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Transformationsprozess

Transformation erfordert einen Bewusstseinswandel

von Sabine Balk

In Kürze

Maja Göpel 2021 bei „Fridays for Future“-Demo.

Maja Göpel 2021 bei „Fridays for Future“-Demo.

Die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung ist eine äußerst komplexe Herausforderung für das gesellschaftliche System. In „The Great Mindshift“ erörtert die Sozialwissenschaftlerin Maja Göpel, wie Transformationsprozesse gelingen können. Das auf Englisch erschienene Buch steht als Download kostenlos zur Verfügung.

Die Koordinierung eines tiefgreifenden und dauerhaften Systemwandels sei weder eine Einzelmaßnahme noch   ein linear Prozess, zitiert Göpel das UN-Umweltprogramm (UNEP). Das zeige sich zum Beispiel darin, dass die Regeln eines Systems oft aus einer veränderten Denkweise entstehen. Diese Regeln können ihrerseits aber auch die Änderung der Denkweise unterstützen. Um die großen Herausforderungen der Menschheit meistern zu können, braucht es nach Ansicht der Wissenschaftlerin einen elementaren Wandel des derzeitigen Denkens und der Geisteshaltung (siehe Haupttext). Regeln und Anreize könnten solche strukturellen Änderungen bewirken. Sie seien entscheidend und könnten einen starken Einfluss auf das Systemverhalten ausüben, das sich dadurch dauerhaft ändern könne.

In erfolgreichen Transformationsprozessen wird das neue Ziel – wie beispielsweise eine Neudefinition des Wachstumsbegriffs – laut Göpel langsam, aber sicher zur Norm. Das Ziel wird durch eine Reihe von Institutionen, sozialen Beziehungen und Ideen produziert und reproduziert.

Maja Göpel erklärt: „Für mich geht es nicht so sehr darum, dass wir eine Alternative zu Freiheit und Wohlstand oder gar Wachstum finden müssen. Wir müssen ihre Bedeutung für eine Welt mit 9 Milliarden statt einer Milliarde Menschen zurückgewinnen.“ Den Menschen von heute mangele es an geistiger Führung. Die Kommerzialisierung und Homogenisierung von Produktion und Konsum schränkten die Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung eher ein, als sie zu erweitern.

In Anspielung auf das Phänomen der Aufklärung im 18. Jahrhundert plädiert Göpel für eine neue „zweite Aufklärung“ im 21. Jahrhundert. Die Aufklärung bezeichnet eine Entwicklung, die durch rationales Denken Strukturen überwinden wollte, die Fortschritt behindern. Sie stellte etwa wis  senschaftliche Erkenntnisse über religiösen Glauben. Göpel hält eine aufklärerische, neue Geisteshaltung in folgenden Bereichen für essenziell:

  • Fortschritt soll nicht nur eine Leistung sein, die in Geld gemessen wird. Fortschritt sollte vielmehr gerecht und ausgewogen sein, gemessen an differenzierten sozialen, ökologischen und kulturellen Indikatoren.
  • Freiheit sollte nicht als unendlicher individueller Konsum begriffen werden, sondern sollte menschliche Sicherheit und Zufriedenheit verkörpern: Es sollte eine Freiheit von der Angst sein, im Wettlauf um die Ressourcen ins Hintertreffen zu geraten, und eine Freiheit von dem Gefühl des endlosen Mangels, das mittlerweile in unserer Kultur verankert ist und das unser Wohlbefinden behindert.
  • Wohlstand sollte nicht immer mehr Konsummöglichkeiten verkörpern, sondern er kann eine neue Bedeutung erhalten: ein ganzheitliches Verständnis der menschlichen Bedürfnisse und diversifizierte Strategien der Bedürfnisbefriedigung.
  • Wirtschaftswachstum sollte kein Selbstzweck sein, sondern verschiedene Arten von Wirtschaftsleistung und -tätigkeit könnten als Mittel zum Zweck dienen, um den Wohlstand innerhalb der planetaren Grenzen zu sichern.

Göpel lobt, dass viele der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) diesen Prinzipien entsprächen. Sie kritisiert jedoch, dass die SDGs dogmatisch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und höhere Einkommen auch für die Reichen propagieren.


Literatur
Göpel, M., 2016: The Great Mindshift.
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007 %2F978-3-319-43766-8.pdf

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