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Kulturwirtschaft

In Ugandas Kultur investieren

Ugandas lebendige Kulturszene hat sich von der Corona-Pandemie erholt, es fehlt ihr allerdings an Förderung. Mangels institutioneller Angebote bilden sich junge Talente in Eigenregie aus.
Ugandische Kunst, dargeboten auf einem internationalen Festival in Faridabad, Indien. picture-alliance/ZUMAPRESS.com/Pradeep Gaur Ugandische Kunst, dargeboten auf einem internationalen Festival in Faridabad, Indien.

Nach langer Pause während eines der strengsten Corona-Lockdowns der Welt erwachte die Kulturszene in Uganda 2022 zu neuem Leben. Heute bieten Künstler*innen ein reges Programm in den Bereichen Tanz, Theater, Film, bildende Kunst und Literatur. In der Hauptstadt Kampala startet die Njabala Foundation jährlich am Weltfrauentag eine Ausstellung exklusiv für Künstlerinnen, in diesem Jahr zum Thema Trauer. Das Yenze Theatre Conservatoire ist bekannt für seine Aufführungen klassischer Broadway-Musicals im Nationaltheater in Kampala. Der African Writers Trust organisiert Workshops und Weiterbildungsmöglichkeiten für Schriftsteller*innen, und die Tebere Arts Foundation veranstaltet jährlich das Kampala International Theatre Festival.

Der lebendigen Kulturszene mangelt es jedoch an Mitteln, insbesondere für langfristige strukturelle Förderung. Die Prioritäten der ugandischen Regierung liegen im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Dies spiegelt sich auch an Schulen wider: Lehrkräfte der Naturwissenschaften verdienen mehr als jene, die geisteswissenschaftliche Fächer unterrichten. Über den Erhalt des kulturellen Erbes des Landes wird vor allem im Rahmen der Tourismusförderung diskutiert.

Förderung aus dem Ausland

Unterstützung kommt hauptsächlich von den westlichen Kulturinstitutionen British Council, Alliance Française und dem Goethe-Zentrum (ein Kooperationspartner des Goethe-Instituts). Weitere Einzelprojektförderung stammt etwa von der EU, den niederländischen Organisationen Prince Claus Fund und DOEN-Stiftung oder von privaten Initiativen wie der Mastercard Foundation.

In der kontinentalen und internationalen Szene sind vergleichsweise wenige ugandische Künstler*innen aktiv – anders als etwa Kulturschaffende aus Nigeria und Südafrika. An Talent mangelt es den Künstler*innen in Uganda allerdings nicht. Was tatsächlich fehlt, sind Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und sich zu verbessern. Viele erreichen sehr früh den Höhepunkt ihrer Karriere, weil es an professioneller Weiterbildung mangelt.

Abgesehen von der Abteilung für darstellende Künste und Film an der Makerere University sind Kunstakademien oder Hochschulangebote in Uganda rar gesät. Ehrgeizige junge Künstler*innen würfeln sich ihre Ausbildung oft selbst zusammen – aus Youtube-Tutorien und gelegentlichen Workshops mit internationalen Künstler*innen, organisiert von einer der westlichen Kulturorganisationen. Nur wenige können – sofern Visabeschränkungen es erlauben – zur Weiterbildung ins Ausland reisen, beispielsweise im Rahmen des Internationalen Forums der Berliner Festspiele, einer Plattform für den globalen Austausch von Theaterschaffenden, gefördert vom Goethe-Institut.

Angebote zur Weiterbildung

Laut UN generiert die Kulturwirtschaft weltweit 50 Millionen Jobs und beschäftigt vergleichsweise viele junge Menschen. Angesichts der sehr jungen Bevölkerung Ugandas wäre es deshalb ein wertvoller Beitrag zur Entwicklung des Landes, in Institutionen und Strukturen zu investieren, die eine Weiterbildung in diversen Kunstformen ermöglichen. Ein exzellentes Beispiel dafür ist das bereits erwähnte Yenze Theatre Conservatoire, dessen Schauspielschule Kurse und Trainingsmöglichkeiten für Dramaturg*innen anbietet. Die Gründerin, Aganza Kisaka, ist eine junge Uganderin, die nach ihrem Theaterstudium an der New York University in ihr Heimatland zurückgekehrt ist mit dem Ziel, Kampala zur Theaterhauptstadt Afrikas zu entwickeln.

Auch Esther Nakaziba, Maskenbildnerin für Spezialeffekte, hat frühzeitig die Notwendigkeit von Weiterbildung und Investition erkannt. Jahrelang war sie eine von nur wenigen Maskenbildner*innen in der Filmbranche in Kampala. Dann beschloss sie, ihre eigene Maskenbildnerschule zu eröffnen. Heute leitet sie ein florierendes Unternehmen, Enakaziba Creatives. Es vermittelt jungen Frauen Fähigkeiten im Film-Make-up und Kostümdesign – und dadurch auch Jobmöglichkeiten.

Arbeitsplätze schaffen

Investitionen in die Kulturszene können Arbeitsplätze schaffen. Zu einer Film- oder Fernsehproduktion beispielsweise tragen nicht nur Schauspieler*innen oder Regisseur*innen bei, sondern auch Drehbuchautor*innen, Kameraleute sowie Fachpersonal für Maske, Kostüm, Musik und Technik. Die ugandische Filmbranche arbeitet in vielerlei Hinsicht selbstständig, allerdings schwankt die Qualität der Produktionen abhängig vom Budget. Um sie konkurrenzfähig zu machen gegenüber Mitbewerbern in Südafrika oder Kenia, wären externe Mittel nötig.

In Deutschland und anderswo werden derzeit Entwicklungsgelder gekürzt, sodass eine Steigerung der Mittel für die Förderung der Kultur unrealistisch erscheint. Allerdings müssen dafür nicht zwangsläufig Budgets erhöht werden. Würden kulturelle Komponenten stärker in bestehende Entwicklungsprojekte integriert, ließe sich auch mit existierenden Budgets viel bewegen. Auch ein stärkeres Einbinden des Privatsektors wäre wünschenswert, etwa um private Musik- oder Filmproduktionsfirmen zu Investitionen anzuregen.

In der Entwicklungspolitik wird die Förderung von Kultur oft zu Unrecht hintangestellt. Sie kann vielfältigen gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Nutzen erbringen – und den talentierten Künstler*innen Ugandas die Plattform bieten, die sie verdienen.

LINKS

Njabala Foundation:
https://njabala.com/

Yenze Theatre Conservatoire:
https://www.yenzetheatreconservatoire.com/

African Writers Trust:
https://africanwriterstrust.org/

Tebere Arts Foundation:
https://tebere.org/

Kampala International Theatre Festival:
https://kampalainternationaltheatrefestival.com/

Anna Adima ist Expertin für die Geschichte Ostafrikas und leitet das Goethe-Zentrum in Kampala. Sie äußert hier ihre persönliche Meinung.
anna.adima@gmail.com