D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Entwaldung

Kettensägen-Massaker

von Karim Okanla

Hintergrund

Heute arbeiten Holzfäller mit Kettensägen.

Heute arbeiten Holzfäller mit Kettensägen.

Savè ist eine Kleinstadt im Südosten von Benin. Ihre sanften Hügel und üppige Vegetation bieten ein herrliches Panorama. Der Ort könnte zur Touristenattraktion werden – würde er nicht durch Abholzung zerstört.

Im Wald rund um Savè sind illegaler Holzeinschlag und unkontrollierte Nutzung als Weideland gang und gäbe. Die natürlichen Ressourcen, lange von essenzieller Bedeutung für die Menschen, werden rasant aufgebraucht. Die Stadt mit ihren 150 000 Einwohnern etwa liegt rund 250 Kilometer nördlich der Metropole Cotonou.

Noch vor wenigen Jahrzehnten zogen die Bewohner von Savè mit Beilen und Macheten los, um Brennholz zu holen – inzwischen arbeiten Holzfäller mit Kettensägen. Seltene, uralte Bäume werden gefällt und zu Brettern verarbeitet. Das Holz wird auf LKWs nach Cotonou gebracht, wo Schreinerwerkstätten viel Geld für die Ware zahlen. Beschleunigt wird die Entwaldung außerdem dadurch, dass Büsche gerodet und verbrannt werden, um Holzkohle herzustellen.

Leider sehen immer mehr Anwohner von Savè im illegalen Holzeinschlag eine Chance, schnell reich zu werden. Das entsprechende Gesetz wird nur selten angewendet. Wenn sie doch einmal erwischt werden, kaufen sich die illegalen Holzfäller über Bestechungsgelder frei.

Dieudonné N. handelt mit Holzprodukten. Er gibt mächtig damit an, was er jährlich verdient – die negativen Folgen der Abholzung scheinen ihm nicht bewusst zu sein. Er beschäftige in der Trockenzeit viele Männer zum Holzfällen, sagt er: „Sie sollen die größten Bäume fällen, die sie sehen, und diese dann zu Brettern zersägen.“ Im August sind die Bretter dann so trocken, dass sie zu den Kunden gebracht werden können. Dieudonné N. sagt, er liefere etwa 200 LKW-Ladungen Holz pro Jahr nach Cotonou.

Auch Moussa M. ist in das illegale Geschäft verwickelt – und stolz auf das Geld, das er damit verdient. „Holzfällen lohnt sich viel mehr als Landwirtschaft“, sagt er. „Das Einzige, was mir Sorgen bereitet, ist, dass sich mittlerweile zu viele in diesem Geschäft tummeln und die Gewinne seit 2014 sinken.“


Von Politikern protegiert

Nicht alle sind glücklich über die fortschreitende Abholzung. Daniel B., ein 73-jähriger Bauer, der sein Lebtag in einem benachteiligten Viertel von Savè gelebt hat, ist wütend. „Es scheint niemanden zu interessieren, dass unsere Bäume, die Teil unseres Kulturerbes sind, gefällt werden“, sagt er. Die Abholzung sei illegal, die Schuldigen aber fühlten sich sicher und „geben sogar damit an, von einflussreichen Politikern und Verwaltungsbeamten protegiert zu werden“.

Theoretisch wird illegaler Holzeinschlag mit hohen Geldstrafen von bis zu 900 Euro und sogar Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren geahndet. Auch das Holz und die verwendeten Werkzeuge sollen beschlagnahmt werden. Nach einem Gesetz von 1993 benötigt jeder, der Ressourcen des Waldes nutzen will, eine Genehmigung. Tatsächlich aber wird das Gesetz kaum durchgesetzt.

Savè bekommt die negativen Folgen bereits zu spüren. Wenn große Waldflächen gerodet werden, kommen Viehhüter mit ihren Herden, die die letzten Reste der verbliebenen Vegetation abgrasen. Auch die Äcker kleiner Farmer werden von weidenden Rindern, Ziegen und Schafen zerstört.

Viele Menschen geraten in Not, weil sie den Wald nicht mehr so nutzen können, wie es Generationen vor ihnen traditionell taten. Erosion ist ein großes Problem. Weite Flächen, die von Holzfällern und Landwirten gerodet wurden, liegen brach. In der Regenzeit werden die Nährstoffe weggespült, oft kommt es zu Erdrutschen und Überschwemmungen.

Auch erweitern Bauern ihre Anbauflächen oft, indem sie den Busch vor der Aussaat in Brand setzen. Für den Anbau von Süßkartoffeln, dem Hauptnahrungsmittel in Savè, wird viel Platz benötigt. Das Bevölkerungswachstum fördert die Abholzung. Die Ernten verlieren an Qualität – und an Quantität. Früher waren Süßkartoffeln aus Savè besonders gut, größer als andere und sehr süß. Das ist längst nicht mehr so. Angesichts der Umweltzerstörung zieht es immer mehr Menschen auf der Suche nach grüneren Weiden in das benachbarte Nigeria.

Der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) zufolge sind Benins Wälder durch Buschfeuer, Überweidung, illegalen Holzeinschlag und extensive landwirtschaftliche Methoden bedroht. Leider begreifen viele Menschen in Savè nicht, was auf dem Spiel steht. Die Bauern kümmern sich um die nächste Ernte, an später denken sie nicht. Verschlimmert wird die Lage dadurch, dass viele chemische Dünger und Pestizide nutzen – Gift auch für das Leben im Wald.

Die Entwaldung von Savè ist Teil einer globalen Dynamik. Africa Agri Tech etwa ist ein chinesisches Unternehmen. Verlässlichen Quellen zufolge hat dieses Waldland erworben, auf dem nun Tomaten, Chili und Zwiebeln angebaut werden. Anscheinend gehen mehr als zwei Drittel der Erträge nach China, der Rest nach Nigeria.


Verlorene Vielfalt

Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die Entwaldung in Savè bereits negativ auf die Fauna auswirkt. Viele Tiere, die früher den Wald bevölkerten, sind verschwunden oder extrem dezimiert. Das gilt für Wildkaninchen, Eichhörnchen und auch Delikatessen wie die großen schwarzen Schnecken. Die Stimmen diverser Vögelarten sind verstummt.

Auch die Vegetation verliert an Vielfalt. Viele Menschen klagen über das Verschwinden wilder Cashewnüsse und des Cosso-Baums, aus dem stabile, günstige Möbel gemacht wurden. Es wird auch immer schwieriger, Heilkräuter, Wurzeln und Säfte zu finden. Während sich die Menschen früher bei vielen Beschwerden auf traditionelle Medizin verlassen konnten, sind sie heute weitgehend auf teure Medikamente aus der Apotheke angewiesen.

Einige lokale Nichtregierungsorganisationen und Radiosender haben Aufklärungskampagnen gestartet, um gegen die Abholzung anzukämpfen. Sie werben für Maßnahmen wie groß angelegte Baumpflanzungen, um den Wald wieder aufzuforsten, und bessere Ausbildung der Mitarbeiter des National Forest Service, damit diese engagierte Hüter der natürlichen regionalen Ressourcen werden und die Umweltgesetze strikter durchsetzen.


Karim Okanla ist Medienwissenschaftler und freier Autor aus Benin.
[email protected]

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren