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Naher Osten

Engagierte Mädchen

von Anna Marquardt, Aharon Weiß

Hintergrund

Hotaf Yassien IWRM student, right with members of the school club

Hotaf Yassien IWRM student, right with members of the school club

Die Umwelt-AG an einer nordjordanischen Schule schärft das ökologische Bewusstsein. Studenten des Masterstudiengangs Integriertes Wasserressourcenmanagement der FH Köln und der Universität von Jordanien haben mit der AG gearbeitet und die Wirkung evaluiert. Sie berichten an dieser Stelle in E+Z/D+C. [ Von Anna Marquardt und Aharon Weiß ]

Die Schulglocke klingelt. Rund 600 Schülerinnen der Girls School in Ajloun in Nordjordanien brennen darauf, nach Hause zu gehen – nicht aber Rana, Waa´d, Eklas und Eman. Sie warten auf ihre Lehrerin Nihad Ghalib Al-Smadi, mit der sie zur wöchentlichen Umwelt-AG ver­abredet sind. Zusätzlich zum regulären Stundenplan treffen sich hier sieben Schülerinnen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren.

Normalerweise spielt Umwelt in jordanischen Schulen keine große Rolle. Dabei steht das Land vor großen ökologischen Herausforderungen – besonders was Wasser angeht. Versorgungsprobleme werden sich noch verschlimmern, da die Bevölkerung schnell wächst. Jordanien ist Nummer drei auf der UN-Liste der Länder mit den wenigsten Wasserreserven pro Kopf. Hohe Nachfrage, schlechtes und unzureichendes Management sowie Spannungen mit Nachbarländern verschärfen die Problematik. Jordanien könnte zu den ersten Ländern gehören, die regelrecht auf dem Trockenen sitzen.

Den Mitgliedern der Schul-AG sind diese Probleme klar, aber sie lassen sich davon nicht entmutigen. Eher fühlen sie sich angespornt, etwas zu tun. Die Mädchen dis­kutieren lebhaft und freuen sich, neu erworbenes Wissen zu nutzen.

Die Ergebnisse sind in Ajloun sichtbar. Voriges Jahr übernahmen die jungen Umweltschützerinnen die Verantwortung für ein müllfreies Schulgelände. Sie sammelten Abfall und zeigten in den Pausen Mitschülerinnen, wie sie helfen können. Die Mädchen sind stolz auf ihre sauberere Schule – und sagen, dass sie mehr tun wollen.

Die Non-Profit-Organisation Jordanian Hashemite Fund for Human Development (JOHUD) ist auf das Engagement und die Begeisterung der Mädchen aufmerksam geworden. JOHUD ist Jordaniens größte und älteste unabhängige Organisation. Ihr Netzwerk umfasst 50 Gemeinde-Entwick­lungszentren im ganzen Land. JOHUD versucht, Menschen in schlecht versorgten, armen und abgelegenen Gemeinden zu erreichen. Sie strebt nachhaltige Entwicklung mit den Menschenrechten als Grundlage an. Derzeit erwägt JOHUD, zur Förderung des ökologischen Bewusstseins verstärkt Umwelt-AGs an Schulen zu unterstützen.

Junge Menschen ansprechen

Wer in Kontakt mit jungen Leuten kommen will, muss sie aufsuchen, wo sie sind. Junge Frauen und junge Männer leben in der arabischen Gesellschaft in unterschiedlichen Sphären. In Jordanien gelten überwiegend traditionelle Geschlechterrollen. Die Teilnahme von Frauen an öffentlichem Leben und öffentlicher Debatte hat sich noch nicht überall durchgesetzt. Besonders im ländlichen Raum sind die Konventionen für junge, unverheiratete Mädchen teils noch recht streng.

Laut einer Erhebung von UNICEF im Jahr 2002 nutzen 60 Prozent der Jungen Angebote für Jugendliche, jedoch nur 10 Prozent der Mädchen. Da aber fast 90 Prozent beider Geschlechter zur Schule gehen, ist es für JOHUD sinnvoll, dort Kontakt mit Mädchen aufzunehmen.

Wir haben für JOHUD die Umwelt-AG nicht nur evaluiert, sondern gleich auch über Wasserthemen referiert. Es wurden allgemeine Grundlagen vermittelt und die Situation Jordaniens diskutiert. Neben theoretischem Wissen wurden auch praktische Fähigkeiten vermittelt. So errechneten die Mädchen etwa nach einem Vortrag das Wassersammelpotenzial auf dem Schulgelände. Dazu mussten sie Dächer ausmessen und Niederschlagskarten interpretieren. Zudem organisierten wir Besuche bei Umweltorganisationen und Wissenschaftlern.

Das Wissen der Mädchen und ihre Beurteilung des Unterrichts wurden mit einem Fragebogen erfasst. Es zeigte sich, dass sie das Programm schätzten und ihr Verständnis von Wasserangelegenheiten vertieft hatten. Sie gaben zudem an, dass sie diese Themen mit ihren Freunden und Familien diskutiert und damit ihr Wissen weitergegeben hatten.

Die Zusammenarbeit mit Schul-AGs kann also dazu beitragen, das allgemeine Umweltbewusstsein zu verbessern. Langfristig kann eine solche AG den Anstoß dafür geben, dass sich das Verhalten in einer Gemeinde ändert. Der saubere Schulhof in Ajloun ist ein vielversprechender Anfang. Um das Umweltbewusstsein in der ganzen Gesellschaft zu verbessern, wäre es sinnvoll, im ganzen Land solche Umwelt-AGs anzubieten. Junge Leute sind begierig, Gelerntes zu diskutieren, und ihr Austausch mit Freunden und Verwandten wirkt vermutlich stärker als jede Medienkampagne.

Wenn JOHUD ein nachhaltiges Konzept für Umwelt-Schul-AGs entwickeln will, muss Geld für Lehrmaterial und Exkursionen bereitgestellt werden. Die Regierung wiederum sollte Lehrer einschlägig fortbilden und aktiv zum Engagement ermutigen. Internationale Entwicklungsorganisationen könnten sicherlich helfen, bestehende Lücken zu füllen.