Konflikt und Ressourcen
DR Kongo: Mineralien für den Frieden – oder Krieg um Mineralien?
Im Januar 2025 ereigneten sich zwei Dinge. Donald Trump wurde als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und versprach Frieden für alle – unter der Devise „America first“. Drei Tage später, am 23. Januar, startete die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe M23 eine der heftigsten Offensiven seit mehr als einem Jahrzehnt im Osten der DR Kongo.
Innerhalb weniger Wochen eroberte die M23 die Städte Goma und Bukavu, beide mit jeweils über einer Million Einwohner*innen. Dennoch blieb die internationale Aufmerksamkeit auf Trumps Rückkehr ins Weiße Haus gerichtet.
Einige Monate später, auf seinem Weg zum Weltfrieden und zum Friedensnobelpreis, erklärte Trump, er habe einen sogenannten „Machetenkrieg“ beendet, nachdem die DR Kongo und Ruanda im Juni 2025 in Washington das von den USA vermittelte Abkommen „Critical Minerals for Security and Peace“ unterzeichnet hatten.
Zentraler Bestandteil des Abkommens ist die Verpflichtung beider Länder, einen Rahmen für regionale wirtschaftliche Integration zu entwickeln. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten, der US-Regierung und amerikanischen Investoren ausgebaut werden, um „transparente, formalisierte und lückenlose Mineralienlieferketten“ zu etablieren. Im Gegenzug machte Washington weitreichende, wenn auch vage formulierte Sicherheitszusagen für die Region.
Trump und Leopold II. – Erinnerungen an die Vergangenheit?
In den Jahren 1884/85 sicherte sich König Leopold II. von Belgien auf der berüchtigten Kongokonferenz in Berlin das private Eigentumsrecht am Kongo-Freistaat. Die konkurrierenden europäischen Großmächte überließen ihm damit ein Gebiet, das größer war als Westeuropa. Er begründete sein Vorgehen damit, den arabischen Sklavenhandel bekämpfen und die Bevölkerung „zivilisieren“ zu wollen.
Errichtet hat er hingegen eine Ausbeutungsmaschinerie. Das unter seiner Herrschaft aufgebaute Straßen- und Flusssystem im Kongo-Freistaat diente nicht etwa dazu, Orte und Gemeinschaften miteinander zu verbinden, sondern Rohstoffe wie Kautschuk und Mineralien möglichst effizient an die Küste zu transportieren.
Der Druck auf die Bevölkerung war dabei enorm. Historiker*innen schätzen, dass die Bevölkerung zwischen 1880 und 1920 aufgrund von Zwangsarbeit, Hunger und Gewalt halbiert wurde – eine demografische Katastrophe. Schreckliche Berühmtheit hat die systematische Amputation von Händen als Strafe erlangt, wenn Zwangsarbeiter*innen ihre Kautschukquoten nicht erfüllt hatten.
Leopold und die belgischen Kolonialist*innen in seinem Gefolge bauten Infrastruktur auf, um Rohstoffe zu gewinnen, nicht um das Land zu entwickeln. Wo sich der Bergbau nicht mehr lohnte, verschwand auch die Infrastruktur. Noch heute sind viele Gemeinden in der Provinz Lualaba sowie in abgelegenen Waldgebieten im Süden und Osten des Landes nur deshalb erreichbar, weil der informelle Bergbau über die Zeit auch Handelsplätze, Trampelpfade und Motorradtracks hervorgebracht hat, die nun als Straßen dienen. Die Minen folgten also nicht den Straßen, sondern die Straßen den Minen. Das gesamte Land wurde so wirtschaftlich von der Rohstoffförderung abhängig gemacht.
Nach der Unabhängigkeit der DR Kongo im Jahr 1960 entwickelte sich der Bergbau zunehmend zu einem Nährboden für Konflikte – etwa während des Abspaltungsversuchs in Katanga in den 1960er-Jahren. Seit den 1990er-Jahren haben sogenannte Blutmineralien wie Coltan, Zinn und Gold wiederholt gewaltsame Konflikte angeheizt, insbesondere im Osten des Landes. Rebellengruppen, ausländische Truppen und andere Milizen nutzen kleine Minen, um Waffen zu finanzieren und beuten so die lokale Bevölkerung aus. Die Offensive der M23 ist lediglich die jüngste Entwicklung in dieser langen Reihe von Konflikten.
Was sich in den Jahrzehnten zwischen Leopold und Trump geändert hat, ist die Wortwahl (und glücklicherweise auch die Druckmittel) – aus dem „Kampf gegen den Sklavenhandel“ ist die Notwendigkeit geworden, „einen Machetenkrieg zu beenden“. Unverändert bleibt jedoch die Frage, wer die Kontrolle über die Ressourcen haben wird, sobald sich der Staub gelegt hat.
Abhängigkeit vom Bergbau als Sackgasse
Man könnte sich nun fragen, warum kongolesische Gemeinden und Graswurzelbewegungen die Versprechen der Rohstoffindustrie und der politischen Eliten nicht geschlossen zurückweisen, obwohl sie ihnen über Jahrzehnte hinweg so viel Leid gebracht haben. Tatsächlich haben 150 Jahre ausbeuterischer Kolonialismus, gefolgt von Jahrzehnten räuberischer Regierungsführung, dazu geführt, dass Gemeinden in weiten Teilen der DR Kongo in einer strukturellen Falle gefangen sind. Bergbau zu betreiben ist keine Entscheidung, die sie, ihre Eltern oder Großeltern bewusst getroffen haben. Für viele ist diese Arbeit das Einzige, was sie vor völliger Isolation und in sehr abgelegenen Regionen auch vor dem Verhungern schützt.
Die zentrale Frage für die betroffenen Gemeinden und auch für uns als Forschende ist, ob eine Zukunft ohne Bergbau überhaupt möglich ist. Nicht, weil der Bergbau eine gute Einkommensquelle ist, sondern weil für viele Menschen die Alternative nicht in einer diversifizierten Wirtschaft mit vielfältigen Verdienstmöglichkeiten besteht, sondern in Hunger und Unsichtbarkeit.
Rohstoffgewinnung ist nicht gleichbedeutend mit Entwicklung. In der DR Kongo hat eine rund 150-jährige Politik der gezielten Unterentwicklung dazu geführt, dass Millionen von Menschen, die keinen Einfluss auf die Gestaltung des Systems hatten, von dem sie heute abhängig sind, strukturell keine Alternative mehr haben. Ihre Abhängigkeit ist historisch, politisch sowie infrastrukturell. Bergbauunternehmen und bewaffnete Gruppen füllen das durch einen abwesenden Staat entstandene Machtvakuum auf unterschiedliche Weise: Unternehmen bauen Straßen nach ihren eigenen Vorstellungen; bewaffnete Gruppen sichern sich Loyalität durch Abgaben und Schutz. Beides führt dazu, dass die Gemeinden für den Zugang zu den grundlegendsten Annehmlichkeiten des modernen Lebens weiterhin auf externe Akteure angewiesen sind.
Nichts Neues unter der kongolesischen Sonne
Für die kongolesische Regierung gehen die derzeitige Instabilität und die Beweggründe für die Unterzeichnung des von den USA vermittelten Abkommens über den Konflikt mit der M23 hinaus. In der von zahlreichen Militärputschen geprägten Region wächst die Sorge, dass sich eine ähnliche Entwicklung auch in der DR Kongo abzeichnen könnte. Verstärkt wird diese Sorge durch interne Proteste, die Kämpfe im Osten und eine als ineffektiv wahrgenommene Armee. Diese Sorge wird dadurch verstärkt, dass der Bergbausektor zwar mehr als 95 % der Exporte des Landes ausmacht und im vergangenen Jahr schätzungsweise rund 30 % der Haushaltseinnahmen erwirtschaftet hat – der Staat es jedoch nach wie vor kaum schafft, diesen Reichtum in politische Stabilität umzuwandeln.
Angesichts dessen könnte das Angebot, den USA privilegierten Zugang zu Rohstoffen im Austausch für Diplomatie- und Sicherheitszusagen zu gewähren, nicht nur mit dem M23-Konflikt zusammenhängen, sondern auch mit dem politischen Überleben der Regierung von Präsident Félix Tshisekedi über dessen zwei verfassungsmäßigen Amtszeiten hinaus. Seit zwei Jahren bereitet Tshisekedi eine Verfassungsänderung vor, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichen könnte, und das Abkommen mit den USA dient diesem Ziel: Durch die Sicherung der Unterstützung Washingtons gewinnt Tshisekedi die externe Legitimität und den politischen Rückhalt, die er benötigt, um solche Verfassungsänderungen durchzusetzen. Denn er weiß, dass ein mächtiger Verbündeter, der ein Interesse an der Stabilität des Landes hat, ihm wahrscheinlich nicht im Weg stehen wird.
Die USA folgen einer transaktionalen Logik, wonach Demokratie schnell in Vergessenheit gerät, wenn sie den Machthabern den Zugang zu Ressourcen versperrt und beginnt, die Rechte lokaler Gemeinden einzufordern. Ist dieser Zugang jedoch gesichert, kann selbst ein autoritäres Regime scheinbar jede Unterstützung erhalten, die es benötigt, um sich zu etablieren und zu behaupten.
Bislang zeigt die M23 trotz des Abkommens keine Anzeichen eines Rückzugs. Auch deshalb bleibt die Frage, ob der Deal mit den USA nicht eher eine weitere Phase komplexer und nahezu auswegloser Instabilität einleitet.
Für die kongolesische Bevölkerung sind solche Unsicherheiten nichts Neues. Schließlich bildete der Mythos von den „Rohstoffen für Frieden“ die Grundlage für die Gründung der DR Kongo als politische Einheit. Enttäuschung angesichts ausgebliebener Wohlstandsversprechen gehört ebenfalls zum Alltag der Bevölkerung. Tatsächlich können Kongoles*innen in den Nachrichten sehen, wie kongolesische Mineralien in technologischen Meisterwerken auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen – gleichzeitig erleben sie hautnah die Realität eines Landes mit einem der niedrigsten Indizes für menschliche Entwicklung. Diese Paradoxien sind keine bloßen Zufälle einer von Krieg heimgesuchten Region. Sie sind die vorhersehbaren Folgen eines Systems, das darauf ausgelegt ist, Wert aus einem Gebiet zu schöpfen, anstatt in es zu investieren.
Gibt es eine Zukunft ohne Bergbau? Und wer entscheidet über sie?
Unsere aktuelle Studie untersucht, ob sich die von der Rohstoffindustrie am stärksten betroffenen Gemeinden eine Zukunft jenseits des Bergbaus vorstellen und diese gestalten können – zumal der Bergbau oft das Einzige war, was ihnen Straßen, Einkommen und ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit von der Außenwelt beschert hat.
Viele Fachleute und Gemeindevertreter*innen werden argumentieren, dass es keine glaubwürdige kurzfristige Alternative gibt, und damit haben sie nicht Unrecht. Wenn die Wahl zwischen einem gefährlichen Bergwerk, das Geld einbringt, und einem Dorf ohne Straße, Klinik oder Markt steht, klingt das Beharren auf Alternativen wie ein Luxus, den sich nur Außenstehende leisten können. Die Abhängigkeit vom Bergbau ist über Generationen gewachsen und wird wohl auch bestehen bleiben. Veränderung ist nur dann möglich, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen grundlegend ändern – nicht nur bei Lieferketten-Zertifizierungen oder diplomatischen Abkommen, sondern bereits bei der Frage, wer Einnahmen kontrolliert, Infrastruktur baut und Entscheidungen trifft.
Solange Rohstoffe in einem Umfeld gefördert werden, in dem der Staat Regeln nicht durchsetzen kann, Gemeinden kein Mitspracherecht haben und internationale Akteure das Land primär als Rohstofflieferant statt als Gesellschaft betrachten, werden Mineralien weiterhin Wohlstand versprechen, aber zugleich Armut und Abhängigkeit erzeugen. Letztlich hängt die Zukunft der DR Kongo davon ab, dass ihr Bodenschatz in den Bau von Straßen für Gemeinden statt in Konzessionen, in Schulen statt in Firmenstädte und in Institutionen fließt, die gegenüber der Bevölkerung rechenschaftspflichtig sind und nicht gegenüber Aktionären oder geopolitischen Partnern.
Einflussreiche Stimmen haben dem kongolesischen Volk immer wieder versichert, dass sein Leid nur vorübergehend sei – ein Preis, den es für eine bessere Zukunft zahlen müsse, die letztlich durch den Abbau von Rohstoffen finanziert werde. Leopold behauptete es. Der belgische Staat behauptete es. Die internationalen Finanzinstitutionen ebenfalls. Heute sagt eine neue Generation von Mineralien-Diplomat*innen dasselbe. Die Frage ist nicht, ob das kongolesische Volk daran glaubt. Die Frage ist, ob es jemals eine echte Wahl hatte, dies nicht zu tun.
Ezra Moïse Amisi ist Doktorand im Fachbereich Entwicklungsstudien an der Universität Antwerpen, Dozent am Institut Supérieur de Développement Rural de Bukavu und arbeitet mit dem Kompetenzzentrum für Bergbaumanagement der Université Catholique de Bukavu zusammen.
emoiseamisi@gmail.com
Bossissi Nkuba ist Professor am Institut für Entwicklungspolitik der Universität Antwerpen, am Kompetenzzentrum für Bergbaumanagement der Université Catholique de Bukavu und in der Abteilung für Geowissenschaften des AfricaMuseum in Tervuren, Belgien.
bossissi.nkuba@uantwerpen.be