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Rehabilitation

Ein Blick in Simbabwes umstrittene Lager für Drogenentzug

Junge Menschen in Simbabwe, die mit einer Sucht zu kämpfen haben, befinden sich in einer Zwickmühle zwischen praktisch nicht vorhandenen öffentlichen Einrichtungen für psychische Gesundheit und unregulierten privaten Rehabilitationszentren. Berichte schildern militärähnliche Übungen, Korruption und Freiheitsentzug in Einrichtungen, die vorgeben, eine Therapie anzubieten.
Drogenmissbrauch ist in den städtischen Zentren Simbabwes besonders hoch, vor allem in der Hauptstadt Harare. picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Tsvangirayi Mukwazhi
Drogenmissbrauch ist in den städtischen Zentren Simbabwes besonders hoch, vor allem in der Hauptstadt Harare.

In Simbabwes Hauptstadt Harare floriert eine gefährliche Wirtschaft. „Der Drogenhandel läuft auf Hochtouren“, sagt John Gwada, Gemeindevorsteher und Pastor der Zimbabwe Apostolic Church. Diese Schattenwirtschaft basiert auf den zerstörten Leben der sogenannten „verlorenen Generation“ Simbabwes – junger Erwachsener, die nach dem Jahr 2000 geboren wurden und am stärksten von der verheerenden Beschäftigungskrise des Landes betroffen sind.

Obwohl es nur wenige umfassende nationale Erhebungen gibt, schätzen Studien des „Zimbabwe Civil Liberties and Drug Network“ (ZCLDN) und der „Zimbabwe Youth Development Initiative“, dass über 60 % der Jugendlichen in städtischen Gebieten bereits Erfahrungen mit Drogen gemacht haben, wobei etwa 35 % diese regelmäßig konsumieren. „Es herrscht Chaos – Kinder brechen die Schule ab; manche vertreiben ihre Eltern aus dem Haus; andere verkaufen ihren gesamten Hausrat, nur um sich die nächste Dosis zu beschaffen“, sagt Gwada.

Doch der Albtraum endet nicht auf der Straße, wo Drogen und illegaler Alkohol leicht erhältlich sind – für manche Süchtige fängt er erst richtig hinter den Stahlgittern sogenannter „Entzugs-Bootcamps“ an, die vorgeben, junge Menschen mit Suchterkrankungen zu rehabilitieren.

Die Drogenrehabilitationszentren in Simbabwe, die wie Pilze aus dem Boden schießen, sind zu Brutstätten von Korruption und Brutalität geworden, in denen politisch vernetzte Eliten eine Krise des öffentlichen Gesundheitswesens in ein lukratives Geschäft verwandelt haben. Betroffene und ihre Familien berichten, dass ihr Weg in die Nüchternheit in Einrichtungen wie dem „Matrix Rehabilitation Centre“ und der „Angel of Hope Foundation“ in der Hauptstadt von Bestechung, militärischer Folter, Zwangsinhaftierung und Missachtung der Menschenrechte gekennzeichnet war.

Weniger als 20 Psychiater*innen in Simbabwe

Für eine verzweifelte Mutter wie Chipo Ganga (Name geändert), die mitansehen musste, wie ihr 19-jähriger Sohn aufgrund seiner Drogenabhängigkeit dahinsiechte, war es nur allzu leicht, sich von den stilvoll gestalteten Werbeanzeigen auf TikTok und Facebook täuschen zu lassen, in denen diese Drogenrehabilitationszentren prominent beworben werden.

„Im Jahr 2025 versuchte ich verzweifelt, meinen Sohn zu retten – die Anzeigen für die Rehabilitationszentren kamen mir wie ein Geschenk des Himmels vor“, sagt sie. Sie versprachen „ganzheitliche Therapie“, „psychologische Begutachtungen“ und einen Weg zurück zur psychischen Gesundheit sowie die Rückkehr in die Schule oder ins Berufsleben für „gerettete junge Menschen“. In Simbabwe, einem Land, in dem es praktisch kein System der psychischen Gesundheitsversorgung gibt – mit weniger als 20 registrierten Psychiater*innen und weniger als 40 klinischen Psycholog*innen für eine Bevölkerung von 17 Millionen –, präsentieren sich diese scheinbar wohltätigen Drogenrehabilitationszentren als die einzige verbleibende Hoffnung für Eltern, deren Kinder drogenabhängig sind.

Das „Matrix Rehabilitation Centre“, das von Tafadzwa ­Chidawa, einem ehemaligen Polizeibeamten und Social-Media-Influencer, geleitet wird, sowie „Angel of Hope“, eine Stiftung unter der Leitung von Simbabwes First Lady Auxillia Mnangagwa, sind die bekanntesten dieser Rehabilitationszentren. Sie geben an, kostenlose oder subventionierte Programme mit einer Dauer von einem bis drei Monaten anzubieten, die darauf abzielen, junge Menschen, die mit einer Sucht zu kämpfen haben, zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. 

„Das Matrix-Reha-Zentrum versprach mir, dass mein 19-jähriger Sohn, der sein erstes Jahr im Jurastudium an der University of Zimbabwe abgebrochen hatte, innerhalb eines Monats mit dem Drogenkonsum aufhören würde – und an seinem 20. Geburtstag an die Universität zurückkehren würde“, sagt Ganga. Doch sobald sich die Tore geschlossen hatten, wurde ihr Sohn einer militärähnlichen Drillausbildung unterzogen, berichtet sie. Er erzählte ihr, dass sein Tag um 3 Uhr morgens begann – er wurde mit kaltem Wasser übergossen und musste sich im schlammigen Hinterhof wälzen, andere junge Menschen ohrfeigen und jeden Tag selbst fünf Ohrfeigen auf die Wange erdulden. Seine einzigen Mahlzeiten bestanden aus einem „Frühstück“ um 15 Uhr und einem leichten Abendessen um 22 Uhr. „Er schlief vier Stunden am Tag und verlor sieben Kilo in einem Monat“, sagt sie. Gleichzeitig entwickelte sich das Rehabilitationsprogramm, das ursprünglich als kostenlos angepriesen worden war, zu einem finanziellen Albtraum. Die Betreiber verlangten 500 Dollar; andernfalls würde ihr Sohn sechs Monate lang dort festgehalten werden. „Ich hatte keine andere Wahl, als meinen Kühlschrank zu verkaufen, um sie zu bezahlen“, sagt Ganga. 

„Patient*innen im Alter von gerade einmal zwölf Jahren, die gegen eine Sucht kämpfen, sitzen in diesen zweifelhaften Rehabilitationszentren fest, die eher auf Gewinn ausgerichtet sind als auf die pädiatrische Versorgung“, sagt Jigga Saro (Name geändert), ein ehemaliger Sicherheitsbeamter, der angibt, die simbabwische Polizei auf „Matrix“ aufmerksam gemacht zu haben und untergetaucht zu sein, nachdem der Eigentümer von Matrix im Jahr 2025 kurzzeitig festgenommen worden war.

Kidnapper als „Gesundheitspersonal“

Einer der besorgniserregendsten Aspekte dieser Rehabilitationszentren ist die Art und Weise, wie sie ihre Klient*innen „rekrutieren“ – neben den Versprechungen, die in den sozialen Medien gemacht werden. Es gibt zahlreiche Vorwürfe, dass Reha-Zentren wie „Matrix“ private Türsteher als „Entführungstrupps“ einsetzen. Diese Trupps holen junge Menschen in Not von der Straße und bringen sie gewaltsam in die Zentren, berichtet die 22-jährige Irimayi Goto (Name geändert). Genau das widerfuhr der jungen Mutter, die drei Jahre lang mit einer Alkohol- und Ecstasy-Abhängigkeit zu kämpfen hatte und zwei Monate in dem Zentrum verbrachte, bevor ihre im Ausland lebenden Onkel eine Gebühr von 900 Dollar zahlten, um ihre Freilassung zu erwirken.

Die Männer dieser Banden schlendern durch die Straßen von Harare und locken mutmaßliche Drogensüchtige unter dem Vorwand, sie zu einer medizinischen Untersuchung oder einem Seminar zum Thema „Stärkung der Jugend“ mitzunehmen, in ihre Fahrzeuge, so Goto. Sobald sie hinter die Tore der Rehabilitationszentren gebracht werden, kommen brutale Methoden zum Einsatz. Die „Patient*innen“ würden gegen ihren Willen festgehalten, sagt sie. „Das ist keine medizinische Behandlung – das ist Entführung.“

Goto fügt hinzu, dass hinter diesen Zwangsinhaftierungen keine medizinischen Bedenken stehen, sondern der finanzielle Wert jedes Drogenabhängigen, der in Rehabilitationszentren eingewiesen wird. Familien müssen zwischen 400 und 800 Dollar pro Monat zahlen, wenn ihre Kinder in diesen Lagern festgehalten werden – oder sogar noch mehr, um ihre Freilassung zu erwirken.

Im „Bootcamp“

Goto berichtet, dass der Alltag in der Reha-Einrichtung eher dem einer Gefängnisinsassin als dem einer Patientin in der Rehabilitation glich. „Wir wurden aus unserem kurzen Schlaf geweckt, um an Appellen, Zwangsgesang und zermürbendem Training teilzunehmen“, sagt sie. Dazu gehörten beispielsweise das „Luftsitzen“ – 30 Minuten oder länger in der Hocke zu verharren – oder das „Froschmarschieren“. „Auch Schläge waren an der Tagesordnung“, sagt Goto.

Die Übungen forderten ihren körperlichen Tribut und führten oft dazu, dass ihr schwindelig wurde und sie kurz vor der Ohnmacht stand. Doch jedes Anzeichen von Schwäche hätte Schläge mit einem Wasserrohr zur Folge gehabt. Es gab kein Gesundheitspersonal, das auf Sucht spezialisiert gewesen wäre und die Insassen, wie bei der Aufnahme versprochen, behandelt hätte. „Nur muskulöse Männer, die uns verspotteten und schlugen. Uns wurde gesagt, wir seien für unsere Familien und das Land nutzlos, weil wir drogenabhängig sind. Wenn wir uns zu laut beschwerten, drohten sie, uns in den Krieg in die Ukraine und nach Russland zu schicken, um dort zu sterben“, berichtet sie.

Mehrere durchgesickerte Videos aus den Rehabilitationscamps bestätigen diese Berichte. Einige Aufnahmen zeigen Insassen, die vollständig bekleidet mit Wasser übergossen und gezwungen werden, stillzustehen, während Mitinsassen, angefeuert vom Personal, sich über sie lustig machen.

Ein weiterer verstörender Aspekt der „Bootcamps“ waren die sogenannten „medizinischen Untersuchungen“, sagt Chipo Ganga, Mutter des 19-jährigen Jurastudenten. Sie berichtet, dass ihrem Sohn im Rehabilitationszentrum Blut abgenommen und seine Haarsträhnen auf „Kokainspuren“ untersucht wurden. Videoaufnahmen, die auf den Social-Media-Plattformen der Einrichtungen zu sehen sind, zeigen zudem, wie Insassen bei ihrer Aufnahme zwangsweise „medizinischen“ Untersuchungen unterzogen werden.

Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass Einwilligungen vorgetäuscht, die Methoden rudimentär und keine Sachverständigen anwesend waren. Dies stellt einen eklatanten Verstoß gegen das Gesetz über das öffentliche Gesundheitswesen sowie gegen das Gesetz zur Kontrolle von Arzneimitteln und verwandten Stoffen in Simbabwe dar.

Korruption und die Stiftung der First Lady

Während das „Matrix“ wegen seiner angeblichen Brutalität in Verruf geraten ist, steht die „Angel of Hope“-Stiftung laut Whistleblower*innen für eine weitere Facette der Krise: systemische Korruption.

Das Rehabilitationszentrum der First Lady von Simbabwe setzt keine „Entführer“ ein, um Süchtige von der Straße zu holen, sagt Ethan Soko (Name geändert), 24, ein ehemaliger potenzieller Patient, der sein Studium der Buchhaltung an der University of Zimbabwe aufgrund seines Missbrauchs von Hustenmedikamenten abgebrochen hat. „Angel of Hope“ verfolgt einen anderen Ansatz – ein „Pay-to-Play“-System, sagt er. Vermögende Familien zahlen angeblich hohe Bestechungsgelder, um Plätze für ihre problembelasteten Kinder zu sichern, und drängen sich damit vor diejenigen wie ihn – die mittellosen jungen Menschen aus armen Stadtvierteln, die sich private Reha-Kliniken nicht leisten können. 

„Ich war seit fünf Jahren süchtig nach codeinhaltigem Hustensaft, und nachdem ich lange gewartet hatte, wurde endlich ein Platz im dreimonatigen Bootcamp der First Lady frei. Ich war überglücklich“, sagt er. An dem Tag, an dem Soko sich anmeldete, wurde sein Platz jedoch auf unbestimmte Zeit gestrichen. Es wurde kein Grund genannt. Wachleute erzählten ihm später, dass der problembelastete Teenager-Sohn eines wohlhabenden Politikers 1200 Dollar gezahlt hatte, um ihm seinen Platz wegzuschnappen. Soko war am Boden zerstört – und leidet, wie er sagt, nun unter Depressionen, trinkt Alkohol und missbraucht weiterhin codeinhaltigen Hustensaft.

Tafadzwa Chidawa, Leiter des Matrix-Rehabilitationszentrums, wies Behauptungen zurück, sein Zentrum arbeite illegal und „drille“ die Insassen mit Foltermethoden. „Das ist Unsinn – wir halten niemanden gegen seinen Willen fest. Unsere Methoden sind human – einige der Videos, die Sie von den Übungen gesehen haben, sind KI-generiert und gefälscht. Wir handeln im Rahmen des Gesetzes – und die Familien sind begeistert, dass wir ihre Kinder zum Besseren verändert haben“, sagt er. Anfragen um eine Stellungnahme an die „Angel of Hope Foundation“ der First Lady blieben unbeantwortet.

Die Polizei unternimmt nicht genug

Die „Zimbabwe Health Professions Authority“, eine staatliche Aufsichtsbehörde, hat in einer Erklärung darauf hingewiesen, dass mehrere Rehabilitationszentren, darunter ­„Matrix“, illegal betrieben werden. Die Reaktion der simbabwischen Regierung auf solche Warnungen war bislang allerdings nur halbherzig.

Der Betreiber von „Matrix“ wurde im März 2025 kurzzeitig festgenommen, weil er angeblich eine illegale Rehabilitationsanstalt betrieben und sich als Kinderschutzbeauftragter ausgegeben haben soll. Kurz darauf wurde er wieder freigelassen. Die simbabwische Polizei ignorierte mehrere Aufforderungen, zu erklären, warum ihr vorgeworfen wird, gegenüber einflussreichen Persönlichkeiten, die angeblich illegale Rehabilitationsanstalten betreiben, zu nachsichtig zu sein.

Das simbabwische Gesundheitsministerium hat lediglich seine sogenannte „Besorgnis“ zum Ausdruck gebracht. Doch offenbar sind ihm die Hände gebunden, wenn solche „Bootcamps“ mit einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik und Regierung in Verbindung stehen, sagt Soko, der seinen Platz im Rehabilitationszentrum der First Lady verloren hat. „Das sind keine Drogenrehabilitationszentren; es sind Erpressungs-Bootcamps, die mit zweifelhaften Methoden jungen Menschen, die mit einer Sucht zu kämpfen haben, Angst einflößen“, sagt er.

Deogracious Kalima ist freiberuflicher Journalist und lebt in Malawi und Simbabwe. Seine Arbeit konzentriert sich auf Menschenrechte 
und öffentliche Gesundheit. 
https://x.com/deokalben22 

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