D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Abfallwirtschaft

Von Müll überschwemmt

von Aviva Freudmann

In Kürze

Plastikmüll an einem  Flussufer in Dhaka, Bangladesch.

Plastikmüll an einem Flussufer in Dhaka, Bangladesch.

Die Welt ertrinkt im Müll. Laut der aktuellen Weltbank-Studie „What a Waste 2.0“ wird die Weltbevölkerung bis 2050 nach aktuellen Trends 3,4 Milliarden Tonnen kommunale Abfälle pro Jahr erzeugen, gegenüber 2,01 Milliarden Tonnen 2016.

Die Müllflut nimmt rapide zu. Vor sechs Jahren schätzte die erste Ausgabe von „What a Waste“ die weltweite Abfallproduktion auf 1,3 Milliarden Tonnen. Gründe für den Aufwärtstrend sehen die Autoren Silpa Kaza, Lisa Yao, Perinaz Bhada-Tata und Frank van Woerden im Wachstum von Städten, Einkommen und der Weltbevölkerung.

Feststoffabfall hat verschiedene Quellen. Lebensmittel und andere biologisch abbaubare Abfälle machen 44 Prozent der Gesamtmenge aus. Dicht dahinter liegen trockene Wertstoffe wie Kunststoff, Papier, Karton, Metall und Glas mit zusammen 38 Prozent. Der Rest umfasst Materialien wie Holz, Gummi und Leder.

Kunststoffabfälle sind eine besondere Herausforderung – und viel zu viel landet in den Ozeanen. „2016 erzeugte die Welt 242 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle – zwölf Prozent aller kommunalen Feststoff­abfälle“, heißt es im Bericht. „Im Gegensatz zu organischen Abfällen braucht Kunststoff in der Natur Hunderte bis Tausende von Jahren, um sich zu zersetzen.“ Diese Abfälle führen zu erheblichen Gesundheits- und Umweltschäden: „Kunststoffabfälle verstopfen Abflüsse und verursachen damit Überschwemmungen, ihre Verbrennung löst Atemwegsprobleme aus, ihr Konsum verkürzt die Lebenserwartung von Tieren, und wenn sie in Kanäle und Ozeane gelangen, verunreinigen sie Gewässer.“

Unter der Müllproblematik leiden vor allem einkommensschwache Länder, in denen Abfall kaum gesammelt und bewirtschaftet wird. Nur etwa 39 Prozent davon werden gesammelt, im Vergleich zu fast 100 Prozent in einkommensstarken Ländern. „Wilde Müllhalden sind in einkommensschwachen Ländern weit verbreitet, wo es noch keine Deponien gibt“, betonen die Autoren. „Etwa 93 Prozent des [nicht eingesammelten] Abfalls wird verbrannt oder auf Straßen, Freiland oder Wasserwegen entsorgt.“ Laut Schätzungen der Weltbank werden diese Länder im Jahr 2050 dreimal mehr Müll erzeugen als heute.

Der Bau und die Nutzung von Deponien ist meist der erste Schritt zu einer nachhaltigen Lösung. In einkommensschwachen Ländern werden jedoch nur drei Prozent der Abfälle deponiert, in einkommensstarken Ländern sind es 39 Prozent. Recycling erfordert Infrastrukturinvestitionen. In Niedrig­einkommensländern macht es nur 3,7 Prozent der Müllentsorgung aus, verglichen mit 29 Prozent in einkommensstarken Ländern.

Diese Vergleiche zeigen mögliche Lösungen auf. Investitionen in die Infrastruktur für Sammlung, Recycling und Entsorgung seien wirtschaftlich sinnvoll, meinen die Autoren. Die Vorteile überwögen die  Kosten „einfacher, angemessener Abfallmanagementsysteme“ mehrfach. Darüber hinaus fordert die Studie eine Politik, die umfassende Abfallsammlung, mehr Recycling und sichere Entsorgungssysteme fördert. Die EU etwa will bis 2030 alle Kunststoffverpackungen recycelbar machen. Sie hat zehn Schlüsselindikatoren zur Fortschrittsüberwachung auf dem Weg zu einer recyclingorientierten „Kreislaufwirtschaft“ formuliert.

In Südkorea erfasst ein digitales Abfallinformationssystem Statistiken von der Entstehung bis zum Transport. Ein zweites System soll Abfall an der Quelle reduzieren. Entsorgungsbehälter für Lebensmittelabfälle werden mit Hilfe einer Karte mit personalisiertem RFID-Chip (Radio Frequency Identification) geöffnet. Behörden rechnen Haushalte damit nach der Menge ihrer deponierten Abfälle ab.

Andere politische Maßnahmen sind sozial orientiert, etwa bessere Bedingungen für sogenannte „Abfallsammler“ zu schaffen. Diese sortieren Müll und erleichtern damit elementares Recycling in Niedrigeinkommensländern. Ein Beispiel ist die Genossenschaft Recuperar in Medellín, Kolumbien. Ihre Müllsammler verdienen das Eineinhalbfache des Mindestlohns, sind kranken- und unfallversichert und haben Anspruch auf Kredite.

Ein gutes Müllmanagement erfordert eine umfassende Sicht auf die Lebenszyklen von Produkten und deren Komponenten. Produkte und Verpackungen sollten so konzipiert sein, dass sie Umweltschäden vermeiden. Politische Maßnahmen sollten der „Wegwerfmentalität“ entgegenwirken und das Bewusstsein für die ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen  unsachgemäßer Abfallwirtschaft fördern. Das würde helfen, die Müllflut einzudämmen, die den Planeten zu ersticken droht.


Aviva Freudmann ist freie Autorin mit Sitz in Frankfurt.
[email protected]


Link
Weltbank, 2018: What a Waste 2.0. A Global Snapshot of Solid Waste Management to 2050.
https://openknowledge.worldbank.org/handle/10986/30317

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren