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Inflation

Ugandische Regierung sieht Inflation als externen Schock

von Ronald Ssegujja Ssekandi

Meinung

Immer weniger Menschen können sich eine Fahrt mit einem kommerziellen Motorrad

Immer weniger Menschen können sich eine Fahrt mit einem kommerziellen Motorrad

Die Preise für Grunderzeugnisse steigen weltweit rasant – auch in Uganda. Hauptgründe sind der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie.

Nach Angaben des Uganda Bureau of Statistics stieg der Preis für Speiseöl zwischen Dezember 2021 und Februar 2022 um 21 Prozent, der Anstieg innerhalb eines Jahres betrug sogar 77,6 Prozent. Im Februar kostete ein Stück Seife 20 Prozent mehr als im Dezember und fast 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Benzinpreis stieg innerhalb von drei Monaten um 15,3 Prozent und innerhalb von 12 Monaten um 34 Prozent.

Der ugandische Finanzminister Matia Kasaija erklärt, dass dieser Trend von Ereignissen außerhalb des Landes verursacht wird. Zunächst führte die Covid-19-Krise zu höheren Transportkosten und Lieferengpässen bei wichtigen Gütern. Russlands Angriff auf die Ukraine verschärfte die Probleme weiter. Beide Länder liefern normalerweise große Mengen an Grundnahrungsmitteln auf den Weltmarkt (siehe Claudia Isabel Rittel auf www.dandc.eu), und Russland ist ein wichtiger Exporteur von fossilen Brennstoffen.

Nach Regierungsangaben lag die jährliche Gesamtinflationsrate Ugandas im März bei 3,7 Prozent, was im Vergleich zu anderen Ländern moderat ist – Inflation ist ein weltweites Phänomen. Kenia verzeichnete im März fünf Prozent und die USA sogar 8,5 Prozent.

„Kein Politiker kann die Ursachen für den Preisanstieg direkt angehen“, sagte Kasaija. Er sieht aber keinen Grund zur Panik und geht davon aus, dass sich die vorübergehende Situation „früher oder später“ beruhigt.

Neutralität gegenüber Russland und der Ukraine

Wie viele afrikanische Länder hat Uganda bisher eine neutrale Haltung zum Russland-Ukraine-Konflikt eingenommen. In der UN-Generalversammlung enthielt es sich bei allen Abstimmungen über Russland. Hintergrund ist, dass sich viele Afrikaner unwohl fühlen, wenn sie sich auf die Seite des Westens stellen (siehe Imme Scholz auf www.dandc.eu). Die haben den Eindruck, dass die G7-Staaten ihre Versprechen allzu oft nicht einhalten und ihre brutale Kolonialgeschichte nie aufgearbeitet haben.

In gewissem Maß profitiert Russland von solchen Gefühlen, obwohl es eindeutig gegen internationales Recht verstoßen hat und sein Krieg viel Leid verursacht. Die russische Propaganda will den Afrikanern weismachen, dass die EU und die USA den Inflationsdruck durch die Verhängung von Wirtschaftssanktionen noch verschärft haben.

Das tägliche Leben vieler Ugander wird durch die Inflation schwieriger. Nanyonga Shamim, die einen Lebensmittelladen in Kampala betreibt, sagt, dass sie die Preise für Tomaten und Zwiebeln wegen der höheren Transportkosten anheben musste. Die Zwiebeln werden aus Kenia importiert, wo die Kraftstoffpreise ebenfalls gestiegen sind. Gleichzeitig musste sie feststellen, dass die Nachfrage zurückging, weil viele Kunden sich die Waren nicht mehr leisten können.

Issa Bogere betreibt ein kommerzielles Motorradtaxi (boda boda) muss seinen Kunden jetzt mehr für die Fahrten berechnen, weil das Benzin seit 2021 so teuer geworden ist. Er berichtet, dass „viele frühere Kunden zu Fuß zu gehen, anstatt eine teure boda-boda-Fahrt zu machen“. Er wünscht sich, die Regierung würde etwas unternehmen, um die Inflation zu stoppen.

Düstere Aussichten

Inmitten der allgemeinen Unzufriedenheit hat die ugandische Regierung jedoch immer wieder erklärt, dass sie keine Subventionen, Preiskontrollen oder Steuersenkungen zur Bewältigung exogener Schocks einführen will. Es könnte jedoch noch schlimmer kommen. Der Internationale Währungsfonds warnt vor einer Verlangsamung des Wachstums und davor, dass höhere Zinsen in wohlhabenden Ländern es den Entwicklungsländern erschweren werden, ihre Schulden zu bedienen. Die frühere nigerianische Finanzministerin und heutige Leiterin der Welthandelsorganisation (WTO) Ngozi Okonjo-Iweala hat davor gewarnt, dass die durch den Ukraine-Krieg verursachte Lebensmittelknappheit zu Unruhen führen könnte. Hinzu kommt, dass Armut und Ungleichheit sich in der Pandemie generell verschlimmert haben (siehe meinen früheren Kommentar auf www.dandc.eu).

Die Realität ist, dass afrikanische Regierungen mit plötzlichen Problemen fertig werden müssen, die sie nicht verursacht haben. Und das verschärft langfristige Herausforderungen wie die globale Erderwärmung, die sie ebenfalls nicht verursacht haben (siehe David Mfitumukiza auf www.dandc.eu).


Ronald Ssegujja Ssekandi ist ein ugandischer Autor und bearbeitet die E+Z/D+C-Kolumne „Heutzutage“.
sekandiron@gmail.com