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Biovorreiter

Kostengünstige, moderne und ökologische Methode

von Sabine Balk

In Kürze

Biogemüse aus dem indischen Bundesstaat Karnataka.

Biogemüse aus dem indischen Bundesstaat Karnataka.

In Schwellen- und Entwicklungsländern existiert noch so gut wie kein ökologischer Landbau. Auch wenn die Kleinbauern in vielen Weltregionen mangels Alternativen ohne technische und chemische Hilfsmittel ihre Produkte anbauen, entsprechen sie nicht den Prinzipien und Regeln des Biolandbaus und sind nicht zertifiziert.

Anbau ohne Kenntnisse über Bodennutzung, Fruchtwechsel oder Mischkulturen führt zu geringen Erträgen, Ernteverlusten und Bodendegradierung. Deshalb ist es wichtig, ökologischen Landbau mit Methodik zu betreiben (siehe Haupttext).

Ein Vorreiter in Sachen Biolandbau ist Indien. Auf dem Subkontinent gibt es zahlreiche regionale Initiativen (siehe Interview mit Anitha Reddy im Schwerpunkt, E+Z/D+C e-Paper 2019/02). Laut Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) gibt es in Indien über eine Million Biolandwirte, mehr als in jedem anderen Land. Nur die wenigsten davon produzieren für den Verkauf und haben Zugang zu Absatzmärkten. Das ist eines der größten Hindernisse für Bauern in Indien, sagt T Vijay Kumar von der Non-Profit-Organisation Rythu Sadhikara Samstha (RySS) aus Andhra Pradesh beim III. World Organic Forum in Kirchberg an der Jagst. Kumar berät die Regierung des südostindischen Bundesstaats, die sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Landwirtschaft auf Ökoanbau umzustellen. Die von RySS entwickelte Methode nennt sich „Zero-Budget Natural Farming“ (ZBNF). Sie beruht laut Kumar auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, lässt aber zugleich indische Traditionen nicht außer Acht. Sie stellt laut Kumar eine kostengünstige, holistische Alternative zu konventioneller Landwirtschaft mit teurem Einsatz chemischer Dünger und Pestizide dar.

ZBNF stützt sich auf Methoden wie mikrobielle Saatgutbeschichtung durch Kuhurin, Inokulation – das ist eine Art Düngung – des Bodens mit Kuhdung sowie Mulchen des Bodens mit Pflanzen oder Pflanzenresten. Neben der Anbaumethode ist auch die Emanzipation der Landfrauen ein wichtiger Bestandteil des ZBNF. Die Initiatoren setzen auf Frauen als Wissensträger und Vermittler.

Das Programm erreicht laut Kumar in Andhra Pradesh mittlerweile 750 000 Bauern und soll stark wachsen. Die Regierung des Bundesstaates hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 alle 6 Millionen Bauern im Staat zu erreichen und bis 2026 die gesamte landwirtschaftliche Fläche auf Bioanbau umgestellt zu haben.

Von solch ehrgeizigen Zielen ist man in Afrika noch weit entfernt. Biolandwirtschaft ist auf dem Kontinent fast nicht existent.

Eine kleine Bewegung gibt es auf Sansibar, wo deutsche Biobauern den Anbau von biologischen Gewürzen initiiert haben. Das regte Bauern zum Nachahmen an, erklärte  Juma Ali Juma, Agrarminister der zu Tansania gehörenden Insel auf dem World Organic Forum. Er sieht im Ökolandbau eine große Chance für Sansibar und ganz Afrika. (sb)

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