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Krisen

Von der Welt vergessen

von Dagmar Wolf

In Kürze

Burundi kommt nicht zur Ruhe: Protestmarsch gegen die Regierung in Bujumbura im Februar.

Burundi kommt nicht zur Ruhe: Protestmarsch gegen die Regierung in Bujumbura im Februar.

Beim Fundraising kommt den Medien eine wichtige Rolle zu, denn mit ihrer Berichterstattung beeinflussen sie das Spendenverhalten der Bevölkerung sowie das Handeln der Politiker. Leider gibt es weltweit viele Krisen, die es nicht in die Nachrichten schaffen, beklagt die Hilfsorganisation CARE.

In dem Bericht „Suffering in silence“ richtet CARE den Fokus  auf die zehn humanitären Krisen, die 2016 am wenigsten Echo in den Medien fanden. Zu den vernachlässigten Krisen zählt die Lage in Eritrea. Das Land sei größtenteils von der Außenwelt ab­geschnitten, Journalisten und Hilfsorganisationen hätten kaum Zugang zu humanitären Daten. Nach UN-Schätzungen haben rund 2 Millionen Menschen keinen adäquaten Zugang zur Nahrungsmittelversorgung, etwa 50 Prozent aller Kinder sind aufgrund von Mangelernährung in ihrem Wachstum beeinträchtigt. Monatlich fliehen rund 5000 Eritreer vor Konflikten, der Wirtschaftskrise und dem lebenslangen Militärdienst aus ihrem Land.

Als weiteres Land listen die Autoren Burundi auf. Hier habe sich ein politischer Konflikt seit 2015 zu einer Krise ausgeweitet, in der 3 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen seien. Aufgrund von gewalttätigen Konflikten könnten Bauern ihr Land nicht mehr bestellen, und Frauen und Kinder hätten keinen Zugang zu grundlegenden sozialen Versorgungsleistungen wie Gesundheitsversorgung, Nahrungshilfe, Wasser- und Sanitärversorgung. Inzwischen seien 130 000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht, 300 000 suchten Schutz in Nachbarländern.

Auch Nordkorea gehöre zu den Ländern, über die 2016 kaum berichtet wurde. Es dringen nur wenige Informationen über die humanitäre Situation der Menschen nach außen. Schätzungen zufolge haben aber 70 Prozent der Menschen nicht genug zu essen.

Über die Demokratische Republik Kongo, wo seit über 20 Jahren ein bewaffneter Konflikt tobt, wurde ebenfalls wenig berichtet. Die zunehmende Gewalt im Jahr 2016 lasse wenig Hoffnung auf einen baldigen Frieden. Viele Kinder und Heranwachsende kennten nichts anderes als Krieg und Gewalt.

Das Land befinde sich in einer zunehmenden humanitären Krise. Der andauernde Kampf zwischen bewaffneten Gruppen, die Dürre und die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño sowie die Flüchtlingsströme aus den benachbarten Ländern Burundi, Zentralafrikanische Republik und Südsudan würden die ohnehin desaströsen Lebensbedingungen der Menschen noch weiter verschlechtern, warnen die Autoren.

Diese und weitere Krisen – etwa in Madagaskar, am Tschadseebecken, in Bangladesch, Papua-Neuguinea, der Zentralafrikanischen Republik und im Sudan – dürften nicht vom medialen Schirm rutschen, denn „Krisen vergessen heißt Menschen vergessen“. So lautet die gleichnamige Kampagne, mit der CARE gemeinsam mit zehn weiteren deutschen Hilfsorganisationen und dem Auswärtigen Amt auf das Schicksal von Millionen Menschen aufmerksam machen. Diese benötigten dringend Hilfe zum Überleben. Um diese zu ermöglichen, fordert CARE:

  • Konfliktsituationen müssen beendet werden. Hierzu müssen sich Politiker ihrer Verantwortung stellen, und der UN-Sicherheitsrat muss reformiert werden.
  • Es müssen mehr Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden: Große humanitäre Katastrophen dürfen nicht länger ignoriert, Finanzierungsentscheidungen nicht länger von politischen Interessen abhängig gemacht werden.
  • Das humanitäre Völkerrecht muss eingehalten werden: Angriffe auf Helfer müssen gestoppt, Verbrechen gegen das Völkerrecht geahndet werden.
  • Die Rolle lokaler Verantwortlicher muss gestärkt werden: Sowohl nationale als auch lokale Katastrophenabwehrkapazitäten müssen gestärkt werden.
  • Frauen müssen als Agenten des Wandels engagiert werden: Obwohl Frauen am stärksten von Konflikten betroffen sind, seien beispielsweise 2013 nur ein Prozent aller Finanzmittel für fragile Staaten in Frauengruppen geflossen, und das, obwohl humanitäre Aktionen am erfolgreichsten seien, wenn sie sich direkt an Frauen wenden.
  • Die Rolle der Medien muss gestärkt werden: Massive Budgetkürzungen haben dazu geführt, dass immer weniger Journalisten von vor Ort berichten können.


Links

CARE, 2017: Suffering in silence: The 10 most under-reported humanitarian crises of 2016.
http://insights.careinternational.org.uk/media/k2/attachments/REPORT_Suffering_in_Silence_web_version.pdf

Kampagne #nichtvergesser:
http://www.nichtvergesser.de

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