Abfallmanagement

Kreislaufwirtschaft ist eine Chance für die Gesellschaft

Kreislaufwirtschaft ist eine Schlüsselstrategie, um globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und Lebensbedingungen von Menschen weltweit zu verbessern. Die damit verbundenen Potenziale werden jedoch noch nicht ausgeschöpft.
Eine informelle Müllsammlerin in Puerto Carreno, Kolumbien. Nicht nur in Lateinamerika sind es oft marginalisierte Gruppen wie Indigene, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen. picture-alliance/EPA/MAURICIO DUENAS CASTANEDA Eine informelle Müllsammlerin in Puerto Carreno, Kolumbien. Nicht nur in Lateinamerika sind es oft marginalisierte Gruppen wie Indigene, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen.

Eine erfolgreiche Wende hin zu einer Kreislaufwirtschaft erfordert verstärktes Engagement und Investitionen von Wirtschaft, Politik, Forschung und Zivilgesellschaft. Politik und Wirtschaft erkennen zwar zunehmend die ökonomischen Risiken der aktuellen linearen Wirtschaftsweise und arbeiten daran, Lieferketten und Geschäftsmodelle in Sektoren wie Industrie, Landwirtschaft, Bau und Energie auf eine Kreislaufwirtschaft auszurichten. Dennoch nehmen Abfallmengen und der Bedarf an natürlichen Ressourcen weltweit zu.

Laut der Weltbank fallen jährlich weltweit 2 Milliarden Tonnen sogenannter Siedlungsabfälle an, und diese Menge könnte bis 2050 um 70 Prozent auf 3,4 Milliarden Tonnen steigen. Müll großer Unternehmen wird bei Siedlungsabfällen nicht mitgerechnet. Das Welternährungsprogramm der UN schätzt, dass zusätzlich etwa 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Jahr verschwendet werden. Weniger als zehn Prozent der verbrauchten Rohstoffe werden dabei wiederverwertet, und so gehen enorme Mengen wertvoller Materialien verloren.

Die Verschmutzung durch diese Abfälle bedroht die Biodiversität, die menschliche Gesundheit und wichtige Wirtschaftssektoren. Unsachgemäße Abfallentsorgung verursacht hohe volkswirtschaftliche Kosten. Kommunen, die meistens für die Abfallentsorgung und -verwertung verantwortlich sind, sind mit dieser Aufgabe oft überfordert.

Das ist einer der Gründe, warum laut verschiedener Schätzungen weltweit mindestens 15 Millionen Menschen informell Wertstoffe sammeln. Diese Sammler*innen sind zu wenig in die formelle Abfallwirtschaft eingebunden. Sie haben kein sicheres Einkommen, keinen Arbeitsschutz und keine Krankenversicherung und werden häufig diskriminiert.

Wachsende Müllberge sind eines der vier Hauptprobleme, die laut den UN dem Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs – Sustainable Development Goals) im Weg stehen. Abfallwirtschaft verursacht derzeit mit etwa 1,6 Milliarden Tonnen klimaschädlicher Treibhausgase circa fünf Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, so eine Weltbank-Studie. Ohne Verbesserungsmaßnahmen könnten die damit verbundenen Emissionen bis 2050 auf 2,6 Gigatonnen anwachsen.

Als Bundesunternehmen für internationale Zusammenarbeit engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gemeinsam mit ihren Partnern in Ländern mit niedrigeren Einkommen für die Ausweitung von kreislaufwirtschaftlichen Ansätzen und fördert die Zusammenarbeit von Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Verbraucher*innen. Wichtiges Ziel ist, die Transformation des Abfallsektors von einer Entsorgungsdienstleistung hin zu einer nachhaltigen Ressourcenwirtschaft voranzutreiben.

Allerdings umfasst Kreislaufwirtschaft für die GIZ nicht nur Abfallmanagement, sondern auch die umweltschonende (Rück-)Gewinnung von Ressourcen, Produktdesign mit Fokus auf effizientem Einsatz von nichtfossilen oder recycelten Materialien, Reparaturfähigkeit, ressourceneffiziente Produktion, neue Geschäftsmodelle wie Leasing statt Produktkauf oder Sharing-Modelle sowie Mehrweg- und Nachfüllsysteme.

Einbindung des informellen Sektors

Die GIZ berät bei der Entwicklung von Vermeidungs- und Verwertungskonzepten sowie Abfallwirtschaftsstrategien. Sie organisiert Schulungen zu Logistik, Behandlung und Ablagerung und setzt sich für die Beteiligung des privaten und die Integration des informellen Sektors in der Abfallsammlung und -verwertung ein.

Ein weiteres Ziel besteht nämlich darin, durch eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft sowohl die Umwelt zu schützen als auch Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. So werden etwa Organisations- und Vertragsmodelle zur Einbindung informeller Arbeiter*innen gemeinsam mit Partnern entwickelt.

Daneben fördert die GIZ Bürgerbeteiligung und sensibilisiert für Konsumoptionen, die Abfall vermeiden. Beispiele sind die Verwendung von Mehrweg- statt Einwegprodukten oder Alternativen zu Plastiktüten. In Ost- und Südostasien entwickelte und implementierte die GIZ von 2019 bis 2022 Modelle für ressourceneffiziente Produktion und nachhaltigen Konsum von Plastik im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der EU. Um hier die Verschmutzung der Meere zu reduzieren, organisierte die GIZ unter anderem Politikdialoge, finanzierte Pilotprojekte und betrieb Bewusstseinsbildung.

Außerdem ist Erfahrungsaustausch wichtig. Die GIZ vermittelt Kontakte zu deutschen und internationalen Unternehmen der Kreislaufwirtschaft und forciert so die Technologiekooperation. Sie berät auch zu Initiativen und Förderinstrumenten für neue Technologien und nachhaltige Geschäftsmodelle.

Maßnahmen im Abfallsektor werden verstärkt mit Veränderungsprozessen im produzierenden Gewerbe kombiniert. In Kolumbien hat die GIZ zum Beispiel im Auftrag des BMZ in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen Maßnahmen für ein verstärktes Recycling erarbeitet und mit Unternehmen neue Geschäftsmodelle in der Abfallsammlung und im Plastikrecycling identifiziert, während informelle Wertstoffsammler*innen Schulungen erhalten und bei der Formalisierung unterstützt werden. Parallel werden innovative Kreislaufwirtschaftsansätze in Unternehmen der Sektoren Textil, Verpackungen und Haushaltsgeräte unterstützt.

Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Nutzung von Recycling-Materialien und Energiegewinnung aus Abfällen reduzieren Treibhausgasemissionen. Aus diesem Grund engagiert sich die GIZ auch für eine stärkere Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaftsmaßnahmen in nationalen Klimaplänen und in internationalen Klimadiskussionen.

Die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien bietet ein enormes Potenzial für nachhaltige Entwicklung. Arbeiten Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft hier eng zusammen, ist es möglich, die Klimakrise zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft zu stärken.

Sabine Schwab ist Fachplanerin des Kompetenzcenters „Wasser, Abwasser und Abfall“, Abteilung „Klima, Ländliche Entwicklung, Infrastruktur“ im Fach- und Methodenbereich der GIZ.
sabine.schwab@giz.de

Ellen Gunsilius ist Fachplanerin des Kompetenzcenters „Umwelt“ in derselben GIZ-Abteilung. Dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorinnen wieder.
ellen.gunsilius@giz.de

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