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Ausbildung

Direkter Kundenkontakt

von Judy Thuo, Hans Dembowski

Hintergrund

Citi-Hoppa-Schaffnerin.

Citi-Hoppa-Schaffnerin.

In Nairobi betreiben private Transportunternehmen die Buslinien. Eines von ihnen ist Citi Hoppa. Geschäftsführerin Judy Thuo setzt auf Qualität in der Kundenbetreuung. Sie erklärt, warum betriebliche Ausbildung im öffentlichen Nahverkehr nötig ist und warum besonders Frauen Erwerbschancen brauchen.

Was bringt berufliche Bildung einem Nahverkehrsbetrieb?
Ausbildung ist in jeder Branche wichtig. Die Belegschaft muss ein Verständnis des eigenen Produkts haben, guten Service liefern und sich weiterbilden. Citi Hoppa transportiert Menschen, deren Sicherheit wir garantieren müssen. Wir brauchen gute Fahrer, die in schwierigen Straßenverhältnisse zurechtkommen und verantwortungsvoll mit anderen Verkehrsteilnehmern interagieren ...

… ohne entsprechendes Training würden sie vermutlich einfach so schnell wie möglich fahren?
Ja, Ungeduld ist ein Merkmal der Jugend, und deshalb stellen wir keine Fahrer unter 32 Jahren ein. Wichtig ist die Einsicht, dass Waren zu transportieren nicht dasselbe ist wie Menschen zu transportieren. Es geht nicht nur darum, verschiedene Fahrzeuge lenken zu können oder von A nach B zu kommen. Passagiere müssen sich wohl fühlen. Deshalb sind Schaffner ebenso wichtig wie Fahrer. Sie verkaufen nicht nur Tickets, sie betreuen und umsorgen die Fahrgäste.

Inwieweit verändert eine Berufsausbildung die Mitarbeiter selbst?
Tatsächlich geht es in unserer Ausbildung zum großen Teil darum, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen aufzubauen. Das Transportgewerbe in Kenia läuft mehr oder weniger informell. Ein Job in unserer Branche ist für viele die einzige Chance. Wer bei uns anfängt, hat in der Regel kein gutes Selbstwertgefühl. Wer sich aber selbst kaum achtet, achtet auch andere nicht. Eines unserer Anliegen ist es, diesen Menschen zu vermitteln, dass sie anerkannte Mitglieder der Gesellschaft sind. Das betrifft oft persönliche Anliegen – wie kleide ich mich, wie gehe ich verantwortlich mit Geld um. Normalerweise haben unsere Mitarbeiter kaum formale Bildung. Viele kommen aus ländlichen Gebieten und müssen sich städtischen Normen anpassen. Ihr Leben ist hart, und Chancen sind rar.

Gilt das für Frauen auch, oder ist die generelle Erwartung, dass sie früh heiraten und Kinder großziehen?
Ich fürchte, den meisten jungen und ökonomisch benachteiligten Frauen steht das bevor. Dass sie kaum eine Chance haben, einen wohlhabenden Mann zu finden, verbessert ihre Aussichten kaum. Frauen ohne Bildung müssen sich abstrampeln, um einen guten Job zu finden.

Stellen Sie Frauen ein?
Wir legen großen Wert auf Chancengleichheit. Ich bin selbst eine Frau. Allerdings ist unser Gewerbe nicht besonders familienfreundlich. Schichten beginnen entweder sehr früh am Morgen oder sie dauern bis spät in die Nacht. Mit solchen Dienstplänen tun sich Mütter kleiner Kinder schwer. Aber in Kenia können viele Menschen auf Unterstützung durch die  Verwandtschaft bauen. In der Kinderbetreuung springen Großmütter oder andere Angehörige ein. Mütter, die Geld verdienen, können außerdem Babysitter bezahlen.  

Haben Sie auch weibliche Fahrer?
Ja, bisher allerdings nur zwei. Frauen arbeiten meist als Schaffnerinnen. Wir haben eine neue Premiummarke entwickelt, die wir Citi Hoppa Next nennen, und in diesen Bussen setzen wir ausschließlich Schaffnerinnen ein. So schaffen wir spezielle Arbeitsplätze für Frauen, und bei den Fahrgästen kommt das gut an. In Anwesenheit von Frauen fühlen sie sich wohler, weil diese generell fürsorglicher erscheinen. Wir könnten jetzt lange darüber diskutieren, warum das so ist. Aber für unsere Zwecke ist es sinnvoll, diese Tatsache zu akzeptieren.   

Versuchen Sie, mehr Fahrerinnen anzuheuern?
Wir suchen sie nicht explizit, aber wenn wir eine Stelle ausschreiben, prüfen wir die Bewerbung von Frauen definitiv mit großem Wohlwollen. Selbstverständlich stellen wir Frauen auch in der Buchhaltung ein oder für andere Bürotätigkeiten.  

Was umfasst Ihre betriebliche Ausbildung?
Generell ist es um die berufliche Bildung in Kenia nicht gut bestellt. Der Staat hat aber vor einiger Zeit Berufsschulen eingerichtet, die klare Lehrpläne haben. Sie bilden beispielsweise Klempner und Elektriker aus. Die ersten Ergebnisse werden sichtbar. Bislang gibt es aber keine Berufsschule für Tätigkeiten im öffentlichen Nachverkehr. Wir haben deshalb 2004 eine eigene betriebliche Ausbildungsstätte eingerichtet – vor allem für Schaffner und Fahrer. Wir vermitteln auch Kfz-mechanisches Wissen und dergleichen, der wichtigste Punkt auf dem Lehrplan ist aber der Umgang mit Kunden und Passagieren. Die meisten unserer Fahrer waren früher Schaffner. Dadurch haben sie ein besseres Verständnis vom Personenverkehr als jemand, der vorher einen Lkw fuhr. Unser Ansatz ist ziemlich erfolgreich. Konkurrenten werben Mitarbeiter ab, aber mittlerweile machen auch einige von ihnen bei unserem Ausbildungsprogramm mit. Das ist gut. Letztlich wäre es aber wichtig, eine richtige staatliche Berufsschule für unsere Branche zu haben.   

Sehen Sie sich als Frau in einer Führungsposition als Rollenvorbild?
Nein, ich hatte Chancen und ich habe sie genutzt. Im Gegenzug hoffe ich, anderen –  besonders Frauen – Chancen zu eröffnen.

 

Judy Thuo ist Geschäftsführerin von Citi Hoppa, einem Busunternehmen in Nairobi. Es legt Wert auf sicheren und komfortablen Transport. Aufgrund seiner Ausrichtung auf eine nachhaltige, städtische Entwicklung hat das Unternehmen Darlehen von der der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) bekommen. Die DEG gehört zur KfW Bankengruppe und fördert Privatsektorinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.
[email protected]

e-Paper no. 8 2019, 2019/08

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