht mit INGOs mithalten.

Manche INGOs entscheiden sich bewusst gegen nationale Büros in Afrika und beschäftigen stattdessen heimische Consultants. Brot für die Welt gehört dazu. Die Consultants kümmern sich dann nicht nur um Dinge wie Buchhaltung, sondern unterstützen das Capacity Development in der afrikanischen Zivilgesellschaft. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass die CSOs auf der nationalen Ebene gut arbeiten und Ergebnisse liefern.

Manchmal entsteht der Eindruck, die INGOs wollten mit ihrer starken Präsenz in Afrika örtliche CSOs in den Schatten stellen. Um Spannungen zu vermeiden, ist es sinnvoll, intensiv zusammenzuarbeiten und alle beteiligten Parteien in die Mitteleinwerbung einzubeziehen. Transparenz ist auch wichtig. Glücklicherweise wird der Austausch von INGOs und nationalen NGOs generell besser. Die afrikanischen Partner sind nicht mehr schüchtern und passiv, sie sind jetzt selbstbewusste Akteure, die mit darüber entscheiden wollen, was auf die Agenda kommt.

 

Agnes Abuom leitet TAABCO Research and Development Consultants in Nairobi. Sie hat für Brot für die Welt und andere internationale nichtstaatliche Organisationen gearbeitet. Sie ist zudem die Moderatorin des Zentralkommittees des Weltkrichenrats.
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