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Global Governance

Für Trendwende sorgen

von Hans Dembowski

Meinung

Hurricane Harvey nähert sich der texanischen Küste am 25. August.

Hurricane Harvey nähert sich der texanischen Küste am 25. August.

Vor 30 Jahren veröffentlichten die UN den Bericht der Brundtland-Kommission mit dem Titel "Our Common Future”. Das Gremium hatte unter der Leitung der norwegischen Premierministerin Gro Harlem Brundtland die Konsequenzen globaler Umweltveränderungen untersucht. Dessen Bericht führte den Begriff nachhaltige Entwicklung ein. Demnach muss Entwicklung die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigen, ohne die Chancen künftiger Generationen zu beeinträchtigen. Das war ein echter Paradigmenwechsel.

Zunächst ging es schnell voran. Fünf Jahre nach dem Erscheinen des Berichts beschloss der Erdgipfel der UN in Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention über den Klimawandel (UN Framework Convention on Climate Change – UNFCCC) und andere Umweltabkommen. Nach weiteren fünf Jahren versprachen dann die Industrienationen im Kyoto-Protokoll, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken.

Der Schwung hielt nicht an. Die USA ratifizierten das Protokoll nicht, diverse Länder erfüllten ihre Selbstverpflichtungen nicht, und Kanada stieg ganz aus dem Protokoll aus. Derweil wurde Klimawandel zunehmend geleugnet. Wie der französische Intellektuelle Bruno Latour erläutert, ist die Klimaforschung nicht politisch neutral. Ihre Ergebnisse haben ethische Konsequenzen. Die Fakten sind klar: Wenn das Klima nicht geschützt wird, gibt es enorme Schäden.

Klimaschutz bedeutet aber Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Mächtige Interessengruppen – nicht nur, aber besonders in den USA – mögen diese Botschaft nicht. Sie gingen dazu über, die Wissenschaft zu diskreditieren. Lange bevor Donald Trump Einfluss gewann, arbeiteten Republikaner in den USA bereits mit Fake News. Zugleich behaupteten sie, Klimaschutz sei unbezahlbar. Politische Kräfte, die normalerweise von freien Märkten jedes Wunder erwarten, urteilten, Klimaschutz lähme Volkswirtschaften.

Aus Sicht von Achim Steiner, dem Administrator des UN-Entwicklungsprogramms, hat die Weltgemeinschaft wertvolle Zeit verloren, weil solche ökonomischen Modelle fälschlicherweise fast in den Rang naturwissenschaftlicher Gesetze gehoben wurden. Dafür zahlen wir nun einen hohen Preis. Zu Beginn der Klimapolitik war das Ziel, den Treibhauseffekt zu stoppen. Weil das nicht gelang, müssen wir jetzt nicht nur in Klimaschutz investieren, sondern auch unsere Länder an den unwiderruflich gewordenen Wandel anpassen.

Trotz aller Gegenpropaganda hat sich der Konsens der Klimaforscher weiter erhärtet. Heute geben auch Leugner zu, dass es auf Erden wärmer wird, aber nun säen sie Zweifel über die Ursache. Auch das ist nichts anderes als skrupellose Interessenpolitik zulasten der Allgemeinheit. Denn es steht fest, dass Nichthandeln teuer wird.

Was für Wetterschäden zunehmend wahrscheinlich werden, zeigten beispielsweise allein im August Hurrikan Harvey in Huston, Taifun Hato in Macao, der ungewöhnlich starke Monsun in Mumbai und Erdrutsche in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Ein noch schlimmeres Omen ist der Hunger, der wegen Dürre Teile Afrikas plagt. All das ist jedoch harmlos, verglichen mit dem, was droht, wenn der Klimawandel globale Kipppunkte erreicht und beispielsweise das Grönlandeis abschmelzen lässt.

Steiner gibt sich zuversichtlich, dass das Pariser Klimaabkommen und die Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SGDs) dem nötigen Paradigmenwechsel neuen Schwung gegeben haben. Die Programmatik stimmt jedenfalls. Die aktuelle US-Regierung hat versucht, sie zu unterminieren, hat das aber nicht geschafft. Dass der Paradigmenwechsel gelingt, ist nicht sicher – also müssen wir dafür sorgen.

 

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