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Kochen

„Wir sehen uns als Brennstoff-Versorger“

von Eric Reynolds, Hans Dembowski

Hintergrund

Das Privatunternehmen Inyenyeri hat vor, die Energieversorgung in Afrika nachhaltig zu verändern. Gründer und Geschäftsführer Eric Reynolds will zwei große Probleme gleichzeitig bekämpfen: die Abholzung von Wäldern und die Luftverschmutzung in Haushalten in Folge des Kochens mit Holzkohle. Seine Pläne erläuterte er Hans Dembowski.

Warum sind saubere Kochmethoden nötig?
Mit unserer sauberen Kochtechnologie wollen wir vor allem den Gesundheitsproblemen vorbeugen, die giftiger Rauch auslöst, den zum Kochen benötigte Holzkohlefeuer erzeugen. In Afrika sterben deswegen jährlich immer noch viele Menschen. Außerdem steigen die CO2-Emissionen durch das Verbrennen von Holzkohle weiterhin stark an. Pro Jahr werden so mehr als eine Gigatonne CO2 ausgestoßen.

Inyenyeri möchte die Holzkohle nun mit Holzpellets ersetzen. Warum ist das besser?
Holzkohle wird in Afrika mit buchstäblich steinzeitlicher Technik hergestellt. Wir bieten dagegen eine innovative Technologie an. Pellets statt Kohle zu verwenden reduziert die benötigte Biomasse um 90 Prozent. Das kann einen erheblichen positiven Effekt auf den Klimawandel haben und Entwaldung entgegenwirken.

Durch das Verbrennen der Pellets entsteht kein Rauch mehr?
Unser innovatives System von Brennstoff und Herd reduziert die Luftverschmutzung in Haushalten um 98 Prozent. Die Pellets werden erst in Gas umgewandelt und dann verbrannt. Im Prinzip wird nur Gas verbrannt. Es besteht kein Gesundheitsrisiko. Die Herde sind technisch raffiniert, im Gebrauch aber sicher und leicht zu bedienen.

Sie verkaufen diese Geräte aber nicht?
Nein, wir sehen uns als reinen Brennstoffversorger. Wir kaufen die modernsten Gas-Herde und stellen sie unseren Kunden umsonst zur Verfügung. Sie müssen als Gegenleistung nur unseren Brennstoff kaufen. Ihr Gasversorger stellt Ihnen doch auch nur Gas zur Verfügung und zwingt Sie nicht, Leitungen zu kaufen. Und Sie bezahlen dann, was Sie verbrauchen. So arbeiten wir auch, und deshalb können wir auch die ärmsten Haushalte versorgen.

Also bekommen die Kunden die Kocher geschenkt?
Die Herde werden kostenfrei verliehen; sie gehören weiterhin uns. Als einzige Gegenleistung muss der Haushalt unsere Holzpellets kaufen. Wir garantieren die Instandhaltung und Reparaturen der Geräte. Je nach Größe und Einkommen des Haushaltes, stellen wir genug Herde zur Verfügung, damit die Familie zu 100 Prozent mit unserem System kochen kann. Wir können den Pelletverbrauch nachverfolgen und wissen, in welchem Umfang Kunden unsere Kocher verwenden. Wir wissen, wie viel Gramm Pellets pro Person und Tag nötig sind. Falls Kunden unser System nur ab und zu verwenden, steigt ihr Gesundheitsrisiko sofort wieder. Wenn ein Haushalt weniger Pellets kauft, als er eigentlich brauchte, fragen wir nach dem Grund: Bereitet jemand anderes das Essen zu? Haben wir nicht ausreichend geschult? Muss etwas repariert werden? Wenn das Problem nicht gelöst wird, nehmen wir den Herd wieder zurück, und der Vertrag wird aufgehoben.

Sie müssen die Kosten für die Herde durch den Verkauf der Pellets decken. Ist das rentabel?
Ja, absolut. Unser Brennstoff ist sehr effizient, er ist deutlich kostengünstiger als Holzkohle, und trotzdem können wir unsere Kosten decken und Gewinn machen. Momentan holen wir in zwei bis zweieinhalb Jahre pro Haushalt die Kosten des Kochers, der Pelletherstellung und unseres Vertriebssystems durch den Brennstoffverkauf wieder herein. Unserer Erfahrung nach benötigen wir fünf Dollar pro Jahr für Herdinstandhaltung und -reparaturen. Dabei hält ein Herd locker fünf bis sechs Jahre. Allerdings ist das aktuelle Modell noch nicht so robust, wie wir es uns wünschen. Deswegen machen wir Druck auf die Hersteller, damit wir künftig Kocher mit einer Lebensdauer bis zu 20 Jahren bekommen.

Sie könnten die Pellets deutlich billiger verkaufen, wenn Sie nicht in die Kocher investieren würden. Was machen Sie, wenn Konkurrenten billigere Pellets auf den Markt bringen?
Potenzielle Konkurrenten könnten nur dann günstigere Pellets anbieten, wenn sie eine große Fabrik bauen würden. Dafür müssten sie allein schon 10 bis 20 Millionen Dollar investieren. Wenn unsere Kunden dann statt unserer Pellets die der Konkurrenz kaufen sollten, würden sie gegen unseren Vertrag verstoßen. Wir würden die Herde also zurückholen. Wer mit uns mithalten möchte, müsste Kocher von vergleichbarer Qualität zur Verfügung stellen und günstigere Pellets anbieten. Das ist sehr schwer. Wir hoffen also, dass wir einen großen Vorteil haben, weil wir die ersten Anbieter südlich der Sahara sind. Zunächst wollen wir in Ruanda beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Das wird uns helfen, zusätzliche Investoren zu gewinnen, um dann in andere Länder zu expandieren. Das Ziel ist ganz Afrika. Selbstverständlich könnte jemand versuchen, unser Konzept in einem anderen Land zu kopieren und dort der Pionier zu sein. Wir hoffen, dass es sich dabei dann um einen sozial verantwortlichen Investor handelt, damit auch die Ärmsten von dem System profitieren können. Es wäre sehr schade, wenn das System nur dafür genutzt würde, Mittelschichtskunden zu bedienen.

Wann erwarten Sie, in die Gewinnzone zu kommen?
Das sollte der Fall sein, wenn wir 75 000 bis 100 000 Haushalte beliefern – wahrscheinlich im Jahr 2022. Neben dem Verkauf von Pellets haben wir noch eine zweite Einnahmequelle. Unsere CO2-Reduktionen werden nach UN-Regeln gemessen, geprüft und zertifiziert. Die Weltbank kauft diese Emissionsgutschriften zu einem günstigen Preis. Sie hat sich verpflichtet, alle unsere Emissionsgutschriften zu kaufen. Das entspricht dem Emissionshandel, wie er im Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls vorgesehen ist: CO2-Reduktionen in Entwicklungsländern können zur Erfüllung der Reduktionspflichten reicher Nationen dienen. Der CDM läuft aus im Jahr 2020, aber wir sind davon überzeugt, dass es auch in Zukunft irgend eine Art Emissionshandel geben wird. Das hat die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 jedenfalls beschlossen.

Welche Investoren unterstützen Sie?
In den ersten acht Jahren wurden wir hauptsächlich von privaten Investoren unterstützt. Die Ikea Foundation ist der größte Geldgeber. Oikocredit hat kürzlich Anteile im Wert von einer Million Euro von Inyenyeri erworben. Das hilft, andere Investoren zu gewinnen. Wir bauen ein gewinnorientiertes Privatunternehmen auf, um die Gesundheit vieler Menschen und die Umwelt zu schützen.


Eric Reynolds ist Gründer und Geschäftsführer von Inyenyeri. Vor acht Jahren zog der US-amerikanische Unternehmer nach Ruanda. Um sein Konzept vorzustellen, nahm er im Mai an der Innovate4Climate-Konferenz in Frankfurt teil. Sie wurde von der Weltbank, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und weiteren Partnern veranstaltet.
[email protected]
http:www.inyenyeri.com

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