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Klimakrise

Voneinander lernen in der Klimakrise

von Wanjohi Kabukuru

In Kürze

Report von IIED und ICCCAD, 2021.

Report von IIED und ICCCAD, 2021.

Die Erderhitzung verursacht schon jetzt verheerende Schäden und enormes menschliches Leid. Zwei Thinktanks, IIED aus London und ICCCAD aus Dhaka, haben gemeinsam einen Report veröffentlicht, der zeigt, wo die Herausforderungen liegen – und wie mit ihnen umzugehen ist.

Während die Klimakrise immer schlimmere Naturkatastrophen verursacht, schwindet die Aufmerksamkeit der Medien weltweit. Sie nahmen kaum zur Kenntnis, dass seit Monaten Millionen Menschen in Ostafrika wegen schwerer Dürre auf Hilfe angewiesen sind, und berichteten so gut wie gar nicht über den Taifun Rai, der vor Weihnachten die Philippinen traf.

Im vergangenen Jahrzehnt trugen Entwicklungsländer und kleine Inselentwicklungsländer (Small island developing states – SIDS) die Hauptlast von klimabezogenen Gefahren wie Zyklone, Starkregen, Hitzewellen und Dürren. Der Zyklon Harold etwa verursachte 2020 einen Schaden von etwa 440 Millionen Dollar in Vanuatu, einem kleinen Inselstaat im Pazifik. Das ist knapp die Hälfte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts des Landes. Solche Ereignisse sind ganz klar zu viel für ein einzelnes Land. 

Das International Institute for Environment and Development (IIED) und das International Centre for Climate Change and Development (ICCCAD) haben sich nun zusammengetan und einen „Werkzeugkasten“ in Form eines Reports zusammengestellt für Länder, die durch die Klimaerwärmung besonderen Risiken ausgesetzt sind. Ritu Bharadwaj und Clare Shakya haben ihn herausgegeben, veröffentlicht wurde er kurz vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow 2021. Die Autorinnen und Autoren der Fallstudien stammen aus Entwicklungsländern, die kaum zur Klimaerwärmung beigetragen haben, aber stark von ihr betroffen sind. 

Die Einleitung beschäftigt sich mit der internationalen Debatte zu Klimaschäden. Entwicklungsländer fordern seit langem einen Mechanismus, der hilft, das durch Extremwetter verursachte Leid zu kompensieren. Vom UN-Klimagipfel in Glasgow erwarteten sie konkrete Ergebnisse (siehe ICCCAD-Direktor Saleemul Huq auf www.dandc.eu). Allerdings einigten sich die wohlhabenden Nationen nur darauf, das Thema weiter zu diskutieren – obwohl sie maßgeblich für den Ausstoß von Klimagasen verantwortlich sind.

Der Report von IIED und ICCCAD zeigt, dass Klimaschäden sich negativ auf die Anpassungsfähigkeit vieler Länder auswirken. Viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle: In welchem Maße Länder Klimarisiken ausgesetzt sind, ist von großer Bedeutung. Wie die Menschen vor Ort damit umgehen, hängt aber auch von der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Armutsniveau, den Fähigkeiten der Regierung, der Qualität der Infrastruktur, der Verfügbarkeit wichtiger Dienstleistungen, der Gesundheit der Bevölkerung und der Ökosysteme sowie vielen anderen Aspekten ab.

Die Publikation richtet sich an wichtige Akteure in Risikoländern, aber auch an den politischen Diskurs allgemein. Sie will:

  • Auswirkungen der Klimakrise aufzeigen,
  • erklären, was sie für einzelne Personen, Gemeinschaften und Ökosysteme bedeuten,
  • Zusammenhänge mit anderen Problemen wie Armut und Konflikten beleuchten,
  • Bewältigungs-  und Anpassungsstrategien bewerten,
  • Wissenslücken aufzeigen und
  • benennen, welche Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen Priorität haben.

 
Die Fallbeispiele berichten von jeweils sehr spezifischen Umständen: Eines zeigt, welche Auswirkungen der steigende Wasserspiegel von Seen auf private Haushalte in einem Dorf in Tansania hat; ein anderes, wie die Klimakrise im Tschadbecken Konflikte und Umsiedlungen befeuert (siehe Mabingué Ngom auf www.dandc.eu). Weitere Beispiele behandeln:

  • die Auswirkungen von Hitze und Dürre auf einen Bezirk im Norden Indiens,
  • die Zerstörung von Infrastruktur in zwei Dörfern in Bhutan und
  • wie eine der Inseln Vanuatus den Zyklon Harold überstanden hat.

Wo internationale Unterstützung ausbleibt, entwickeln viele Regierungen eigene Strategien, wie die Autoren berichten. Dabei spielten traditionelle Überlebensstrategien eine große Rolle. Die Publikation will auch zeigen, wie effektiv solche Herangehensweisen sind. Das könnte die Grundlage dafür sein, sie zu skalieren.

Die Autoren beleuchten verschiedene Herangehensweisen: Frühwarnsysteme könnten etwa dazu beitragen, Schaden zu begrenzen. Zugleich warnen sie davor, dass viele Verluste unwiederbringlich seien und es vielerorts transformative Maßnahmen brauchen werde.

Es ist kein Zufall, dass der Bericht von IIED und ICCCAD sich größtenteils um Mitgliedsländer des Climate Vulnerable Forum (CVF) dreht, einem Zusammenschluss von 48 Entwicklungsländern. Zusammen vertreten sie beachtliche 1,2 Milliarden Menschen.


Link
Bharadwaj, R., and Shakya, C., 2021: Loss and damage case studies from the frontline: a resource to support practice and policy.
https://pubs.iied.org/20551iied


Wanjohi Kabukuru ist ein kenianischer Journalist mit Schwerpunkt auf Umweltthemen.
wkabukuru@gmail.com
Twitter: @WanjohiK