Ghana

Beschäftigung in Ghana fördern

Die hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen sowie Universitätsabsolventinnen und -absolventen zählt zu den drängendsten sozialen und politischen Problemen Ghanas. Die fehlenden Chancen für junge Menschen führen zu hoher Unzufriedenheit, destabilisieren tendenziell das demokratische Gemeinwesen und erhöhen die Emigrationsbereitschaft – und damit mögliche Braindrain-Effekte.

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig beigetragen.

 

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

Informell Tätige wie diese Goldschürfer tauchen in der Arbeitslosen­statistik in Ghana nicht auf. picture-alliance/REUTERS/ZOHRA BENSEMRA Informell Tätige wie diese Goldschürfer tauchen in der Arbeitslosen­statistik in Ghana nicht auf.

Offizielle Daten werden allerdings nur unregelmäßig erhoben, und sie erfassen nur offiziell als arbeitslos gemeldete Personen. Außen vor bleiben etwa Unterbeschäftigte, informell Tätige und Personen in nicht qualifikationsadäquaten Jobs. Die angewandte, aus Europa und Nordamerika stammende Methodik ist insbesondere angesichts des hohen Anteils informell Beschäftigter fraglich. Dieses Problem trifft neben Ghana auch andere afrikanische Länder, wie der ghanaische Ökonom William Baah-Boateng (2016) kritisiert. Laut einem Bericht der Weltbank (Dadzie et al. 2020), sind mehr als die Hälfte derjenigen, die nicht offiziell als arbeitslos gelten, unterbeschäftigt.

BMZ fördert sieben afrikanische Länder

Um dem entgegenzuwirken, fördert das BMZ seit 2019 über die Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung eine Reihe von Vorhaben im Bereich der Beschäftigungsförderung in insgesamt sieben afrikanischen Ländern. In Ghana hat das Projekt ein Gesamtvolumen von 38,3 Millionen Euro für den Zeitraum von 2019 bis 2025. Die Initiative firmiert auch unter dem Namen „Invest for Jobs“. Sie ist eingebunden in das umfassendere Vorhaben „Compact with Africa“ der G20-Staaten. In Ghana ziehen sich die von der GIZ koordinierten Projekte quer durch alle Sektoren der Wirtschaft. Sie reichen von der Ausbildung von Busfahrerinnen über die Unterstützung von Kleinbauern bis hin zu Telekommunikation und IT. (Zur IT-Branche in Ghana siehe Haupttext.)

Die Initiative verfolgt unterschiedliche Ziele. Einerseits werden vor allem solche afrikanischen Länder gefördert, die sich durch besondere Erfolge im Bemühen um gute Regierungsführung hervorgetan haben. Andererseits stehen schnelle und zählbare Erfolge in der Beschäftigungsförderung im Vordergrund. Diese Unterstützung von Entwicklung vor Ort verfolgt zugleich das Ziel, den Migrationsdruck nach Europa zu verringern.

Literatur

Baah-Boateng, W., 2016: The youth unemployment challenge in Africa: What are
the drivers? In: The Economic and Labour Relations Review, Vol. 27 (4).

Dadzie, C. E., Fumey, M., Namara, S., 2020: Youth Employment Programs in Ghana: Options for Effective Policy Making and Implementation. International Development in Focus. Washington, DC: World Bank.

Marian Burchardt ist Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig und Leiter des vorgestellten Forschungs­projekts.
marian.burchardt@uni-leipzig.de

Florian Stoll arbeitet als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig und forscht in dem beschriebenen Projekt zu Gründen für Jobwechsel in Ghana.
florian.stoll@uni-leipzig.de

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