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UNCCD

Ökosysteme und fruchtbares Land müssen geschützt werden

von Chimezie Anajama

Hintergrund

Gemüsehändlerin in Uganda: Frauen leisten den größten Teil der landwirtschaftlichen Arbeit in Afrika.

Gemüsehändlerin in Uganda: Frauen leisten den größten Teil der landwirtschaftlichen Arbeit in Afrika.

Die Menschheit muss dringend Maßnahmen ergreifen, um fruchtbaren Boden wiederherzustellen und zu schützen. Das ist die Kernaussage des zweiten Global Land Outlook, dem Bericht einer UN-Organisation.

Die kürzlich veröffentlichte Publikation des UN-Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD – UN Convention to Combat Desertification) fordert ehrgeizige Verpflichtungen der Regierungen und internationale Finanzmittel. Die Autoren warnen, dass nicht nur die globale Ernährungssicherheit gefährdet ist, sondern dass Landprobleme auch die Klimakrise verschärfen. Handlungsbedarf bestehe besonders in Afrika südlich der Sahara. UNCCD ist eine Schwesterorganisation der UN-Klimarahmenkonvention und der UN-Konvention über die biologische Vielfalt. Alle drei wurden 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro verabschiedet.

Aufgrund nicht nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten könnten bis zur Jahrtausendwende 300 Millionen Hektar Nutzfläche verloren gehen, warnen die UNCCD-Experten. Sie gehen davon aus, dass jedes Jahr bis zu 30 Millionen Quadratkilometer verloren gehen. Das führt zu mehr Hunger, größerer Armut, mehr Ungleichheit und ressourcenbedingten Konflikten. Laut dem Bericht ermöglichen Land-Ressourcen (einschließlich Boden, Grundwasser und biologische Vielfalt) derzeit wirtschaftliche Aktivitäten im Wert von jährlich 44 Billionen Dollar. Das entspricht etwa der Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Die Verschlechterung der Bodenqualität und die Klimakrise verstärken sich gegenseitig. Wüstenbildung und Dürre betreffen 3 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, wobei Frauen, Kinder und Jugendliche am meisten leiden.

Zentrale Herausforderungen

Die zentralen Herausforderungen, so die Autoren, sind die Übernutzung und der Missbrauch von Land-Ressourcen. Falsche wirtschaftliche Anreize führen zu Investitionen, die Land und Natur zerstören, nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft, sondern auch im Bergbau, in der Infrastrukturentwicklung und Urbanisierung. Regierungspolitik ist oft destruktiv, ebenso wie die Verbrauchernachfrage, wie das UN-Dokument betont.

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind ein Teil des Problems, denn die Nahrungsmittelproduktion treibt häufig die Verschlechterung der Bodenqualität voran. Etwa 80 Prozent der weltweiten Entwaldung wird auf Landwirtschaft zurückgeführt. Sie verbraucht auch etwa 70 Prozent der Süßwasserressourcen und erzeugt 29 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Die Autoren weisen darauf hin, dass einige vermeintlich moderne Praktiken nicht nachhaltig sind, darunter großflächige, intensive Monokulturen oder industrielle Viehzucht.

Auch die Zerstörung von Wäldern führt zu erheblichen Treibhausgasemissionen. Dem Bericht zufolge sind zwischen 2000 und 2015 125 Millionen Hektar Wald und Grasland verloren gegangen. Bis zum Jahr 2050 dürften bei den derzeitigen Trends weitere 300 Millionen Hektar zu Brachland werden. Die Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion wären verheerend.

Verbesserungen sind möglich

Es muss aber nicht so weitergehen. Der UNCCD-Bericht spricht sich für eine Neugestaltung der heutigen Lebensmittelsysteme aus. Darin heißt es, dass mehr pflanzliche Ernährung, eine umweltfreundlichere Landwirtschaft und regenerativer Landbau dazu beitragen wird, fruchtbares Land wiederherzustellen und die Widerstandsfähigkeit der Menschen zu stärken.

Auch die Stadtplanung ist wichtig. Vielerorts greift die Bebauung in die natürliche Umwelt ein. Die UNCCD-Experten gehen davon aus, dass bis zur Jahrtausendwende 6,7 Milliarden Menschen in städtischen Gebieten leben werden – mehr als doppelt so viele wie heute. Eine unzureichende Stadtplanung kann die Bodenprobleme verschärfen. Es kann zu Überschwemmungen kommen, die Menschen gefährden und Bodenerosion verstärken. Verstädterung führt auch oft zur Übernutzung des Grundwassers. Die Autoren weisen darauf hin, dass städtische Begrünung und Reformen der Bodenordnung auch in Städten ein ökologisches Gleichgewicht wiederherstellen können.

In den Augen der UNCCD-Experten hat die Covid-19-Pandemie dazu beigetragen, dass die politischen Entscheidungsträger die Wiederherstellung von Land neu bewerten. Die Gesundheit von Mensch, Tier und Ökosystem sind so eng miteinander verknüpft, dass Experten von „One Health“ sprechen. Covid-19 ist eine Zoonose, eine Krankheit, die von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde. Solche Ereignisse werden wahrscheinlicher, wenn die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. Das zeigt, dass die Wiederherstellung der Bodenqualität einen ganzheitlichen Nutzen hat, der über die Nahrungsmittelproduktion hinausgeht. Eine gesunde Umwelt kommt der Resilienz lokaler Gemeinschaften zugute.

Die Landbewirtschaftung muss außerdem sicherstellen, dass die Grundrechte der Menschen geachtet werden. Die Menschen nutzen das Land für ihren Lebensunterhalt, und ihre Lebensgrundlagen verdienen es, geschützt zu werden, argumentieren die Autoren. Indigene Völker sind besonders gefährdet. Andererseits haben sie und andere marginalisierte Gemeinschaften bewiesen, dass sie wichtige Partner für den Schutz und die Wiederherstellung von Land-Ressourcen sind.

Der Gender-Aspekt

Es gibt auch einen geschlechtsspezifischen Aspekt. In vielen Entwicklungsländern verrichten Frauen den Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit. Sie sind von der Landdegradation besonders betroffen. Die UNCCD-Autoren drängen daher darauf, dass sie einbezogen werden.

Globale Zusammenarbeit ist der Weg nach vorn, so der Bericht. Die Ökosysteme müssen wiederhergestellt werden, damit die Menschheit eine gute Zukunft genießen kann. Es gibt zwar multilaterale Abkommen und Partnerschaften, aber die Autoren sehen eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Sie fordern, dass die Regierungen und andere Parteien ihrer Verantwortung gerecht werden, was auch die Bereitstellung von öffentlicher Entwicklungshilfe (ODA – official development assistance) einschließt.

Doch nicht alle guten Absichten führen zu guten Ergebnissen. Nach Ansicht der Autoren ist es falsch, sich nur auf schnell wachsende Pflanzen zu konzentrieren, um Wälder und andere Ökosysteme in Asien, Afrika und Lateinamerika zu regenerieren. Dieser Ansatz führt zu schlechteren Ökosystemen, die weniger in der Lage sind, Kohlenstoff zu speichern, das Grundwasser aufzufüllen und als Lebensraum für Wildtiere zu dienen.

Der Global Land Outlook ist der zweite seiner Art, der erste wurde 2017 veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe bewertet das globale Szenario, berücksichtigt aber auch verschiedene internationale Initiativen zur Verbesserung der Situation, wie zum Beispiel die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen von 2021 bis 2030 oder die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Die Botschaft lautet, dass entschlossenes Handeln einen Unterschied machen kann.

 

Link

UN Convention to Combat Desertification, 2022: Global Land Outlook 2.
https://www.unccd.int/resources/global-land-outlook/glo2

 

Chimezie Anajama ist derzeit Praktikantin bei E+Z/D+C. Sie hat vor kurzem ihren Masterabschluss in Entwicklungsmanagement an der Ruhr Universität Bochum gemacht.
vivienchime@gmail.com
Twitter: @mschimezie

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