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Unser Standpunkt

Die Rollen verändern

von Sabine Balk

Meinung

Frauen aus Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi demonstrierten 2015 in Nairobi für Frauenrechte.

Frauen aus Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi demonstrierten 2015 in Nairobi für Frauenrechte.

Bestimmte Normen, wie Männer und Frauen zu sein haben, sind über Jahre, teils Jahrhunderte geformt und tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Sie entwickeln sich weiter – in der Familie, in der Schule, im Beruf und allen gesellschaftlichen Bereichen. Wertvorstellungen prägen Kinder und Jugendliche, die sich wiederum damit identifizieren und versuchen, ihnen zu entsprechen. Diesen lebenslangen Prozess nennt man Sozialisierung.

Was genau von Männern und Frauen erwartet wird, handeln Gesellschaften permanent in sozialer Interaktion aus. Relevant sind dabei viele Faktoren, von der Geschlechterkategorisierung in der Sprache bis zur Sportberichterstattung im Fernsehen. Die Rollen von Männern und Frauen sind stark von Traditionen und Religionen geprägt. Traditionell vertreten alle Weltreligionen die Dominanz des Mannes gegenüber der Frau, die ihm unterwürfig zu sein hat. Hinzu kommt, dass Männer in der Regel Frauen körperlich überlegen sind. Daraus leiten nach wie vor viele Männer den Anspruch ab, ihre Frauen und Kinder mit Gewalt gefügig machen zu können. Viel zu viele Frauen weltweit – auch in aufgeklärten Demokratien – sind häuslicher Gewalt ausgesetzt, werden in Schule und Beruf benachteiligt, werden vergewaltigt und belästigt.

In aufgeklärten, demokratischen Gesellschaften gilt heute als Grundsatz, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und die Unantastbarkeit der Menschenwürde für alle Geschlechter gilt – auch für intersexuelle Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen. Auch Frauen in vielen autoritären Ländern wollen sich heute nicht mehr in die ihnen zugewiesenen Rollen fügen. Sie fordern Selbst- und Mitbestimmung in einem gleichberechtigten Nebeneinander. Dass es in höchst restriktiven Staaten wie Saudi-Arabien für Frauen nun mehr Freiheiten gibt, ist positiv. Gesellschaftliche Änderungen sind möglich. Je mehr sich Frauenrechte und neue Rollenbilder durchsetzen, desto mehr wird sich die Gesellschaft in diese Richtung entwickeln und die jungen Generationen entsprechend sozialisieren.

Gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken ist auch eine entwicklungspolitische Aufgabe. Sie ist in der UN-Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs) festgehalten: SDG 5 fordert die Gleichstellung der Geschlechter. Darauf müssen Programme in allen Bereichen ausgerichtet werden. Voraussetzung ist die Stärkung von Frauen und Mädchen, damit sie sich selbst aus ungewollten Rollen lösen können. Genauso wichtig ist es aber, Männer und Jungs zu sensibilisieren. Sie sollten erfahren, was Gleichstellung bedeutet und dass ein respektvoller, gleichberechtigter Umgang der Geschlechter von Vorteil für alle ist.

Wie schwer es allerdings ist, neue Rollen zu etablieren, zeigen westliche Gesellschaften, die um die Gleichstellung ringen. Vieles ist erreicht worden. Das Frauenwahlrecht gilt praktisch überall, wo gewählt wird. Frauen in Führungspositionen sind in Politik, Wissenschaft und Medien fast überall normal.

Es liegt aber auch noch immer vieles im Argen. Zum Beispiel verdienen Frauen im Schnitt immer noch weniger als Männer. Sie ergreifen seltener technische und mathematische Berufe, übernehmen aber immer noch den Großteil der häuslichen Arbeit sowie die Erziehung der Kinder. Die Liste lässt sich verlängern. Irgendwann wird die Gleichberechtigung von Frauen und Männern hoffentlich überall Realität sein. Bis dahin bedarf es noch großer Anstrengungen, und es kann noch lange dauern.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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