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Abfallwirtschaft

Neue Plastikwirtschaft

von Hans Dembowski

In Kürze

Plastikmüll verdreckt die Ozeane. Wenn aktuelle Trends anhalten, wird 2050 das Gesamtgewicht des Kunststoffs in den Meeren dem der Fische entsprechen, und bereits 2025 wird auf drei Tonnen Fisch eine Tonne Plastik kommen.

Diese Zahlen stammen aus einer Studie des Weltwirtschaftsforums (2016). Sie nennt auch andere Umweltschäden, etwa den Ausstoß von Klimagasen bei der Erzeugung und Verbrennung von Kunststoff, was die Autoren mit bis zu 23 Milliarden Dollar im Jahr beziffern. Ein weiteres ernstes Problem seien giftige Kleinstpartikel in der Nahrungskette.

Plastik ist praktisch, schreiben die Autoren. Allerdings werde die Weltproduktion sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln – nachdem sie in den vergangenen 60 Jahren von praktisch null auf über 310 Millionen Tonnen anstieg.

Der Titel der Studie ist: „The New Plastics Economy“. Sie besagt, dass 95 Prozent aller  Plastikverpackungen nur einmal verwendet werden und danach entweder auf Deponien und in Verbrennungsanlagen kommen oder die Umwelt verdrecken. Material im Wert von bis zu 120 Milliarden Dollar werde so vergeudet. Europa und Nordamerika sammelten Abfall besser ein als Asien, das mittlerweile grob ebenso viel Plastik verbrauche. Allerdings erfordere Nachhaltigkeit viel mehr als gute Sammelsysteme.

Die Studie befürwortet radikalen Wandel mit drei Zielen:

  • Intensivere Weiternutzung nach Erstgebrauch,
  • bessere Sammelsysteme und
  • Abkopplung der Plastikherstellung von fossilen Rohstoffen.

Um das zu schaffen, müssen Plastikprodukte einheitlicher werden. Ihre Vielfalt erschwert die Weiterverwendung in der chemischen Industrie, weshalb Plastikmüll auch Öl als Rohstoff bislang nicht ersetzen kann. Würden die typischen Kunststoffsorten nach einheitlichen Standards mit einheitlicher Qualität erzeugt, wäre das anders.

Deshalb fordert die Studie ein globales Plastikprotokoll, das Standards definieren würde. Dadurch würde die Kooperation in der Industrie erleichtert, Anreize zur Abfallsammlung geschaffen und Öl verzichtbar gemacht. Die Autoren fordern, Engagement von Politikern, Öffentlichkeitskampagnen und mehr, ehrgeizigere und besser koordinierte Forschung. Sie sehen Privatwirtschaft, Staat, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und internationale Organisationen in der Pflicht.

Die Argumentation leuchtet ein. Ein Schwachpunkt ist aber, dass die Studie für die Durchsetzung des Wandels ein „independent coordinating vehicle“ fordert, aber weder ausführt, wer solch ein Instrument einrichten soll, noch, wie es verfasst sein könnte.

Hans Dembowski


Link
Weltwirtschaftsforum: The new plastics economy.
http://www3.weforum.org/docs/WEF_The_New_Plastics_Economy.pdf

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