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Marginalisierung

Im Slum gestrandet

von Jeffrey Moyo

Heutzutage

Immer mehr Menschen in Simbabwe leben in Slums. Das sind verwahrloste und überfüllte Stadtviertel, die von sehr armen Menschen bewohnt werden.

Schätzungsweise jeder vierte Stadtbewohner des Landes, das heißt etwa 1,25 Millionen Menschen, lebten laut UN-Zahlen aus dem Jahr 2014 in Slums – Tendenz steigend. Die Weltbank schätzt, dass die städtische Bevölkerung Simbabwes, die derzeit etwa 5 Millionen Menschen umfasst, jedes Jahr um zwei Prozent zunimmt.

Die Lebensbedingungen in diesen informellen Siedlungen sind grässlich. Viele der Behausungen sind komplett aus gewebtem Gras gebaut. In einigen Siedlungen, wie etwa in Caledonia außerhalb der Hauptstadt Harare, sind die Hütten aus alten, rostigen Blechen gebaut.

Eine der Bewohnerinnen dieses Slums, die 26-jährige Saliwe Chirumanzi, lebt mit ihren beiden Kindern in einer Blechhütte, in die es hineinregnet. „Mein Mann ist 2017 nach Südafrika gegangen und kehrte nie zurück, sondern ließ uns in dieser Hütte zurück“, sagt sie. „Ich kann nicht von hier wegziehen, weil ich mir keine Miete leisten kann.“

Ihre Nachbarn sind eine neunköpfige Familie, die eine Grashütte mit zwei Räumen bewohnt. „Wir bieten gerade unseren Verwandten, deren Hütte vor zwei Monaten abgebrannt ist, Unterschlupf“, sagt eines der Familienmitglieder, der 22-jährige Mavis Chiwoko.

Trotz solcher Bedingungen strömen täglich Neuankömmlinge in die informellen Siedlungen. „Die Menschen ziehen aus abgelegenen, ländlichen Gebieten in die Stadt auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen,“ sagt der unabhängige Entwicklungsexperte Zisunko Ndlovu.

In Simbabwe kam es im Jahr 2000 vermehrt zu Land-Stadt-Migration, als die Farmen weißer Besitzer gewaltsam beschlagnahmt wurden. Infolge dieses Landreformprogramms verloren etwa 30 000 Landarbeiter ihre Arbeit, berichtet die Zimbabwe Commercial Farmers’ Union. Viele der Arbeitslosen strömten auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Andere zogen aus dem gleichen Grund in die Nachbarländer wie Südafrika.

Im Jahr 2005 ließ die Regierung Simbabwes als Antwort auf die wachsende städtische Verwahrlosung zehntausende illegale Slumbehausungen zerstören. Diese Aktion machte nach UN-Angaben über 700 000 Menschen obdachlos. Kurzfristig trieb diese Räumungskampagne viele Slumbewohner zurück in die ländlichen Gebiete. Aber da es auf dem Land nur wenig Arbeit gab, kehrten sie schließlich in die Städte zurück.

Die zunehmende Überbevölkerung und das Fehlen von fließendem Wasser, Kanalisation und Elektrizität führen zu einer Gesundheitskrise in den Slums. Die Zahl der Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis und Typhus nimmt zu.

Unterdessen geschieht wenig, um die Bedingungen in den Slums zu verbessern. In Simbabwe fehlen nach Angaben des Ministeriums für Wohnungswesen rund 1,3 Millionen Wohnungen, davon eine halbe Million allein in Harare.

Dieses große Defizit kommt durch die jahrzehntelange Vernachlässigung des Problems. Während der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Robert Mugabe wurde der größte Teil des Staatshaushalts für die Zahlung von Beamtengehältern verwendet. Dadurch blieb wenig Budget übrig, um Häuser zu bauen und stinkende Slums in bewohnbare Viertel zu verwandeln.


Jeffrey Moyo ist ein Journalist aus Harare.
[email protected]

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