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Social Media

Digitale Mobilisierung, analoge Proteste

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Die kenianische Autorin und Internetaktivistin Nanjala Nyabola in Kampala.

Die kenianische Autorin und Internetaktivistin Nanjala Nyabola in Kampala.

Das Internet verändert die Art und Weise, wie Bürger sich in Afrika am politischen Geschehen beteiligen. Soziale Medien bieten Raum für Aktivismus, haben aber auch negative Seiten. Zudem haben viele Menschen noch keinen Zugang zum Internet.

Laut der kenianischen Autorin und Inter­net­aktivistin Nanjala Nyabola nehmen soziale Medien zunehmend politischen Einfluss. Kenia ist ein gutes Beispiel. Das Land ist ein Hub – ein Knotenpunkt – für digitale Entwicklung in Afrika; zum Beispiel ist es Vorreiter bei Überweisungen von Geld via Handy (M-Pesa). Noch wichtiger für die Politik sei Kenias große Twitter-Community, so Nyabola. Auf der Kurznachrichtenplattform wird jegliches politisches Thema heftig debattiert.

Nyabola hat das Buch „Digital democracy, analogue politics“ geschrieben. Darin analysiert sie, wie das Internet die Politik verändert. „Weil in den traditionellen Medien die Zensur zunimmt und der öffentliche Raum eingeschränkt wird, verlagert sich die politische Debatte in den digitalen Raum“, sagte sie auf einer Konferenz über Social Media, die die Konrad-Adenauer-Stiftung kürzlich in der ugandischen Hauptstadt Kampala veranstaltet hatte.

Die Bürger verlangen Transparenz, Gerechtigkeit und Rechenschaft. Viele sind von den Politikern frustriert und sorgen sich wegen der Korruption. Früher ignorierten öffentliche Institutionen die Beschwerden der Bürger häufig, aber wenn sie in den sozialen Medien von Tausenden Kommentaren überflutet werden, können sie nicht mehr darüber hinweggehen, sagt die Autorin.

Führende Politiker und Beamte sind sich dieser Entwicklung bewusst. Dementsprechend versuchen manche politische Kräfte den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen, zum Beispiel, indem Falschinformationen verbreitet werden, auch mit Hilfe von automatisierten Computerprogrammen („Bots“). Online-Information wird zunehmend „als Waffe benutzt“, meint Nyabola (siehe Alphonce Shiundu im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2018/05).

Social Media hat auch negative Seiten. Sie hat „neue Formen der Gewalt, vor allem gegen Frauen“ ermöglicht, beklagt die Autorin. Sie nennt sexuelle Belästigung oder die Veröffentlichung privater Informationen über eine Person („Doxing“) als Beispiel. Darüber hinaus ist in Kenia fremdenfeindliche und antimuslimische Hetze im Netz häufiger geworden. Das typische Ziel sei die somalische Minderheit.

In Uganda ist der Einfluss des Internets auf die Politik noch nicht so groß wie in Kenia. Politische Parteien „mobilisieren die Menschen noch auf analogen Wegen“, sagt Michael Katagaye vom Evidence & Methods Lab, einer technologieorientierten zivilgesellschaftlichen Organisation.

Junge Ugander wollen aber über ihre Belange mitreden. Sie sind „nicht an traditionellen Parteien interessiert“, sondern sind online aktiv oder folgen politischen Persönlichkeiten auf Social Media, meint Katagaye.

Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten und eine Stimme der Jugend ist Robert Kyagulanyi, besser bekannt als Bobi Wine, ein Musiker, Politiker und Abgeordneter. Er führt die „People Power“-Bewegung. Auf der Uganda Social Media Conference erklärte sein Sprecher Joel Ssenyonyi, dass es Bobi Wine und People Power verboten sei, persönlich Wahlkampf zu betreiben. Deswegen „platzieren wir Themen in den sozialen Medien“. Dieses virtuelle Forum ist äußerst relevant – das haben auch die Politiker bemerkt. Als Reaktion darauf führte die ugandische Regierung 2018 eine Social-Media-Steuer ein. Die Absicht war, die Reichweite von Aktivisten auf beliebten Plattformen zu reduzieren (siehe Edward Ronald Sekyewa im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2018/10). Dennoch „mobilisieren sich junge Leute online und gehen dann auf die Straße“, sagt Ssenyonyi.

Online-Aktivismus ist jedoch für einen Großteil der Afrikaner unerreichbar. Viele Menschen sind zu arm, um sich einen Internetzugang leisten zu können, oder sie leben in ländlichen Gegenden, wo die Infrastruktur noch zu schlecht dafür ist. Die kenianische Autorin Nyabola drückt es so aus: „Wie können wir die vierte industrielle Revolution lostreten, wenn sich die Leute kein Handy-Guthaben leisten können?”


Links

Nyabola, N., 2018: Digital democracy, analogue politics. London, Zed Books.
https://www.zedbooks.net/shop/book/digital-democracy-analogue-politics/

Uganda Social Media Conference 2019:
https://www.facebook.com/UgandaSocialMedia/
https://www.kas.de/web/uganda/uganda-social-media-konferenz

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