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Aquakultur

Bio-Fisch im Trend

von Angela ­Escosteguy

Hintergrund

Fischzuchtbecken in Brasilien: Seit den 90er Jahren hat sich die Aquakultur hier verbreitet.

Fischzuchtbecken in Brasilien: Seit den 90er Jahren hat sich die Aquakultur hier verbreitet.

In Brasilien wächst die ökologische Aquakultur, also die Auf- und Nachzucht von Fischen und Meerestieren nach ökologischen Standards. Grund dafür sind unter anderem die Konsumenten – denn Bio-Lebensmittel werden immer beliebter.

Während früher in Brasilien vornehmlich klassischer Fischfang in freien Gewässern betrieben wurde, machte das Land seit Mitte der 90er Jahre große Fortschritte mit Techniken der Aquakultur. Im Nordosten breitete sich die industrielle Zucht von Meeresgarnelen stark aus, die heute für den Sektor von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Auch die Austern- und Muschelzucht im Süden des Landes, im Bundesstaat Santa Catarina, nahm stark zu. Die Flächen für Süßwasserfischzucht wuchsen, und anhand wissenschaftlicher Studien sollten die Zuchtmethoden verbessert werden, um die Vermarktung brasilianischen Fischs anzukurbeln.

In der industriellen Aquakultur kommen künstliche Futtermittel und andere Stoffe zum Einsatz, um die Produktion zu erhöhen. Wenn derart belastete Abwässer unbehandelt in die Natur gelangen, können sie das Ökosystem schädigen. Außerdem kann es zu Rückständen von Chemikalien in den Tieren kommen und so den Verbrauchern schaden.

Deshalb wird die ökologische Fischzucht in Brasilien immer beliebter. In ihr bleibt die Qualität des Fisches erhalten, ohne dass die Umwelt aus dem Gleichgewicht gerät. Bio-Kulturen sind frei von Pestiziden, Antibiotika, Entwurmungsmitteln, Hormonen und genetisch veränderten Organismen, und der Fisch hat eine höhere Qualität. Die ökologische Aquakultur schützt die biologische Vielfalt, bewahrt die natürlichen Ressourcen und richtet keine Umweltschäden an.

2011 legte der Staat Kriterien für die ökologische Aquakultur fest. Sie umfassen ökologische und soziale Anforderungen an die Produzenten, Maßnahmen zum Tierschutz und Vorschriften zur Verwendung von Produktionsmitteln. Bisher haben zwei brasilianische Aquakultur-Unternehmen die offizielle Zertifizierung als ökologische Betriebe erhalten: Primar und Aqua­crusta. Es gibt weitere Initiativen in verschiedenen Teilen des Landes.


Erste Umstellung auf ökologische Produktion 2003

Primar war das erste brasilianische Unternehmen, das im Jahr 2003 von konventioneller auf ökologische Aquakultur umgestiegen ist. Da es in Brasilien zu diesem Zeitpunkt noch keine Kriterien für ökologische Fischzucht gab, hielt sich Primar an die international gültigen Richtlinien der IFOAM, der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen.

Das Unternehmen, das im nordöstlichen Bundesstaat Rio Grande do Norte ansässig ist, besitzt  fast 40 Hektar Fischteiche und war ein Vorreiter in der industriellen Aufzucht von Garnelen der Art Litopenaeus vannamei, die es in großen Monokulturen züchtete. Die Umstellung auf ökologische Zucht dauerte anderthalb Jahre.

Mittlerweile züchtet Primar neben Garnelen auch Austern und Fische in Polikultur. Dabei werden zwei oder mehr Arten aquatischer Organismen innerhalb einer Zuchtanlage herangezogen. Im Zuchtbecken wird ein möglichst natürliches Ökosys­tem nachgebaut. Das reduziert den Stress bei den Tieren, sie haben höhere Überlebenschancen und sind weniger anfällig für Krankheiten.

Primar verwendet zudem ein Low-Density-System. So haben die Garnelen genug Raum, um sich frei bewegen zu können. Dies macht ihr Fleisch fester und schmackhafter. Am Grund der Zuchtbecken leben Mikroalgen und Krebstiere, von denen sich die Garnelen ernähren. Dank dieser natürlichen Ernährung schmecken ökologisch gezüchtete Garnelen fast wie ihre frei lebenden Artgenossen aus dem Meer und ganz anders als Garnelen aus konventioneller Zucht.

Um einen faireren Handel in Gang zu bringen, begann Primar 2004, seine Produkte direkt an Endverbraucher, Restaurants, Hotels und für Veranstaltungen zu verkaufen. Wirtschaftliche Herausforderungen, die durch eine anfänglich niedrigere Produktivität, Ausgaben für Forschung und Entwicklung zur Einführung neuer Arten und den Umbau der Zuchtanlagen entstanden, fing Primar durch höhere Preise für die Bioprodukte auf.


150 Millionen Postlarven pro Monat

Ebenfalls im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Ceará, hat Aquacrusta seinen Sitz. Die Region ist ein wahrer tropischer Schatz: ein Schutzgebiet mit gro­ßem Reichtum an Nährstoffen und organischen Sedimenten. Aquacrusta züchtet hier weiße Pazifik-Garnelen im Einklang mit der Natur. Auf einer Fläche von 400 Hektar finden alle Produktionsschritte statt: von der Ei-Reife über die Larvenaufzucht bis hin zur Mast. Das Unternehmen produziert bereits seit 1983 Garnelen und ist 2010 auf ökologische Zuchtmethoden umgestiegen. Es hat besonders in Forschung investiert, um saubere Technologien und Managementmethoden zu entwickeln, die sozial und ökologisch verantwortungsvolle Produktion mit Wirtschaftlichkeit verbinden.

Die Larvenaufzucht ist das Kernstück der Produktion. Die Farm von Aquacrusta hat eine Kapazität von 150 Millionen Postlarven – wie die Entwicklungsstufe vor der Mast genannt wird – im Monat, die dank einer strengen Qualitätskontrolle und biologisch verträglicher Wasseraufbereitung frei von Krankheitserregern sind. Für die Mast werden die Garnelen nachts, bei niedriger Temperatur, gefischt. Danach werden sie einem Hitzeschock ausgesetzt – eine Mastmethode, die ohne den Einsatz von Chemikalien auskommt. Schließlich werden sie verarbeitet, sortiert, verpackt und in Kühlräumen gelagert.


Besseres Futter und Ersatz für Chemikalien

Eine der größten Herausforderungen bei der ökologischen Zucht ist es, Bio-Futter in ausreichender Menge zu bekommen. Da Sojabohnen und Mais in Brasilien meist mit genmodifiziertem Saatgut angebaut werden, ist es schwierig und teuer, Futtermittel ohne gentechnisch veränderte Zutaten herzustellen. Experimente haben nun aber gezeigt, dass man bei der Speisefischfutter-Herstellung auch Weizen anstelle von Mais verwenden kann.

Ähnliche Forschungen werden durchgeführt, um verbotene synthetische Chemikalien und Medikamente zu ersetzen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben beispielsweise gezeigt, dass verschiedene Pflanzenarten wirksam Fischparasiten bekämpfen. Gute Ergebnisse erzielten Kiefernextrakt der Gattung Pinus, Knoblauch, Papayasamen, Zwiebeln und Gänsefuß (Chenopodium). Letzteres wirkt besonders gut gegen Fischnematoden, also gegen Fadenwürmer. In Versuchen töteten sie rund 92 Prozent der Faden­wurmeier ab. Auch verschiedene Experimente mit homöopathischen Produkten führten zu positiven Ergebnissen: Sie bekämpften erfolgreich Fischparasiten, verminderten den Stress und förderten die Futterverwertung der Tiere.

Was die Vermarktung angeht, stehen die Chancen für biologische Produkte gut, denn die brasilianischen Verbraucher werden Bio-Lebensmitteln gegenüber immer offener. Brasilien ist Weltmeister bei der Verwendung von Pestiziden, was die Brasilianer zunehmend besorgt und ihr Interesse an Bio-Produkten steigert. Für eine Studie haben Forscher der Universidade Federal Fluminense in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr Verbraucher beim Einkauf von Süßwassergarnelen befragt. Es zeigte sich, dass ein Nachhaltigkeitssiegel ihre Kaufentscheidung positiv beeinflusste.



Angela ­Escosteguy ist Vorsitzende der zivil­gesellschaftlichen Organisation IBEMBRAZIL, der Kommission für ökologische Tierhaltung der brasilianischen Gesellschaft für Tiermedizin und Mitglied der Tierhaltungsallianz der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbau­bewegungen (IFOAM).
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