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Zukunft der ICSOs

Wandel gemeinsam gestalten

von Helene Wolf, Åsa Månsson

Hintergrund

Folgen des Klimawandels beeinflussen die Arbeit von ISCOs, trotzdem wird er häufig nicht systematisch berücksichtigt. In vielen Ländern wird der Monsunregen zunehmend unberechenbar: Frau in Bombay.

Folgen des Klimawandels beeinflussen die Arbeit von ISCOs, trotzdem wird er häufig nicht systematisch berücksichtigt. In vielen Ländern wird der Monsunregen zunehmend unberechenbar: Frau in Bombay.

Viele internationale zivilgesellschaftliche Organisationen (international civil society organisations – ICSOs) durchlaufen derzeit einen Veränderungsprozess. Sie überprüfen ihre Ziele und entwickeln ihre Strategien und Aktivitäten weiter. Die derzeit stattfindenden dramatischen Veränderungen in Bereichen der Politik, Technologie und Umwelt stellen Bedrohungen, aber auch Chancen dar. ICSOs sollten voneinander lernen und innovative Lösungen finden, um ihren Beitrag für eine gerechtere und nachhaltigere Welt zu stärken.

Die Bedingungen, unter denen die meisten ICSOs arbeiten, verändern sich rapide. Armut und zunehmende Ungleichheit führen zu Konflikten, schnell wachsende Mittelschichten erhöhen den Druck auf knappe Ressourcen, der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran, und die Artenvielfalt ist bedroht. Außerdem nimmt der politische Spielraum für ICSOs ab, und das Internet fordert traditionelle Formen der Kommunikation heraus. Eine weitere Herausforderung besteht in der finanziellen Grundlage von ICSOs. Ihre Unterstützer werden älter, und die junge Generation hat andere Erwartungen.

Instinktiv nehmen viele ICSOs diese Veränderungen als Bedrohung wahr. In der Tat kann eine ICSO, die sich nicht ändert, in ihrer Existenz bedroht sein. Andererseits machen wachsende Herausforderungen wie die Ausbeutung unseres Planeten und Menschenrechtsverletzungen ein starkes Engagement von ICSOs nötiger denn je. Weder Regierungen noch Unternehmen setzen sich in gleichem Maße wie ICSOs für diejenigen Menschen ein, die am stärksten von Kriegen, Dürren oder Armut betroffen sind. ICSOs kommt daher eine besondere Verantwortung zu, auch aufgrund ihres beispiellosen Erfahrungsschatzes.

ICSOs verfolgen in der Regel hochgesteckte Ziele: Sie wollen Armut bekämpfen, die Umwelt schützen, Kinder retten oder die Diskriminierung benachteiligter Gruppen beenden. In der Praxis führen sie aber eher kleinteilige Projekte durch. Nötig wäre dagegen ein ganzheitlicher Ansatz. Zum Beispiel beeinflusst oder untergräbt sogar der Klimawandel zum Teil die Ziele von ICSOs, trotzdem wird er häufig in der Arbeit der ICSOs nicht systematisch berücksichtigt.

Die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) beinhalten zwar nicht alle Aspekte, für die ICSOs sich eingesetzt haben. Aber sie stellen eine ambitionierte Agenda dar, die einige der wichtigsten Bereiche miteinander verknüpft. Ein Beispiel ist das Ziel einer weltweit inklusiven wirtschaftlichen Entwicklung, die die begrenzten Ressourcen und die Umwelt berücksichtigt.

Gleichzeitig schränken die Regierungen vieler Länder den Spielraum von ICSOs zunehmend ein. Lobbyarbeit wird für viele Organisationen ebenso schwieriger wie die Mobilisierung von Menschen und die Umsetzung von Programmen. Diese Beschneidung bedeutet eine Bedrohung für die zivilgesellschaftliche Arbeit, beeinflusst CSOs weltweit und erfordert gemeinsame Antworten.

Um Antworten auf viele dieser Fragen zu finden, ist nicht nur die Führungsebene der CSOs gefragt. Mitarbeiter, Aktivisten, Freiwillige und andere Unterstützer müssen gemeinsam Ideen entwickeln und die nötigen Veränderungen herbeiführen. Sind wir zu persönlichen Opfern für ein nachhaltigeres Leben bereit? Wollen wir die Beziehungen zu unseren Partnern im globalen Süden grundlegend verändern? Können wir unsere Arbeitsweise ändern? Gehen wir das Risiko ein, die Lebensstile unserer Geldgeber in Frage zu stellen? Und sind wir bereit für neue Herangehensweisen wie die virtuelle Mobilisierung?

Dies sind nur einige der Fragen, die ICSOs sich stellen. Allgemeingültige Antworten gibt es nicht. Aber wir können individuelle Erfahrungen teilen und gemeinsam an der Zukunft des gesamten Sektors arbeiten.

Das International Civil Society Centre lädt Mitarbeiter, Aktivisten und Unterstützer dazu ein, die Zukunft der ICSOs auf seiner Online-Plattform „Disrupt&Innovate“ zu diskutieren und kreative Ansätze zu entwickeln. Basierend auf dem Buch „The hedgehog and the beetle – Disruption and innovation in the civil society sector“ von Burkhard Gnärig, dem Geschäftsführer des International Civil Society Centres, will die Plattform internationale und nationale, kleine und große, etablierte und junge CSOs bei ihrer Suche nach Lösungen unterstützen.

Auf der Grundlage unserer Arbeit mit vielen der größten ICSOs über mehrere Jahre hinweg haben wir Themen identifiziert, die für eine Vielzahl von Organisationen relevant sind:

  • Bündnisse: Keine Organisation und kein Sektor kann allein Armut abschaffen oder Bildung für alle erreichen. Wie können wir wirkungsvolle Bündnisse innerhalb des zivilgesellschaftlichen Sektors eingehen, aber auch mit Verantwortlichen in Regierungen und Unternehmen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten?
  • Organisationskultur: Neue Herangehensweisen oder flexiblere Entscheidungsstrukturen erfordern oft grundlegende Veränderungen der Arbeitsweise. Wie schaffen wir eine Organisationskultur, die unternehmerische Ansätze aufnimmt, etwa Innovation und Veränderung als Teil der täglichen Arbeit?
  • Transparenz: Die zunehmende Beobachtung durch Öffentlichkeit und Geldgeber, unterstützt durch digitale Technologien, stellt neue Anforderungen an die Rechenschaftsfähigkeit und Transparenz von ICSOs. Wie können wir Transparenz neu denken, um sie sowohl für unsere Verantwortung nach außen als auch für unseren eigenen Lernprozess zu nutzen?
  • Geschäftsmodelle: Veränderte Fundraising-Methoden und virtuelle Kampagnenarbeit stellen die traditionellen Geschäftsmodelle vieler ICSOs in Frage. Wie können wir unsere Geschäftsmodelle so anpassen und verändern, dass unsere bisherigen Aktivitäten ersetzt oder ergänzt werden, ohne unsere Ziele aus dem Blick zu verlieren?
  • Identität: Die Veränderungen im globalen Machtgefüge stellen den Ansatz in Frage, nach dem Geld und Wissen aus dem globalen Norden in den globalen Süden fließen. Wir müssen grundlegende Werte unserer Arbeit auf den Prüfstand stellen: Wie können wir unsere Zielgruppen ermächtigen und zu einer gerechteren Welt beitragen?
  • Entscheidungsstrukturen: Immer schnellere und komplexere Veränderungen erfordern schnelle und flexible Entscheidungen. Wie schaffen wir entsprechende Führungsstrukturen für unsere Organisationen? Sie sollten Mitbestimmung ermöglichen, aber wenn nötig auch schnelles und effektives Handeln.

Niemand kann alleine die Antworten auf diese und die vielen weiteren Fragen finden, die unseren Sektor in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Deshalb bietet die „Disrupt&Innovate“-Plattform Raum für eine sektorweite Debatte, Austausch und gegenseitiges Lernen.

Mit unserer Kampagne #BeTheHedgehog haben wir die User der Plattform dazu aufgefordert, neue Antworten auf globale Herausforderungen zu suchen. Auf den Aufruf hin, Innovatoren zu benennen, kamen Beispiele einer Zusammenarbeit mit Unternehmen im Kampf gegen Ebola, neuer Wege, um junge Leute an der Führung von Organisationen zu beteiligen, und wie Skateboardfahren in der Bildung von Kindern eingesetzt werden kann. Einige Teilnehmer berichteten von Schwierigkeiten ihrer Organisation und wie sie darauf reagieren, auf der Suche nach Tipps und Feedback. Gastbeiträge von Organisationen wie Oxfam, 350.org, Transparency International und CIVICUS gaben Impulse zu Fragen der Rechenschaft, Korruption, des Klimawandel soder der Verteidigung des Raums für zivilgesellschaftliche Arbeit.

In den kommenden Monaten und Jahren wollen wir eine Community aufbauen, die Ideen und Innovationen für die Zukunft des Sektors entwickelt. Unser Ziel ist eine Agenda für den Wandel von ICSOs. Zusätzlich zur Online-Debatte richten wir im Oktober einen Workshop mit dem Titel „Managing Disruption“ aus.

Selbst die durchdachtesten Veränderungsprozesse sind zum Zeitpunkt ihrer vollständigen Umsetzung in der Regel überholt. Organisationen, die Veränderung als Teil ihrer täglichen Arbeit begreifen und stetig von ihren Erfahrungen lernen, werden am ehesten nicht nur überleben, sondern das Leben von Menschen verändern.

 

Helene Wolf ist stellvertretende Geschäftsführerin des International Civil Society Centres in Berlin.
[email protected]

Åsa Månsson ist Leiterin der Bereiche Fundraising und Kommunikation des International Civil Society Centres. Sie leitet das „Disrupt&Innovate“-Projekt.
[email protected]


Links:
Disrupt&Innovate:
http://www.disrupt-and-innovate.org
International Civil Society Centre:
http://www.icscentre.org
Twitter: @CSODisruption

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