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Sommer-Special

Fuß fassen in neuer Umgebung

von Lebogang Mokoena, Linda Engel

In Kürze

Lebogang Mokoena

Lebogang Mokoena

Lebogang Mokoena ist eine 25-jährige Journalistin aus Soweto, Südafrika. Seit September 2016 arbeitet sie ein Jahr als weltwärts-Freiwillige in Berlin im Kindergarten der Freien Waldorfschule Havelhöhe.

Was für eine Freiwilligenarbeit machen Sie in Deutschland?
Ich arbeite in einem Kindergarten, der auf der Waldorfpädagogik basiert. Diese wurde um 1920 von Rudolf Steiner entwickelt und fördert das soziale und kreative Lernen von Kindern. Ungefähr 70 Kinder zwischen eineinhalb und sechs Jahren besuchen die Einrichtung. Ich bin in einer von vier Gruppen tätig. Ich spiele mit den Kindern, räume auf, nehme an unterschiedlichen Aktivitäten teil und unterstütze die alltägliche Arbeit.

Kannten Sie das Waldorfkonzept, bevor Sie nach Deutschland gekommen sind, und was halten Sie davon?
Nein, das habe ich erst in Deutschland kennengelernt. Das Konzept gefällt mir sehr gut, aber ich glaube, dass es mehr als einen Weg gibt, um Kinder zu erziehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Wir begrüßen die Kinder um 8 Uhr. Ich unterstütze sie dann in ihren unterschiedlichen Aktivitäten, wie Malen, Schneidern oder Bauen von unterschiedlichen Dingen. Anschließend gibt es Frühstück, hauptsächlich mit biologischen und vegetarischen Lebensmitteln. Dies ist in einem Kindergarten wirklich neu für mich. Nach dem Essen spielen die Kinder ungefähr eine Stunde draußen – egal bei welchem Wetter, es kann regnen oder schneien. Es ist ein wichtiger Teil des Waldorfkonzepts, viel draußen in der Natur zu sein. Anschließend gibt es Mittagessen und einen Mittagsschlaf. Viele Kinder werden bereits früh gegen halb drei abgeholt, aber wir haben auch ein Nachmittagsprogramm für Kinder, die bis 16 Uhr bleiben.

Was glauben Sie, können südafrikanische Kindergärten von deutschen lernen und umgekehrt?
Südafrikanische Kindergärten könnten mehr kostengünstige Methoden ein­setzen. Draußen unterrichten oder die Ver­wendung natürlicher Materialien, wie Holz, Gras oder Blumen sind hierfür Beispiele. Vielleicht könnten deutsche Kindergärten lernen, wie man Kinder unterschiedlicher Herkunft integrieren und was man hierfür für pädagogische Methoden anwenden kann. Ich denke, ein kosmo­politisches Land wie Deutschland muss genau wie Südafrika anfangen, Integration zu denken.

Wie haben Sie von dem Freiwilligenprogramm gehört?
In Südafrika habe ich einen Bachelor in Kommunikationswissenschaften gemacht und gleichzeitig ehrenamtlich mit Kindern gearbeitet. Vier Jahre habe ich mich im Kliptown Youth Programme (KYP) und anderen Organisationen engagiert. Zunächst war ich in einem Nachmittagsprogramm nach der Schule tätig und habe Kindern mit ihren Hausaufgaben und ihren schulischen Problemen geholfen. Ich habe auch Englisch unterrichtet und beispielsweise ein Leseprojekt initiiert. Dabei bin ich vielen deutschen Freiwilligen begegnet und habe über die Möglichkeit erfahren, in Deutschland als Freiwillige zu arbeiten. Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich zunächst 18 Monate Deutsch gelernt.

Was konnten Sie bisher weitergeben?
Die Kinder interessieren sich sehr für die englische Sprache, aber ich glaube auch, dass ich einen positiven Einfluss habe, indem ich mich einfach mit den Kindern beschäftige – auch wenn das etwas ist, was nicht direkt greifbar ist.

Was haben Sie in Ihrem Freiwilligenjahr erfahren?
Ich habe das Waldorfkonzept kennengelernt, was ich vorher nicht kannte, und natürlich die Sprache. Ohne die Sprache fühlt man sich zunächst isoliert. Man muss in einer neuen Umgebung Fuß fassen. Aber ich lerne auch viel über Europa, nicht nur über Deutschland, die Menschen und ihre Kultur. Ich habe mich auch mit Geschichte beschäftigt, der Beziehung von Afrika und anderen EU-Ländern und ihren Mentalitäten und Stereotypen gegenüber Afrikanern.

Was werden Sie mit nach Hause nehmen?
Die Sprache! Außerdem die unterschiedlichen Lehrmethoden und natürlich das Waldorfkonzept, das international ist. Es gibt auch Waldorfkindergärten in Südafrika, das wusste ich vorher nicht. Meine Karriere als Journalistin ist ebenfalls wichtig für mich. Daher blogge ich während meines Aufenthaltes in Deutschland unter https://myscriptedjourneymilesawayfromhome.wordpress.com. Ich habe außerdem eine globalere Perspektive auf die Dinge bekommen.


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