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Internet

Digitale Kindheit

von Drake Jamali

Hintergrund

Computerunterricht in einer Schule in Kamerun.

Computerunterricht in einer Schule in Kamerun.

Laut UNICEF sind mehr als ein Drittel aller Internetnutzer Kinder und Jugendliche bis zum 24. Lebensjahr. In Entwicklungsländern ist nur eine kleine Minderheit online. Das Netz bietet Chancen, birgt aber auch Risiken für Kinder.

Die Digitalisierung steigert die Möglichkeiten der jungen Generation, sich mit der Welt zu verbinden. Der UNICEF-Bericht „State of the World’s Children 2017“ konstatiert, dass durch Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) immer mehr Menschen Zugang zu hochwertigen Bildungsinhalten wie Lehrbüchern, Videos und Fernunterricht haben – und das zu geringen Kosten.

Allerdings sei die im Internet zugängliche Bildung kein Ersatz für eine kompetente Schulpädagogik, warnt der Bericht. Anleitung und Aufsicht durch Erwachsene seien notwendig. Das Internet ist nützlich, um Neues zu lernen, ersetzt aber nicht Eltern, Lehrer und Erzieher.

Laut UNICEF hilft das Internet, soziale Klüfte zu überbrücken. Es macht Wissen für beide Geschlechter verfügbar und ist in immer entlegeneren Gegenden zugänglich. In Entwicklungsländern kann es der professio­nellen Ausbildung dienen und wirtschaftliche Chancen eröffnen. Wie die Autoren schreiben, profitieren auch junge Menschen mit Behinderungen – nicht zuletzt, weil sie sich informieren und mit anderen inter­agieren können, ohne das Haus zu verlassen. Aber natürlich gibt es Unterschiede. Benachteiligte Gemeinschaften haben tendenziell schlechteren Internetzugang als bessergestellte. Die Vernetzung hängt von privaten und öffentlichen Ausgaben ab. Mangelnde öffentliche Gelder verschärfen die soziale Ungleichheit.

UNICEF beschreibt drei Arten von Risiken:

  • Inhaltliche Risiken bestehen, wenn ein Kind unangemessene und unerwünschte Inhalte wie sexuelle, gewalttätige oder rassistische Bilder zu sehen bekommt, die zutiefst verstören und sogar traumatisieren können.
  • Kontakt-Risiken bestehen, wenn ein Kind unwissentlich in eine heikle Kommunikation mit Internet-Betrügern verwickelt wird, die junge Menschen zu kommerziellen, sexuellen oder politischen Zwecken suchen.
  • Verhaltensrisiken bestehen, wenn Kinder für andere Kinder schädliche Online-Materialien selbst erstellen, etwa mit rassistischen oder sexuellen Inhalten (zum Beispiel Sexting).

Laut UNICEF sind Jugendliche (15- bis 24-Jährige) die am besten vernetzte Gruppe der Welt. Von ihnen nutzen etwa 71 Prozent das Internet – unter der übrigen Weltbevölkerung sind es nur 48 Prozent. Offensichtlich gehen Kinder immer früher ins Internet. Entsprechend wachsen die Gefahren von Cybermobbing, Cyberkriminalität (Diebstahl) und unerwünschten sexuellen Erfahrungen. UNICEF stellt fest, dass Kinder aus armen Familien besonders Gefahr laufen, Internet-Opfer zu werden, da sie neugierig sind, aber die Regeln für die Interaktion im Internet nicht kennen, nicht wissen, wer ihre potenziellen Gegenüber sind und wie sie missbraucht werden könnten. Die UNICEF-Autoren fordern, dass Lehrer dafür sorgen, dass Kinder sich digital auskennen, um den Gefahren adäquat zu begegnen. Auch sollen Anbieter von Inhalten die Risiken mindern.

Genderunterschiede bestehen nach wie vor. 2017 waren weltweit nur 44 Prozent der Internetnutzer weiblich, in Indien sogar nur 29 Prozent. Mädchen leiden unter der Ausgrenzung herb. Der Bericht zeigt, dass sie sich nicht im Internet über Sexualität oder Verhütung informieren können. Das ist für sie aber wichtig, da das weder in der Schule noch in der Familie diskutiert wird.

Jugendliche in Afrika sind weltweit am schlechtesten verbunden. Etwa 60 Prozent können laut UNICEF nicht online gehen. Das hat – vor allem bei Mädchen – sozioökonomische und kulturelle Gründe. In Europa haben nur vier Prozent der Fünf- bis 24-Jährigen keinen Internetzugang.

UNICEF verweist auf eine weitere Ungleichheit. 2016 dominierten zehn Sprachen das Internet – Englisch allein lag bei 56 Prozent. Viele der Kinder und Jugendlichen finden somit keine Informationen in ihrer Sprache. Einige afrikanische und asiatische Idiome existieren nicht in Schriftform, manche Regierungen berichten nicht in indigenen Sprachen.


Cybermobbing

Cybermobbing kann Kinder, Jugendliche und Erwachsene treffen. Menschen jeden Alters teilen intime Informationen in so­zialen Medien mit Freunden – und quasi mit der ganzen Welt. Gerade die junge Generation nutzt die Vernetzung, um bestehende Freundschaften zu stärken oder neue zu knüpfen. Kinder haben mehr Kontakt zueinander denn je, wobei sich die Kommunikation von der Offline- zur Online-Interaktion verlagert hat. Laut UNICEF werden häufig Menschen gemobbt, die nicht Teil des Mainstreams sind, aufgrund

  • ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung
  • ihrer kulturellen, ethnischen, reli­giösen oder politischen Zugehörigkeit
  • ihrer sexuellen Orientierung oder
  • ihrer wirtschaftlichen Situation.

Mobbing gibt es online und offline, aber während die Gesellschaft einen Umgang mit Offline-Mobbing gefunden hat, ist Cybermobbing ein neues Phänomen. Opfer von Cybermobbing neigten zu Alkohol- und Drogenmissbrauch, gingen oft unregelmäßig zur Schule und hätten ein geringeres Selbstwertgefühl, warnt UNICEF.

Es wird immer wichtiger, die Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen nicht nur vor Cybermobbing, sondern auch vor Sexualstraftätern, Menschenhändlern und Anderen zu schützen. Durch neue Plattformen können Online-Betrüger Kinder immer besser erreichen. Kryptowährungen und das Wachstum des versteckten Netzes und des Darknets erleichtern kriminelle Aktivitäten, inklusive sexueller Ausbeutung. UNICEF fordert eine Kontrolle dieses Internet-Bereichs.

Weltweit sorgen sich Eltern, weil ihre Kinder zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Forschungsergebnisse dazu sind laut UNICEF uneindeutig. Das Internet verbindet Kinder aus aller Welt, kann aber auch dazu führen, dass sie an ihrem tatsächlichen Aufenthaltsort weniger präsent sind. Verbringen Kinder zu viel Zeit vor dem Bildschirm, sind sie womöglich körperlich zu wenig aktiv. Eine Studie von 2010, bei der 200.000 Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren in Europa und Nord­amerika befragt wurden, zeigte, dass sich Kinder schon damals tendenziell zu wenig bewegten.

Die Art, wie Kinder und Erwachsene die Digitalisierung nutzen, klafft immer mehr auseinander. Kinder sehen Vernetzung als Möglichkeit, Kommunikationsbarrieren abzubauen, Eltern befürchten, dass die Zeit vor dem Computer ihr geistiges Wohlbefinden beeinträchtigt. Die Sorgen der Eltern sollten laut Bericht ernst genommen werden. Doch sollten die Eltern auch versuchen zu verstehen, was die Plattformen ihren Kindern bedeuten. Je geschickter sie mit den Kindern umgehen, desto besser können sie diese vor Schaden schützen.

Eltern sollten ihren Kinder auch klarmachen, wer das Internet dominiert: Eine Handvoll Unternehmen (Facebook, Apple, Netflix und Google) beeinflusst, wie Milliarden von Menschen ihre Zeit verbringen.

Die jüngste Generation ist die vielschichtigste der Geschichte und stets nur wenige Klicks von Informationen und Menschen entfernt. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind Digital Natives, das Internet ist ihr zweites Zuhause. UNICEF fordert eine umsichtige Politik, die das Internet zu einem sicheren Ort für sie macht. Verantwortlich sind unter anderem Regierungen, UN-Agenturen, Organisationen, die sich für Kinder einsetzen, Entwicklungs­institutionen, Pädagogen und Eltern.

Wichtige Ziele sind:

  • allen Kindern erschwinglichen Zugang zu hochwertigen Online-Ressourcen zu ermöglichen,
  • kulturelle, soziale und genderspezifische Barrieren aufzulösen,
  • Kinder vor Schaden zu schützen,
  • Strafverfolgung zu unterstützen,
  • Privatsphäre, Identität und den Ruf von Kindern online zu schützen,
  • digitale Kompetenz zu vermitteln, um Kinder auf dem Stand der Dinge zu halten und ihnen Sicherheit zu bieten,
  • ethische Standards für Unternehmen und Technologien zu entwickeln,
  • privatwirtschaftliche Unternehmen in die Förderung angemessener ethischer Standards und Praktiken einzubeziehen und
  • Kindern und Jugendlichen Mitsprache zu gewähren bei der Entwicklung digitaler Politik.


Drake Jamali ist Praktikant bei E + Z/D+C, finanziert vom Congress-Bundestag-Jugendaustausch (CBYX). Dieses Programm entsendet 75 junge Amerikaner nach Deutschland und 75 junge Deutsche in die USA.
[email protected]

Link
UNICEF, 2017: The State of the World’s Children 2017. Children in a Digital World.
https://www.unicef.org/sowc2017/

 

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