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Editorial

Der Weg zur nachhaltigen Ökonomie

von Hans Dembowski
Installing a wind farm in southern India

Installing a wind farm in southern India

Die G7, die Gruppe der größten reichen Volkswirtschaften, führt die Welt nicht an. Ihr Schuldendrama belastet die Weltökonomie. Nordamerika und Westeuropa sind dabei, Japans Jahrzehnte der Stagnation zu kopieren. Während Chinas wachsender Einfluss westlichen Diplomaten und Wissenschaftlern Sorgen bereitet, tun ihre Regierungen wenig, um die Überlegenheit der Demokratie zu beweisen.

Was Wohlstand betrifft, schlagen die G7-Staaten China selbstverständlich noch immer. Das liegt unter anderem daran, dass komplexe moderne Gesellschaften sich nicht per Befehl von oben bestimmen lassen. Selbst China ist keine Kommandowirtschaft mehr. Langfristig gehören Freiheit und Märkte zusammen, aber kurzfristig kann dysfunktionale demokratische Politik autoritäre Herrschaft attraktiv erscheinen lassen – und zwar besonders in den Augen von Politikern in Entwicklungsländern, die ihre eigenen absoluten Machtgelüste mit Kritik an EU und USA kaschieren können.

Derweil deprimiert die Sparwut in Nordamerika und Europa. Der verrückte rechte Rand der Republikaner in den USA scheint sich überhaupt keine Sorgen über Finanzmärkte zu machen, während die anderen westlichen Politiker kaum noch an etwas anderes denken. Finanzpolitik allein kann aber in den reichen Ländern den Investoren nicht die nötige neue Zuversicht geben. Wir leiden an einer tiefen Orientierungskrise, nicht nur an defizitären Staatshaushalten.

Die Menschheit steht vor gewaltigen Problemen. Die wichtigsten sind vermutlich der Klimawandel und schwindende Ressourcen – aber die G7 stellt sich dem nicht. Kein ausgeglichener Haushalt wird je die Schäden eines aus der Balance gekippten Weltklimas aufwiegen. Finanzprojektionen können die globale Ökonomie nicht ökologisch umgestalten. Das ist aber nötig, wenn die Probleme nicht weiter wachsen sollen. Die Hungertragödie am Horn von Afrika ist ein düsteres Omen. Wissenschaftler bezeichnen Extremwetterlagen seit langem als Vorboten des Klimawandels. Ostafrikas mehrjährige Dürre passt in dieses Bild. Fragile und kollabierte Staaten, die von Gewalt ausgezehrt sind, haben keine Kraft, sich von solchen Ereignissen zu erholen. Leider sind die schlimmen Nachrichten vom Horn von Afrika keine Überraschung. Allen, die es wissen wollten, war klar, dass das früher oder später passieren musste.

Die Welt braucht Investitionen in neue Infrastrukturen und Technologien. Stimmige Politik zu diesem Zweck könnte Investoren neue Zuversicht verleihen. Sparpolitik kann das nicht auf dieselbe Weise, denn es fehlt den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ja nicht an Kapital, sondern an überzeugenden Investitionsmöglichkeiten.

Kluge Politik zur ökologischen Modernisierung der Wirtschaft würde helfen, die lahmende Weltkonjunktur wieder anzukurbeln. Die Welt braucht einen globalen Green New Deal. Ohne Führung der G7 ist das unmöglich. Die G7-Mitglieder sind historisch die Hauptverantwortlichen für den Treibhauseffekt, und die Schwellenländer ahmen ihre Konsumgewohnheiten nach. Europa hat auch keinen Grund, nur über rechte Republikaner zu verzweifeln, die sich als amerikanische Patrioten ausgeben, aber skrupellos das internationale Ansehen ihres Präsidenten untergraben. Die EU strebt schon lange eine Führungspartnerschaft mit den USA an. Sie muss endlich anfangen zu führen. Sie muss mit großzügigen Angeboten die stagnierenden Klimaverhandlungen wiederbeleben, um der Welt den Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu bahnen.