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Steigende Infektionszahlen

Düstere Aussichten

von Mahwish Gul

In Kürze

Bürger bringen ihre Wut über die mit Covid-19 zusammenhängenden Polizeimorde in Nairobi zum Ausdruck.

Bürger bringen ihre Wut über die mit Covid-19 zusammenhängenden Polizeimorde in Nairobi zum Ausdruck.

Kenia hat Mühe, die durch Covid-19 entstandenen Herausforderungen zu bewältigen. Das Gesundheitssystem des Landes ist schwach, und die Wirtschaft hat sich bereits vor Beginn der Pandemie abgeschwächt.

Die Weltbank schätzt die wirtschaftlichen Aussichten für Kenia als düster ein, da das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich schrumpfen wird. Die Bank sagt, dies sei „ein seltenes, schwerwiegendes Ereignis“.

Kenia meldete am 12. März seinen ersten bestätigten Covid-19-Fall. Die Regierung reagierte schnell und hat:

  • Reisebeschränkungen auferlegt,
  • alle Bildungseinrichtungen geschlossen,
  • öffentliche Versammlungen und Gottesdienste ausgesetzt,
  • eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und
  • jeden, der konnte, angewiesen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Der Staat setzt auf Prävention und Abstandhalten an öffentlichen Orten. Die Repressionen waren jedoch hart, und die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde berichtete im Juni, dass Beamte mindestens 15 Menschen getötet hätten.

Seit der erste Fall gemeldet wurde, ist ein schrittweiser Anstieg der Neuinfektionen zu verzeichnen. Bis zum 17. Juni wurden fast 3 900 Fälle von Covid-19 und 105 coronabedingte Todesfälle gemeldet. Die Gesundheitsbehörden rechneten damit, dass der Höhepunkt der Pandemie im August oder September erreicht wird. Die Investitionen in die Gesundheitsfürsorge werden aufgestockt, aber das kenianische Gesundheitssystem ist eindeutig überlastet. Laut der Nachrichtenagentur Reuters verfügt das Land nur über 518 Intensivbetten, wobei 94 Prozent der Betten bereits von Nicht-Covid-19-Patienten belegt sind. Wenn die Pandemie ihren Höhepunkt erreicht, benötigt Kenia möglicherweise 4 500 Beatmungsgeräte. Es gibt aber nur 297 im ganzen Land.

Mit fast 50 Millionen Menschen ist Kenia die größte Volkswirtschaft in Ostafrika. Schätzungsweise 60 bis 70 Prozent der Stadtbevölkerung lebt in überfüllten Slums, in denen es keine Grundversorgung gibt und die perfekte Brutstätten für Infektionskrankheiten sind. Sanitäre Einrichtungen sind selbst in den besten Zeiten ein Problem. Angemessene Hygiene oder Selbstquarantäne sind kaum möglich. Es war keine Überraschung, dass das Gesundheitsministerium dichtbesiedelte Gebiete in Nairobi als Covid-19-Hotspots identifizierte.

Endemische Armut macht Massen von Menschen verwundbar. Offiziellen Angaben zufolge lebt rund ein Drittel der Kenianer unterhalb der Armutsgrenze. Informelle Arbeiter machen mehr als 80 Prozent der Arbeitskräfte aus. Ihnen mangelt es an sozialer Absicherung, so dass Arbeitslosigkeit verzweifelte Armut bedeutet.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirtschaft des Landes stark betroffen ist. Der multinationale Wirtschaftsdienstleister Deloitte rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der Exporteinnahmen um mindestens 25 Prozent (1,5 Milliarden Dollar). Die Produktivität in der Schnittblumenbranche ist um 90 Prozent gesunken. Der Tourismussektor ist zum Erliegen gekommen. Der Wirtschaftsabschwung wirkt sich zudem selbstverstärkend aus. Da Verbraucher und Unternehmen weniger ausgeben, gehen auch die Einkommen zurück, und die Menschen kaufen weniger.

Kenia muss ein fragiles Gleichgewicht aufrechterhalten. Die große Herausforderung besteht darin, die Neuinfektionsrate so niedrig zu halten, dass das Gesundheitssystem damit fertig wird und gleichzeitig die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

In ganz Afrika ist die Zukunftsprognose düster. Die Gesundheitsrisiken dürfen nicht unterschätzt werden. Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA) hat davor gewarnt, dass auf dem 1,3 Milliarden Einwohner zählenden Kontinent trotz Maßnahmen wie Abstandhalten in diesem Jahr fast 123 Millionen Fälle auftreten und 300 000 Menschen an der Krankheit sterben könnten. Kenia ist ein vergleichsweise wohlhabendes Land. Wirtschaft und Gesundheitssektor sind anderswo tendenziell schwächer.


Mahwish Gul ist eine Beraterin aus Pakistan, die sich auf Entwicklungsfragen spezialisiert hat. Sie ist kürzlich nach Nairobi gezogen.
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