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Depression

Die Krankheit bewältigen

von Thuany Rodrigues

Heutzutage

Während Covid-19 noch immer in Brasilien wütet, ist eine andere, weniger sichtbare Erkrankung auf dem Vormarsch: Depressionen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden 5,8 Prozent der Brasilianer an Depressionen, verglichen mit einer weltweiten Rate von 4,4 Prozent. Brasiliens Depressionsrate ist die höchste in Lateinamerika und die zweithöchste auf dem amerikanischen Kontinent, übertroffen nur von den USA. Weltweit ist die Zahl der Menschen mit Depressionen in den vergangenen zehn Jahren um 18,4 Prozent gestiegen und erreichte laut WHO 322 Millionen. Ihr zufolge werden Depressionen bis 2030 die weltweit häufigste Krankheit sein.

Für die 12 Millionen Brasilianer, die an Depressionen leiden, ist das Leben ein täglicher Kampf gegen unterschiedlich starke Stadien der Verzweiflung. Zu den Symptomen gehören Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, Angst, Apathie, Schuldgefühle, allgemeine Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit, Interessensverlust, unkontrollierbares Weinen, Reizbarkeit und soziale Isolation.

Wie kann ein Land, das mit Sonnenschein, Strandpartys und Karnevalsfeiern assoziiert wird, so viele depressive Bürger haben? Die Psychologin Patrícia Marquizelli sieht „wirtschaftliche Instabilität, steigende Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Unsicherheit über die Zukunft“ als Ursachen.

Depressionen betreffen alle Bevölkerungsgruppen unabhängig von Alter, Hautfarbe, Religion oder sozialer Schicht. Zunehmend betrifft sie jedoch junge Menschen. „Der Druck, sich schon in jungen Jahren für einen Beruf zu entscheiden, ist ein Problem“, meint Marquizelli. „Auch die Familienzusammenhörigkeit wird immer schwächer, was die jungen Menschen verunsichert. Es entstehen Ängste und ein Gefühl der Isolation, und das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Depression.“

Für Menschen, die Hilfe suchen, sind die benötigten Medikamente nicht immer verfügbar. Das Gesundheitssystem Brasiliens, bekannt unter dem Akronym SUS, stellt einige der Medikamente, die sehr teuer sind, zur Verfügung, aber nicht alle. Ein Rezept muss von einem ausgewiesenen Arzt ausgestellt werden. „Die Medikamente, die ich einnehmen muss, kosten etwa die Hälfte eines monatlichen Mindestlohns“, sagt Beatriz Amadeu Fernandes, 28, aus Brasília. Fernandes, bei der mit 20 Jahren eine Depression diagnostiziert wurde, sagt, sie habe kaum eine andere Wahl, als die Medikamente zu kaufen.

„Ich wusste, dass mit mir etwas nicht stimmte“, erinnert sie sich. „Ich war nicht in der Lage zu sprechen. Meine Augen konzentrierten sich nicht mehr. Die Tränen flossen nur noch über mein Gesicht. Als ich die tiefste Depression hatte, suchte ich schließlich Hilfe.“

Rückzug und Isolation sind typische Symptome bei jungen Menschen. Diese zu ignorieren oder falsch zu interpretieren kann gefährlich sein. In extremen Fällen kann eine Depression zum Selbstmord führen. In Brasilien ist laut Gesundheitsministerium Selbstmord die dritthäufigste äußere Todesursache (nach Unfällen und Übergriffen), mit 12 500 Fällen im Jahr 2017.

Die erste Schritt bei Depressionen ist, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Die Unterstützung von Familie und Freunden ist für die Suche nach Hilfe unerlässlich, sagt die Psychologin Ester Ventura. Mit der richtigen medizinischen Hilfe können die Patienten mit dem Heilungsprozess beginnen.


Thuany Rodrigues ist eine Journalistin in Brasilien.
[email protected]

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