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Ernährungssicherheit

Ernährung: alarmierende internationale Trends

von Anup Dutta

In Kürze

Welthunger-Index 2021 nach Schweregrad.

Welthunger-Index 2021 nach Schweregrad.

Der diesjährige Welthunger-Index (WHI) zeigt, dass sich die Lage verschlechtert. Es gibt verschiedene Faktoren, die Ernährungssicherheit gefährden.

Den aktuellen WHI-Prognosen nach wird weltweit das zweite Ziel für nachhaltige Entwicklung, „kein Hunger”, bis 2030 nicht erreicht. In 47 Ländern sieht es besonders schlecht aus. Dabei konnte der WHI die aktuell weltweit ansteigenden Lebensmittelpreise noch gar nicht berücksichtigen.

Als Haupttreiber von Hunger nennen die Autoren Konflikte, Klimawandel und die Corona-Pandemie. Der aktuelle Bericht bestätigt damit schon länger bekannte, beunruhigende Entwicklungen (siehe Gerd Müller auf unserer E+Z/D+C-Plattform).

Den jährlichen Bericht zu Hunger und Unterernährung verfassen zwei internationale zivilgesellschaftliche Organisationen: das in Irland ansässige Concern Worldwide und die Deutsche Welthungerhilfe. Colleen Kelly von Concerns US-Zweigstelle fordert „dringendes Handeln“, damit das Ziel nicht aus den Augen gerät.

Haupttreiber für Hunger sind gewaltsame Konflikte. Der WHI-Bericht weist darauf hin, dass Konflikte viele negative Auswirkungen haben: Sie zerstören Ernährungssysteme, treiben Unterernährung und Kindersterblichkeitsraten in die Höhe, schaden landwirtschaftlicher Produktion, verhindern wirtschaftliche Investitionen und führen dazu, dass ganze Gemeinschaften vertrieben werden.

Hinzu kommt, dass veränderte Niederschläge, Extremwetterereignisse und Wasserknappheit den Kampf um Ressourcen verschärfen. Das schürt Spannungen, die sich in Gewalt entladen können. Zudem hat Covid-19 für Rezessionen gesorgt und ohnehin schwache Gesundheitssysteme überlastet. Damit hat es vielerorts Armut verschlimmert.

Corona-Einfluss unklar

Daten des WHI zeigen jedoch, dass sich die Ernährungssicherheit schon vor Beginn der Pandemie verschlechterte. Laut dem Bericht haben sich die vollen Folgen der Corona-Pandemie noch nicht gezeigt, werden sich aber wohl in den kommenden Jahren in den WHI-Daten abbilden.

Für den aktuellen WHI wurden Daten aus den Jahren 2016 bis 2020 verwendet. Die Forscher nutzten Statistiken multilateraler Institutionen (UN-Organisationen und Weltbank) und weitere Erhebungen zu Gesundheit und Demographie. Für manche Länder gibt es allerdings keine ausreichenden Daten, unter anderem Südsudan, Burundi und Simbabwe.

Der WHI ist ein multidimensionaler Index auf globaler, weltregionaler und nationaler Ebene. Seine Ranglisten basieren auf vier Indikatoren:

  • Unterernährung,
  • Auszehrung bei Kindern: der Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die für ihre Größe ein zu niedriges Gewicht haben, was auf akute Unterernährung hindeutet
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern: der Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die zu klein sind für ihr Alter, was auf chronische Unterernährung hindeutet
  • Kindersterblichkeit: die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren.

Unter den Ländern, für die es ausreichend Daten gibt, steht Somalia laut WHI am schlimmsten da. Dort ist das Ausmaß des Hungers demnach „gravierend”. Zur Kategorie „sehr ernst” zählen sieben Länder: Syrien, Jemen, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Südsudan, DR Kongo und Madagaskar.

Der Bericht betont, dass der Hunger in zehn Ländern mit einem „mäßigen“, „ernsten“ oder „sehr ernsten“ Hungerniveau zugenommen hat: Zentralafrikanische Republik (sehr ernst), Ecuador (mäßig), Lesotho (ernst), Madagaskar (sehr ernst), Malaysia (mäßig), Oman (mäßig), DR Kongo (sehr ernst), Südafrika (mäßig), Venezuela (ernst), und Jemen (sehr ernst).

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Mehrere Länder konnten ihre WHI-Werte in den letzten Jahren verbessern: So sind etwa Bangladesch, Gambia und Guatemala seit 2012 aus der Kategorie „ernst” zu „mäßig” gewechselt. Der WHI erscheint jährlich, aktuell in der 16. Auflage.


Link
Welthunger-Index 2021: Hunger und Konflikte: Ernährungssysteme ändern, Frieden fördern.
https://www.welthungerhilfe.de/hunger/welthunger-index/


Anup Dutta ist ein indischer Journalist, der in der Stadt Bhopal arbeitet.
duttanup@gmail.com