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Klimakrise

Voneinander lernen in der Klimakrise

von Wanjohi Kabukuru

In Kürze

Die Erderhitzung verursacht schon jetzt verheerende Schäden und enormes menschliches Leid. Zwei Thinktanks, IIED aus London und ICCCAD aus Dhaka, haben gemeinsam einen Report veröffentlicht, der zeigt, wie mit den Herausforderungen umzugehen ist.

Während die Klimakrise Naturkatastrophen schlimmer macht, schwindet die Aufmerksamkeit der Medien weltweit. Sie berichten kaum darüber, dass seit Monaten Millionen Menschen in Ostafrika wegen schwerer Dürre auf Hilfe angewiesen sind oder dass der Taifun Rai vor Weihnachten die Philippinen massiv traf.

Im vergangenen Jahrzehnt trugen Entwicklungsländer und kleine Inselentwicklungsländer (Small island developing states – SIDS) die Hauptlast von Klima-Gefahren wie Zyklonen, Starkregen, Hitzewellen und Dürren. Der Zyklon Harold etwa verursachte 2020 einen Schaden von etwa 440 Millionen Dollar in Vanuatu, einem kleinen Inselstaat im Pazifik. Das ist knapp die Hälfte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts des Landes. Solche Ereignisse sind einfach zu viel für ein einzelnes Land.

Das International Institute for Environment and Development (IIED) und das International Centre for Climate Change and Development (ICCCAD) haben sich nun zusammengetan und einen „Werkzeugkasten“ in Form eines Reports zusammengestellt für Länder, die besonderen Klimarisiken ausgesetzt sind. Ritu Bharadwaj und Clare Shakya haben ihn herausgegeben, veröffentlicht wurde er kurz vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow 2021. Er beinhaltet Fallstudien aus Entwicklungsländern, die kaum zur Klimaerwärmung beigetragen haben, aber stark von ihr betroffen sind.

Die Einleitung beschäftigt sich mit der internationalen Debatte zu Klimaschäden. Seit langem fordern Entwicklungsländer einen Mechanismus, der hilft, das durch Extremwetter verursachte Leid zu kompensieren. Vom UN-Klimagipfel in Glasgow erwarteten sie konkrete Ergebnisse (siehe hierzu auch ICCCAD-Direktor Saleemul Huq auf unserer E+Z/D+C-Plattform). Allerdings einigten sich die wohlhabenden Nationen nur darauf, das Thema weiter zu diskutieren – obwohl sie maßgeblich für den Ausstoß von Klimagasen verantwortlich sind.

Der Report von IIED und ICCCAD zeigt, dass Klimaschäden sich negativ auf die Anpassungsfähigkeit vieler Länder auswirken. Viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle: Wichtig ist, in welchem Maße Länder Klimarisiken ausgesetzt sind. Wie die Menschen vor Ort damit umgehen, liegt aber auch an der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Armutsniveau, den Fähigkeiten der Regierung, der Qualität der Infrastruktur, der Verfügbarkeit wichtiger Dienstleistungen, der Gesundheit der Bevölkerung und der Ökosysteme sowie vielen anderen Aspekten.

Der Bericht richtet sich an wichtige Akteure in Risikoländern, aber auch an den politischen Diskurs allgemein. Er will:

  • Auswirkungen der Klimakrise aufzeigen,
  • erklären, was sie für einzelne Personen, Gemeinschaften und Ökosysteme bedeuten,
  • Zusammenhänge mit anderen Problemen wie Armut und Konflikten beleuchten,
  • Bewältigungs- und Anpassungsstrategien bewerten,
  • Wissenslücken aufzeigen und
  • benennen, welche Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen Priorität haben.

Die Fallbeispiele berichten von je sehr spezifischen Umständen: Eines zeigt, welche Auswirkungen der steigende Wasserspiegel von Seen auf private Haushalte in einem Dorf in Tansania hat; ein anderes, wie die Klimakrise im Tschadbecken Konflikte und Umsiedlungen befeuert (siehe hierzu Mabingué Ngom auf der E+Z/D+C-Plattform). Weitere Beispiele behandeln:

  • die Auswirkungen von Hitze und Dürre auf einen Bezirk im Norden Indiens,
  • die Zerstörung von Infrastruktur in zwei Dörfern in Bhutan und
  • wie eine der Inseln Vanuatus den Zyklon Harold überstanden hat.

Wo internationale Unterstützung ausbleibt, entwickeln viele Regierungen eigene Strategien, wie die Autoren berichten. Dabei spielten auch traditionelle Überlebensstrategien eine große Rolle. Die Publikation will unter anderem zeigen, wie effektiv solche Herangehensweisen sind. Das könnte die Grundlage dafür sein, sie zu skalieren.

Konkret könnten etwa Frühwarnsysteme dazu beitragen, Schaden zu begrenzen, argumentieren die Autoren. Zugleich warnen sie davor, dass viele Verluste unwiederbringlich seien und es vielerorts transformative Maßnahmen brauchen werde.

Es ist kein Zufall, dass der Bericht von IIED und ICCCAD sich größtenteils um Mitgliedsländer des Climate Vulnerable Forum (CVF) dreht, eines Zusammenschlusses von 48 Entwicklungsländern. Zusammen vertreten sie beachtliche 1,2 Milliarden Menschen.


Link
Bharadwaj, R., and Shakya, C., 2021: Loss and damage case studies from the frontline: a resource to support practice and policy.
https://pubs.iied.org/20551iied


Wanjohi Kabukuru ist ein kenianischer Journalist mit Schwerpunkt auf Umweltthemen.
[email protected]
@WanjohiK

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