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Kommentar

Globales Handeln erforderlich

von Erik Solheim

Meinung

Brennende Ölfelder in der Nähe von Kirkuk, Irak, im Mai 2016.

Brennende Ölfelder in der Nähe von Kirkuk, Irak, im Mai 2016.

Umweltverbrechen zerstören unseren Planeten, unterminieren Frieden und bringen unser Leben in Gefahr. Wir müssen handeln.

Bei Umweltverbrechen denken wir an eine skrupellose Firma, die ihren Giftabfall in einen Fluss entleert, oder wir denken an abgeholzte Regenwälder, eine stille Ödnis von Stümpfen, wo einst pralles Leben herrschte. Oder wir stellen uns das grausige Bild nach einer Elefantenwilderei vor, die Kettensägen, die zum Entfernen der Stoßzähne genutzt wurden, noch voller Blut.

Die meisten würden sich darunter keinen lang anhaltenden Bürgerkrieg, eine terroristische Attacke oder internationale Banden vorstellen. Aber dies sind ebenso Folgen von Umweltverbrechen. Sie zerstören nicht nur unsere Erde, sondern unsere Leben und unseren Frieden. Und sie nehmen in großem Ausmaß zu.

Eine aktuelle Studie von UN Environment Programme und Interpol stellte fest, dass sich Umweltverbrechen aktuell auf einen Wert von bis zu 258 Milliarden Dollar belaufen. Das übertrifft die geschätzte Summe von 2014 um 26 Prozent. Ökoverbrechen sind die viertgrößte kriminelle Sparte der Welt nach Drogenhandel, Fälschung und Menschenschmuggel.

Umweltverbrechen beeinträchtigen die Natur und die menschliche Gesundheit. Jedes Jahr kippen Minenarbeiter im Amazonasgebiet 30 Tonnen Quecksilber in die Flüsse und Seen der Region. Ärzte haben noch 400 Kilometer stromabwärts der betreffenden Gebiete Gehirnschäden von Quecksilbervergiftungen festgestellt. Holzfäller schlagen Bäume illegal und verschlechtern so die Qualität von Wasser und Luft.

Umweltverbrechen bedrohen auch die weltweite Sicherheit. In Kolumbien haben die enormen Erträge aus illegaler Minenausbeutung die FARC-Rebellen finanziert, während Al-Shabaab in Somalia vom illegalen Handel mit Holzkohle profitierte. Sogar die derzeit berüchtigtste Terrorgruppe ISIS finanziert sich durch den Handel mit Naturressourcen.

Umweltverbrechen verursachen zudem einen Verlust von Staatseinnahmen von neun bis 26 Milliarden Dollar jährlich – eine Summe 10 000 Mal größer als die, die zur Bekämpfung dieser Verbrechen eingesetzt wird. Dieses Geld könnte zur Finanzierung von Bildung, Infrastruktur und Richtlinien eingesetzt werden, die Gewalttaten und die Zerstörung von Ökosystemen verhindern.

Wie können wir den Teufelskreis durchbrechen? Wir arbeiten bereits in diese Richtung und verzeichnen einige Erfolge. Bei aktuellen Interpol-Einsätzen wurden Hunderte von Kriminellen gefasst und illegal gehandelte Umweltprodukte konfisziert, die Hunderte Millionen Dollar wert sind. UN Environment Programme und seine Partner arbeiten mit vielen Ländern zusammen, um den Strafvollzug zu stärken, illegalen Holzschlag durch Satellitensysteme aufzuspüren und alternative Einkommensquellen für Wilderer zu schaffen. Wir haben außerdem eine große Kampagne am Laufen, Wild for Life, wo Zehntausende von Menschen – vom Minister bis zu Wirtschaftsleuten und normalen Bürgern – geschworen haben, sich dafür einzusetzen, den illegalen Handel mit Wildprodukten zu beenden.

Aber der Berg scheint zu wachsen, während wir versuchen, ihn zu besteigen. Wir brauchen einen kohärenteren Ansatz. Der erste Schritt ist, dass wir anerkennen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen illegalem Raubbau sowie Umweltschädigung und der Ausbreitung globaler Unsicherheit gibt. Wir können das erste Problem angehen, indem wir versuchen, das letztere zu beseitigen.

Um die Umweltproblematik anzugehen, sollten die entsprechenden Gesetze auf allen Ebenen verstärkt werden. Das bedeutet unter anderem, Steueroasen im Ausland auszutrocknen, die dazu genutzt werden, Gewinne aus Umweltverbrechen zu waschen. Außerdem sollten Delinquenten mit abschreckenden Strafen und erheblichen Sanktionen belegt werden.

Umweltverbrechen betreffen zahlreiche nationale Interessen, also müssen Regierungen sich besser koordinieren, um sie effektiv zu bekämpfen. Das Beispiel einer einzigen Befehl- und Kontrollbehörde in Brasilien zur Bekämpfung der Abholzung des Amazonas zeigt, wie erfolgreich politischer Handlungswille sein kann. Die Entwaldung hat seitdem um 76 Prozent abgenommen. Diese Kooperation sollte sich international ausweiten, angesichts der globalen Reichweite des Problems.

Offizielle Entwicklungshilfe (ODA) hat auch einen Einfluss. Indem ihr Anteil an staatlichen und juristischen Reformen erhöht wird, können wir auch helfen, Umweltverbrechen zu bekämpfen und zu verhindern.

Zuletzt müssen wir die Nachfrage für Produkte, die aus diesen Verbrechen stammen, beseitigen. Zu oft gibt es nur wenig allgemeine Kenntnis über diese Themen. Wir wissen, dass Umweltverbrechen letztendlich jeden betreffen. Es wird nur aufhören, wenn wir alle dabei mithelfen.


Erik Solheim ist Exekutivdirektor von UN Environment Programme.
http://www.unep.org


Link
UNEP und Interpol, 2016: The rise of environmental crime.
http://unep.org/documents/itw/environmental_crimes.pdf
 

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