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Lateinamerika

Gefährliche Flucht durch Mexiko in die USA

von Virginia Mercado

Meinung

Migrantin in einer überfüllten Unterkunft in Ciudad Juárez nahe der US-Grenze.

Migrantin in einer überfüllten Unterkunft in Ciudad Juárez nahe der US-Grenze.

Migranten, die über Mexiko in die USA fliehen, müssen viele Hindernisse überwinden. Beide Staaten sollten mehr tun, um die Sicherheit der Migranten zu gewährleisten und ihre Rechte zu schützen.

Seit eineinhalb Jahren ist die Bewegungsfreiheit wegen Covid-19 eingeschränkt – doch die Migration in Lateinamerika nimmt kein Ende. Trotz der Ansteckungsgefahr und anderer gravierender Probleme auf dem Weg verlassen die Menschen weiterhin ihre Heimat. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben die Lebensbedingungen in vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik verschlechtert. Mehr Familien denn je suchen ein besseres Leben im Norden.

Trotz hochgradig gefährlicher Fluchtwege machen sich viele Menschen lieber auf den Weg ins Ungewisse, als in ihren Heimatländern zu bleiben. Dort herrschen oft furchtbare Umstände: politische Krisen, organisierte Kriminalität, Bandengewalt, extreme Armut, Klimawandel und Naturkatastrophen. Einige Migranten ahnen nicht, welche Gefahren unterwegs auf sie lauern: von Menschenhandel und Schmuggel über Entführungen bis hin zu Mord. Manche verdursten in der Wüste, andere ertrinken im Grenzfluss Rio Grande. Die Probleme sind nicht neu (siehe meinen Aufsatz hierzu auf der E+Z/D+C-Plattform). Aber sie werden schlimmer. Trotz einer kurzen Flaute auf dem Höhepunkt der Pandemie sind die Zahlen jetzt höher als 2019: Seit Anfang 2021 verzeichnet Mexiko jeden Monat Rekordzahlen an Flüchtlingen.

Immer mehr Menschen sind ohne Papiere unterwegs. Im Jahr 2020 erfassten die mexikanischen Einwanderungsbehörden 82 379 Personen, von denen drei Viertel in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt wurden. Im Jahr 2021 stieg die Zahl der Menschen ohne gültige Papiere allein von Januar bis August auf 148 903 an. Davon wurden 59 080 Erwachsene und 5511 Minderjährige in ihre Heimat zurückgeschickt. Offiziell wird das „assisted repatriation“ genannt – „unterstützte Rückführung“.

Viele Migranten versuchen, ihren Aufenthalt in Mexiko zu legalisieren. Vor den Einwanderungsbehörden warten sie lange auf die Bearbeitung ihrer Anträge. Doch ihre Zahl übersteigt die Kapazitäten der mexikanischen Behörden. Andrés Ramírez, Leiter der COMAR (Nationale Kommission für Flüchtlingshilfe), twitterte, bis Ende August seien 77 559 Anträge registriert worden – 10 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2019, als mit 70 423 ein neuer Rekord gebrochen wurde.

Nicht von allen Migranten, die sich in den Norden aufmachen, ist die Nationalität bekannt. Doch einige Gruppen stechen hervor: Die Zahl der Haitianer ist 2021 aufgrund der politischen Krise und der Naturkatas­trophen in diesem Land stark angestiegen. Andere große Gruppen sind Honduraner, Guatemalteken, Salvadorianer, Kubaner und Venezolaner.

Auch viele Mexikaner fliehen. Tatsächlich werden die meisten Asylanträge in den Vereinigten Staaten von Mexikanern gestellt. Viele wollen dem organisierten Verbrechen und der Bandengewalt entkommen, die das Leben in einigen mexikanischen Städten unmöglich gemacht haben.

Währenddessen häufen sich Beschwerden über die Notunterkünfte für Migranten. Es fehlt an Vorräten, Lebensmitteln und Medikamenten, die sanitären Bedingungen sind schlecht, und die Bearbeitung der Anträge dauert zu lange. Die Aussichten für diejenigen, die es bis zur US-Grenze schaffen, sind nicht besser. Migranten können wochen- oder monatelang vor geschlossenen Grenzen festsitzen – unter Bedingungen, die manche als menschenrechtsverletzend beschreiben. Am Ende werden die meisten von ihnen abgeschoben.

Zudem gibt es Hinweise auf Gewalt gegen Migranten, ausgeübt sowohl von mexikanischen als auch von US-Behörden. So wurden Haitianer von berittenen Grenzpolizisten gejagt, als sie den Fluss überquerten, um Lebensmittel zu holen. Außerdem attackierten Grenzbeamte Migranten in einem Wohnwagen. Solche Taten werfen ernste ethische Fragen auf. Gleiches gilt für die zunehmende Anzahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die vielen Risiken ausgesetzt sind.

Migration ist ein wachsendes Phänomen in der südlichen Hemisphäre. Das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Zigtausende Menschen fliehen vor unhaltbaren Zuständen und treffen auf Diskriminierung und Xenophobie. Es muss ein humanerer Weg gefunden werden, um den Menschen den Weg in ein besseres Leben zu ermöglichen.


Virginia Mercado ist Wissenschaftlerin an der Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) und Dozentin für Friedens- und Entwicklungsstudien.
[email protected]

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