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Marshallplan mit Afrika

Heilsbringer Wirtschaft?

von Sabine Balk

In Kürze

Nicht alle neugeschaffenen Jobs in Afrika, entsprechen internationalen Arbeits- und Umweltstandards: Manganerz-Mine in Ghana.

Nicht alle neugeschaffenen Jobs in Afrika, entsprechen internationalen Arbeits- und Umweltstandards: Manganerz-Mine in Ghana.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, hat einen „Marshallplan mit Afrika“ vorgeschlagen. Zur Entwicklung des Kontinents soll die Privatwirtschaft einen entscheidenden Beitrag leisten und Arbeitsplätze schaffen. Experten sind sich uneins darüber, ob die Wirtschaft wirklich den Fortschritt in Afrika in der richtigen Weise vorantreibt.

Der im Senegal geborene Amadou Diallo ist als Vizechef bei der DHL-Tochter „Global Forwarding“ der einzige Afrikaner im Vorstand eines deutschen Großkonzerns. Er sieht einen Schlüssel für Afrikas Wachstum in der Wirtschaft. Er bedauert, dass nur etwa ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen nach Afrika gehen. Da die meisten deutschen Unternehmen Mittelständler seien, müssten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen für den Kontinent begeistert und ihnen die Angst vor den Risiken genommen werden. Viele Unternehmen schrecken seiner Ansicht nach wegen Sicherheitsrisiken vor Investitionen in Afrika zurück. „Es gibt aber viele Länder, die sicher sind“, sagt Diallo. Deutsche Firmen dürften den afrikanischen Markt nicht allein den Chinesen überlassen. Er plädiert dafür, offizielle Entwicklungshilfe (ODA – official development assistance) lieber in Wirtschaftsförderung zu investieren, als sie Regierungen zu geben, die das Geld häufig nicht ihrer Bevölkerung zugutekommen ließen.

Der in Mosambik geborene Elisio Macamo ist Entwicklungssoziologe am Zentrum für Afrikastudien an der Universität Basel und glaubt nicht daran, dass die Wirtschaft Entwicklung in Afrika vorantreibt. „Wir müssen den gesellschaftlichen Verhältnissen und der Politik mehr Raum geben als der Wirtschaft“, findet er. Seiner Ansicht nach ist das wichtiger. Müllers Marshallplan mit Afrika  sei nur ein Plan wie viele zuvor. Jeder neue Plan sei ein Ergebnis aus dem, was vorher gemacht wurde. Das Problem ist nach Macamos Meinung, dass die Industrieländer zu wenig aus den eigenen Fehlern lernen. Der Marshallplan sei ein guter Plan im Sinne, dass er die Solidarität Deutschlands mit Afrika zeige. Ob er echte Lösungen bringe,  sei eine andere Frage.

Für Macamo  besteht das Problem in der Vorstellung, „man muss nur das richtige tun, dann wird alles gut“. Das funktioniere aber nicht. Menschen reagierten auf Dinge anders als erwartet. So machten etwa Politiker nicht immer brav das, was man ihnen vorgibt, etwa Krankenhäuser mit Entwicklungshilfegeld zu bauen. Afrika habe seit der Unabhängigkeit schon viel erreicht, aber damit „sind auch unsere Erwartungen gestiegen“. Macamo erinnert daran, wie lange Europa gebraucht hat, um dahin zu kommen, wo es heute steht. „Wir brauchen eine gewisse Demut und mehr Geduld, um richtig mit der afrikanischen Weiterentwicklung umzugehen“, meint er und bilanziert: „Ich sehe die afrikanischen Probleme entspannt.“

Claudia Warning, Vorstandsmitglied bei "Brot für die Welt", befürwortet grundsätzlich die Schaffung von Jobs in Afrika und Auslandsinvestitionen. Allerdings komme es auf die Qualität an, denn oft entstünden in Afrika keine Arbeitsplätze, sondern es würden nur Rohstoffe ausgebeutet. Zum anderen würden häufig Jobs geschaffen, die nicht den Standards der Internationalen Arbeitsorganisation in Bezug auf faire Löhne und Arbeitszeiten sowie Sicherheit entsprächen. Auch Umweltstandards würden von ausländischen Firmen häufig missachtet. Trotz Unterstützung von außen ist für Warning aber klar, dass Afrikas Wirtschaft von innen, also von Afrikanern selbst, aufgebaut werden muss.

Günter Nooke, persönlicher Afrikabeauftragter von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wurde bei einer Diskussionsrunde von GIZ, Frankfurter Rundschau und hr info in Frankfurt Mitte Mai gefragt, warum es einen Marshallplan mit Afrika brauche. Seine nicht ganz ernsthafte Antwort lautete: „Damit die Medien darüber berichten.“ Seiner Meinung nach  sind nicht so sehr neue Pläne wie eine andere Wahrnehmung Afrikas nötig. Das Wohl des Kontinents liege auch in unserem Interesse. Die westliche Welt wolle, dass Wirtschaftswachstum in Afrika entsteht und denke dabei nur an private Investitionen. Für Afrika bräuchte man aber teils völlig andere Modelle als in Europa. „Wir wollen mit dem BMZ und der Diaspora überlegen, wie man etwa Rücküberweisungen für Investitionen nutzen könnte. Der Staat könnte zum Beispiel für jede investierte Rücküberweisung etwas Geld drauflegen“, erläutert Nooke.

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