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Entwicklungsforschung

Ungenutzte Chancen

von Linda Kleemann, Maximilian Neumann

In Kürze

Relevanz für die tägliche Arbeit („gar nicht wichtig“ bis „sehr wichtig“), Einschätzung der künftigen Bedeutung („wird aller Wahrscheinlichkeit nach abnehmen“ bis „wird aller Wahrscheinlichkeit nach zunehmen“) und Qualität der derzeitigen Kooperation („sehr schlecht“ bis „sehr gut“).

Relevanz für die tägliche Arbeit („gar nicht wichtig“ bis „sehr wichtig“), Einschätzung der künftigen Bedeutung („wird aller Wahrscheinlichkeit nach abnehmen“ bis „wird aller Wahrscheinlichkeit nach zunehmen“) und Qualität der derzeitigen Kooperation („sehr schlecht“ bis „sehr gut“).

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis führt zu besseren politischen Strategien und wirksameren Maßnahmen. Eine aktuelle Umfrage, die PEGNet (das internationale Poverty Reduction, Equity and Growth Network) durchgeführt hat, zeigt, dass Forscher an mehr Kooperation interessiert sind und sich davon Vorteile für ihre Arbeit und die ihrer Partner in den Entwicklungs­organisationen versprechen.

Die Befragten waren schwerpunktmäßig deutsche Forscher. Auf einer Skala von 1 („gar nicht an Kooperation interessiert") bis 10 („sehr interessiert") betrug der Mittelwert für 145 antwortende Forscher 8,4. Dabei wählten sogar 44 Prozent den Höchstwert 10. Mehr Zusammenarbeit, so hieß es, werde sich dabei vor allem für Evaluierung sowie die Konzipierung von politischen Programmen und Projekten als wertvoll erweisen. Zugleich zeigten sich die Forscher auf einer ähnlichen Skala (1 für „sehr schlecht" und 10 für „sehr gut"), was die Qualität der derzeitigen Kooperationspraxis angeht, mit einem Mittelwert von 4,8 als unentschieden. Die Relevanz der gemeinsamen Arbeit bewerteten sie dagegen höher – im Schnitt mit 6,5.

Aus Sicht der Befragten sind die Haupthindernisse für engere Kooperation:

  • unterschiedliche Interessen,
  • unterschiedliche Zeithorizonte und
  • ungenügende Kommunikation.

Wissenschaftler müssen ihre Ergebnisse in angesehenen Zeitschriften veröffentlichen, um ihre akademischen Kollegen zu erreichen. Eine Konsequenz ist, dass Leute, die nicht zur Scientific Community zählen, sich oft damit schwertun, die Fachsprache zu verstehen. Die Praktiker suchen aber schnelle und einfache Lösungen. Solide Forschung erfordert zudem meist mehr Zeit, als Entwicklungsorganisationen investieren wollen. Der Mangel an Gelegenheiten für Austausch und Networking verschärft die Probleme.

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, wovon aus Sicht der Wissenschaftler gute Kooperation abhängt. Es geht um:

  • wechselseitigen Respekt und Vertrauen,
  • eine gemeinsame Sprache und
  • ausgiebige Kommunikation.

In den Augen der Forscher gehört zu Vertrauen und Respekt auch die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit und ihrer akademischen Standards. Beides fordern sie auch in gemeinsamen Vorhaben von Praktikern ein. Sie erwarten von ihren Praxispartnern, dass sie sich Mühe geben, ihre Ergebnisse zu verstehen. Zugleich räumen sie aber ein, dass sie selbst den Ehrgeiz entwickeln sollten, Erkenntnisse praxisrelevant zu formulieren. Sie geben auch an, dass sie gut daran täten, klarere Botschaften auszusenden.

Grundsätzlich meinen die Forscher, es wäre gut, sich öfter und systematischer mit Praktikern zu treffen – und zwar nicht nur im Kontext gemeinsamer Projekte. Persönlicher Kontakt diene dem Erfahrungsaustausch, der Entwicklung neuer Ideen und der Verständigung auf gemeinsame Standards. Mit Blick auf gemeinsame Vorhaben sagen die Forscher, es sei wichtig, sämtliche interessierte Parteien in allen Stadien zu involvieren. Sie fänden es auch gut, wenn es mehr Rückmeldung auf ihre Arbeit aus der Praxis gebe. Im vergangenen Jahr hatte PEGNet eine ähnliche Umfrage unter deutschen Entwicklungspraktikern durchgeführt (siehe Linda Kleemann und Marcus Böhme in E+Z/D+C 2013/09, S. 318). Der Vergleich der Ergebnisse ist aufschlussreich. Unter anderem schätzen beide Seiten die Relevanz der Kooperation ungefähr gleich hoch ein und erwarten, dass sie künftig noch zunimmt. Allerdings bewerten sie die Qualität der derzeitigen Kooperation unterschiedlich. Die Wissenschaftler sind weniger zufrieden als die Praktiker.

Auch die Hindernisse schätzen beide Seiten ähnlich ein: divergierende Interessen, Zeithorizonte und Mangel an Kommunikation. Die Praktiker sagen, ihnen fehlten akademisches Wissen und die Zeit, alle relevanten Studien zu rezipieren. Neue Erkenntnisse können also die Praxis kaum befruchten. In jedem Fall sind beide Seiten aber an mehr Kontakt interessiert.

Sinnvoll wäre es deshalb, für mehr Konferenzen, Workshops und andere Austauschmöglichkeiten zu sorgen. Beide Seiten könnten auch spezialisierte „Knowledge Broker" einstellen. Alternativ könnten Experten auch öfter von einer Seite auf die andere wechseln.

Linda Kleemann und Maximilian Neumann