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Philanthropie

Lobenswerte Individuen, problematischer Trend

von Hans Dembowski

Meinung

Jedes Leben ist gleich viel wert – aber manche Menschen können großzügiger spenden als andere.

Jedes Leben ist gleich viel wert – aber manche Menschen können großzügiger spenden als andere.

Die Bill & Melinda Gates Foundation stützt sich auf massive Finanzierung durch die Milliardäre Bill Gates und Warren Buffett. Unter anderem trägt sie zur Bekämpfung von Krankheiten und zur Sicherung der Ernährungssicherheit bei. Die Open Society Foundations existieren dank der Großzügigkeit des Milliardärs George Soros. Sie setzen sich für Menschenrechte, Demokratie und Wissenschaft ein. Die genannten Individuen verdienen Anerkennung für ihr philanthropisches Engagement.

Dass Philanthropen im öffentlichen Leben an Bedeutung gewinnen, beunruhigt jedoch. Es zeugt von der breiter werdenden Kluft zwischen wenigen Superreichen und Massen von Menschen, die kaum Gehör finden. Zunehmend geben diejenigen den Ton an, die für ihre Lieblingsanliegen viel Geld aufwenden können.

Philanthropische Stiftungen sind in gewisser Weise stärker als herkömmliche ­zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich auf viele Mitglieder stützen – aber oft auch Großspenden von Stiftungen brauchen. Stiftungen können beim Test neuer Konzepte Risiken eingehen. Im Erfolgsfall können sie die neue Methode schnell ausbauen. Sie können sehr viel Geld ohne großen Verwaltungsaufwand und ohne lästige Transparenzpflichten ausgeben. Sie schulden nur sich selbst Rechenschaft. 

Reiche Philanthropen wollen die Welt verändern. Sie finden leicht das Gehör von Politikern. Sie kofinanzieren gern Vorhaben, wenn Staaten auch einen Teil beitragen. In Zeiten knapper Kassen haben Regierungen Grund, sich darauf einzulassen. Philanthropen nehmen also Einfluss auf öffentliche Haushalte. Eigentlich sollten demokratisch gewählte Regierungen aber selbst ausreichend Mittel haben, um öffentliche Güter bereitzustellen. Ist das nicht der Fall, stellt sich die Frage, ob sie ausreichend Steuern erheben.

Fraglich ist auch, ob alles, was als Philanthropie gilt, wirklich dem Gemeinwohl dient. In den USA lassen sich Spenden an konservative Thinktanks, die den Klimawandel leugnen und aggressiv Steuern bekämpfen, von der Steuer absetzen. Sie tragen zu globalen Nachhaltigkeitsproblemen bei, aber nicht zu deren Lösung. 

Gewiss gibt es eine Vielfalt von Philanthropen mit einer Vielfalt von Anliegen. Sie neigen aber generell zu konservativer Wirtschaftspolitik, denn ihre Erfahrung mit Marktdynamiken war ja positiv. Leider haben nicht alle ihr Vermögen in fairem Wettbewerb geschaffen. Manche haben geerbt, andere – wie etwa Bill Gates – von Marktverzerrungen profitiert. Das von ihm gegründete Software-Unternehmen Microsoft hatte in den 1990er Jahren eine Art Monopolstellung, ohne die besten Programme zu schreiben. Seine Kunden wollten Software, die mit der möglichst vieler anderer Menschen kompatibel war. Microsofts Macht wurde schließlich durch Kartellverfahren in den USA und der EU eingedämmt. 

David Calahan, ein amerikanischer Experte für Philanthropie, fordert zu Recht, dass Stiftungen offenlegen sollen, wem sie wie viel Geld zur Verfügung stellen, damit die Öffentlichkeit weiß, welchen Einfluss sie nehmen. Außerdem sei zu prüfen, welche Art von Spenden wirklich steuerabzugsfähig sein müssen. 

Individuell verdienen Philanthro­pen sicherlich Lob. Aber der Trend, dass Philanthropie immer wichtiger wird, ist bedenklich. Er ist eine Konsequenz zunehmender Ungleichheit und schwächt demokratische Strukturen.


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammen­arbeit / D+C ­Development and ­Cooperation.
[email protected]

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