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Sexismus

Medien fördern oder bekämpfen Gewalt gegen Frauen

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Indigene Frau in Cochabamba, Bolivien.

Indigene Frau in Cochabamba, Bolivien.

Die Macht der Medien ist groß und nimmt in Zeiten der Sozialen Medien noch zu. Positiv ist jedoch, wie es Filippo Grandi, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, ausdrückte, dass Journalisten die „einflussreichsten Befürworter der Menschenrechte“ sein können. Aber die Medien unterstützen oft auch Unterdrückung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein Bereich, wo in den Medien noch viel getan werden muss.

Beim Global Media Forum in Bonn im Sommer war eines der Themen der enorme Einfluss der Medien auf das stereotype Bild der Frau, vor allem bezüglich Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Sexistische Sprache in den Medien kann Probleme verstärken, ebenso wie Berichterstattung, die auf Stereotypen basiert. Mehrere Organisationen veranstalteten ein diesbezügliches Event, unter anderem das Netzwerk [email protected] Bonn, GIZ, die Deutsche Welle, die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und das deutsche Komitee von UN Women.

In manchen Ländern ist die Lage düster. Laut UN-Statistiken sind 90 % aller ägyptischen Frauen jeden Tag einer Form von sexueller Belästigung ausgesetzt. Dies kommt in den ägyptischen Medien jedoch überhaupt nicht vor. Eine typische Art und Weise, über genderbasierte Gewalt zu berichten, ist, sie kleinzureden, sagt Rasha El-Ibiary, die über Massenmedien an der Future University in Ägypten lehrt. „Vergewaltigung wird als ‚sexuelle Belästigung‘ bezeichnet, und sexuelle Belästigung wird ‚flirten‘ genannt“, erklärt sie.

Laut El-Ibiary werden Frauen oft zweimal zum Opfer, weil sie angeblich an der Gewalt, die gegen sie ausgeübt wurde, selbst schuld seien. „Sogar in den Medien wird gefragt, ,Warum war sie allein auf der Straße?‘ oder ,Was hatte sie an?‘“, sagt El-Ibiary. „Das sind keine Einzelfälle, sondern ist Teil eines größeren sozialen Kontextes.“

Für den deutsch-libanesischen Fernsehmoderator Jaafar Abdul-Karim ist eine patriarchale Haltung der eigentliche Grund für diese irreführende Berichterstattung. Der deutsche Autor und Aktivist Vincent-Immanuel Herr drückt es klar aus: „Medien werden von Männern kontrolliert, und sexuelle Gewalt wird von Männern gegen Frauen ausgeübt“, erklärt er. In beiden Situationen befänden sich Männer in einer Machtposition. Aber Herr meint, dass Männer ebenso negativ vom „Gift des Sexismus“ betroffen seien, weil es den „Lebensstandard der gesamten Gesellschaft“ senke.

Herr betont, dass Männer ebenfalls „gegen die Objektifizierung von Frauen“ angehen müssten. Eine internationale Kampagne macht genau das: „He for She“, organisiert von dem UN Women Solidarity Movement for Gender Equality.
Die Rolle der Medien bezüglich genderbasierter Gewalt wird schon lange diskutiert. Artikel 8 der Inter-American Convention of Belém do Pará (1994) verpflichtet die Mitgliedsstaaten dazu, dass „die Medien Leitlinien erarbeiten, die helfen sollen, Gewalt gegen Frauen auszurotten und Respekt für die Würde der Frau bestärken“.

Dementsprechend hat der Presserat von Peru bei Berichten über Gewalt gegen Frauen ein typisches Muster identifiziert:

  • Akte der Gewalt werden als Skandale präsentiert,
  • der Fokus liegt auf polizeilichen Aktivitäten, und
  • es gibt keine Debatte über die Gewalt als solche.

Der Presserat bemerkte außerdem, dass die Medien Frauen in der Regel nur als sexuell-visuellen Anreiz benutzen und dass es kaum weibliche Journalisten in Führungspositionen gibt.

Als Beitrag zum „Nationalen Plan gegen Gewalt gegen Frauen“ entwickelte der Presserat 2012 einige Richtlinien. Dort wird empfohlen:

  • Gewalt als Menschenrechtsverletzung zu begreifen,
  • Opfer zu schützen, indem beispielsweise ihre Fotos oder Namen nicht veröffent­licht werden,
  • Informationen zu verbreiten, etwa Telefonnummern von Organisationen, die Opfer unterstützen,
  • Täter nicht zu entschuldigen,
  • die Fälle langfristig zu verfolgen und
  • über Initiativen zu berichten, die genderbasierte Gewalt bekämpfen.

Einige Länder gehen noch weiter. Die Verfassung von Ecuador, beispielsweise, verbietet in Artikel 19 die Verbreitung von Gewalt, Diskriminierung und Sexismus in den Medien. In Bolivien, das sehr unter genderbasierter Gewalt leidet siehe E+Z/D+C, 2015/05, S. 14 ff.), ist das Kommunikationsministerium per Gesetz verpflichtet, Kampagnen dagegen durchzuführen.

Sheila Mysorekar


Links

“He for She”: UN Women Solidarity Movement for Gender Equality.
http://www.heforshe.org/en

Global Media Forum:
http://www.dw.com/gmf

Consejo Consultivo de Radio y Televisión, Peru:
http://www.concortv.gob.pe/investigacion/

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