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Geflüchtete

Heute Vertriebene – morgen Flüchtlinge

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Südsudanesische Geflüchtete im Flüchtlingslager Palorinya, Uganda.

Südsudanesische Geflüchtete im Flüchtlingslager Palorinya, Uganda.

Momentan gibt es weltweit 65,6 Millionen Geflüchtete. Aber nicht alle, die ihr Heim verlassen müssen, fliehen ins Ausland – viele flüchten innerhalb ihres eigenen Landes. 2016 gab es 31,1 Millionen neu intern Vertriebene durch Konflikte, Gewalt und Naturkatastrophen. Das heißt, alle drei Sekunden muss ein Mensch fliehen.

Es gibt viele Gründe für Flucht, etwa bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen oder Klimawandel. Laut dem Global Trends Report des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hat erzwungene Vertreibung weltweit einen neuen Rekord erreicht: 65,6 Millionen Menschen oder eine Person von 113 wurden letztes Jahr durch Konflikt und Verfolgung von ihrem Zuhause vertrieben; das ist viermal mehr als noch vor einem Jahrzehnt. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sagt, dies sei „eine unakzeptabel hohe Zahl“. Er drängt auf „Solidarität, um diese Krise zu überwinden“.

Bürgerkriege in Syrien und dem Südsudan, Hunger in Ostafrika, Verfolgung von Minderheiten in Myanmar oder Wasserknappheit in der Tschad-Region können alle zu erzwungener Migration führen. Im Verhältnis zur Bevölkerung produziert Syrien mit 12 Millionen Menschen (fast zwei Dritteln der Bevölkerung) die höchsten Flüchtlingszahlen. Kolumbianer (7,7 Millionen) und Afghanen (4,7 Millionen) stehen weiterhin an zweiter und dritter Stelle, gefolgt von Irakern (4,2 Millionen) und Südsudanesen. Kinder, die besonders verletzbar sind, stellen die Hälfte aller Geflüchteten weltweit. In manchen Ländern, wie etwa im Südsudan, sind 85 Prozent der Flüchtlinge und intern Vertriebenen Frauen und Kinder.

Innerhalb der globalen Gruppe von Geflüchteten sind die intern Vertriebenen (internally displaced persons – IDPs) in einer besonderen Situation: Sie haben keine Grenze überquert, um in Sicherheit zu sein. Anders als Flüchtlinge sind sie in ihrem eigenen Land auf der Flucht. Laut UNHCR „sind zwar viele aus ähnlichen Gründen geflohen, aber IDPs leben weiterhin in ihrem eigenen Land und so unter dem Schutz ihrer Regierung, selbst wenn sie genau vor dieser Regierung fliehen. Deswegen sind diese Menschen außerordentlich gefährdet”. Insgesamt gibt es weltweit 40,3 Millionen IDPs.

Der jüngste Global Report on Internal Displacement 2017 des Internal Displacement Monitoring Centre (iDMC) zeigt auf, dass es momentan doppelt so viele IDPs wie Flüchtlinge in der Welt gibt. Es be­stehe „eine direkte Verbindung zwischen interner und grenzüberschreitender Vertreibung“, schreibt das iDMC. „Sechs der zehn Länder, aus denen 2015 die meisten Flüchtlinge kamen – Afghanistan, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Südsudan, Sudan und Syrien – sind auch unter den zehn Ländern mit der höchsten Zahl von IDPs”, heißt es in dem Bericht.

Südsudan ist ein typischer Fall. Aufgrund heftiger Kämpfe in der südlichen Region des Landes flohen 2016 viele Menschen aus ihren Dörfern, erst einmal in die nächstgelegenen Städte oder UN-Camps innerhalb Südsudans. Als die Kämpfe anhielten, flohen dieselben Menschen erneut, diesmal über die Grenze nach Uganda. Von Juli bis Dezember 2016 wuchs ein kleiner Ort im nördlichen Uganda, Bidibidi, zum größten Flüchtlingslager der Welt. Bidibidi ist bereits voll, so dass ein anderes Camp eröffnet werden musste – Palorinya, ebenfalls in Norduganda. Von Januar bis Mai 2017 kamen 153 000 Südsudanesen in diesem Lager an. Und täglich kommen mehr Menschen.

Laut iDMC ist es „noch unklar, welche Push-und-Pull-Faktoren genau dafür sorgen, dass jemand, der heute ein IDP ist, morgen ein Flüchtling oder ein internationaler Migrant wird”. Das Beispiel Südsudan zeigt: Sobald sich die Lage im Heimatland beruhigt, überqueren die Menschen die Grenze wieder und machen sich auf den Rückweg. Aber der iDMC-Report warnt, dass „Geflüchtete, die in ihre Heimatländer zurückkehren, Gefahr laufen, wiederum intern vertrieben zu werden, wenn ihre Rückkehr zu früh, unfreiwillig oder unvorbereitet ist, und wenn sie Unsicherheit und unzureichender Lebensunterhalt erwartet“. 2016 kehrten viele afghanische und somalische Geflüchtete in ihre Länder zurück, nur um dort aufs Neue vertrieben zu werden.


Links

Internal Displacement Monitoring Centre: “Global Report on Internal Displacement 2017”.
http://www.internal-displacement.org/global-report/grid2017/

UNHCR, 2017: Global trends: forced displacement.
http://www.unhcr.org/statistics/unhcrstats/5943e8a34/global-trends-forced-displacement-2016.html

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