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IWF

Mehr Finanzkraft für Entwicklungsländer

von Kathrin Berensmann

Meinung

IWF-Chefin Kristalina Georgieva bei einem Afrikatag in Paris im Mai 2021.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva bei einem Afrikatag in Paris im Mai 2021.

Ende August hat der Internationale Währungsfonds (IWF) beschlossen, die Sonderziehungsrechte (SZR) um 650 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Von dieser Maßnahme werden alle 189 Mitglieder des IWF profitieren und so erhebliche Finanzspritzen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie erhalten. Reiche Länder bekommen anteilig mehr Mittel und sollten einen Teil davon freiwillig armen Ländern zur Verfügung stellen.

Die SZR stellen Reserveguthaben dar, die der IWF 1969 erstmals eingerichtet hat. Die Mitgliedstaaten können diese Buchkredite in andere Währungen umtauschen oder als Währungsreserven nutzen. SZR sind für die Mitgliedsländer günstiger als die Aufnahme von Krediten an den Märkten. Zudem sind sie nicht an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft (IWF 2021).

Die aktuelle Aufstockung der SZR ist in der Geschichte mit Abstand die höchste. Seit 1969 gab es vier Erhöhungen, eine davon wurde in Zuge der globalen Finanzkrise 2009 mit 250 Milliarden Dollar vorgenommen.

Auch die Liquidität von Niedrigeinkommensländern steigt mit den neuen Sonderziehungsrechten substanziell. Allerdings werden sie mit circa 21 Milliarden Dollar (3,2 Prozent) nur einen relativ kleinen Anteil der SZR erhalten, weil diese entsprechend den Quotenanteilen der Mitgliedsländer verteilt werden. Diese Quotenanteile werden im IWF im Wesentlichen entsprechend ihrem relativen Gewicht in der Weltwirtschaft berechnet. Danach erhalten Industrieländer laut IWF deutlich mehr Mittel als die armen Länder – nämlich 375 Milliarden Dollar.

Mit 21 Milliarden Dollar erhalten die Niedrigeinkommensländer dennoch ein relativ hohes Volumen verglichen mit den anderen Zuwendungen vom IWF. Wie der ehemalige IWF-Mitarbeiter David Andrews und Mark Plant vom Center for Global Development in Washington ausführen (Andrews, Plant 2021), zahlte ihnen der IWF 2020 nur etwa die Hälfte im Rahmen der Finanzierungsfazilitäten für arme Länder – des Poverty Reduction and Growth Trust (PRGT, Treuhandfonds für Armutsbekämpfung und Wachstum) – aus.

Die Gruppe der 20 größten Volkswirtschaften (G20) sowie der IWF unterstützen die Umverteilung der SZR von den reichen zu den armen Ländern. Die G20 hat den IWF in ihren Communiqués im April und Juli dieses Jahres gebeten, zu prüfen, wie dies auf freiwilliger Basis umgesetzt werden kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die neuen SZR von den reichen zu den armen Ländern umzuschichten. Die Indus­trieländer können gemäß den IWF-Regularien einen Teil der Mittel als Kredite oder als Grant (Spende, Zuschuss) vergeben, wie Andrews und Plant ausführen. Im Zuge der Covid-19-Krise haben einige reiche IWF-Mitgliedsländer laut IWF bereits circa 15 Milliarden Dollar aus bestehenden SZR an den PRGT verliehen. Da bei mehr als der Hälfte der Niedrigeinkommensländer entweder das Risiko einer Überschuldung besteht oder diese Länder bereits überschuldet sind, wäre es besser, zumindest einen Teil der Mittel zu spenden, als diese nur zu verleihen.

Eine weitere mögliche Option ist die Einrichtung eines neuen, zweckgebundenen Fonds, der zumindest teilweise durch SZR-Zuweisungen finanziert wird. Das schlagen Andrews und Plant vor. Mögliche Fonds könnten ein grüner Fonds oder ein globaler Gesundheitsfonds für die Nied­rigeinkommensländer sein. Die Einrichtung eines Fonds müsste vom Exekutivdirektorium des IWF mit 85 Prozent der Stimmen genehmigt werden (Andrews, Plant 2021). Die IWF-Direktorin, Kristalina Georgieva, hat in ihrem kürzlich erschienenen Financial-Times-Artikel erwähnt, dass der IWF mit seinen Mitgliedsstaaten über einen neuen Resilienz- und Nachhaltigkeitstrust für arme und gefährdete Länder diskutiert.

Eine Umverteilung wäre begrüßenswert und ist notwendig, denn Entwicklungsländer brauchen mittel- bis langfristig weitere finanzielle Unterstützung der Industrie- und auch der Schwellenländer, nicht nur um die Folgen der Pandemie abzufedern.


Literatur

Andrews, D., Plant, M., 2021: What is the best way to allocate new SDRs? Center for Global Development, Washington.
https://www.cgdev.org/blog/what-best-way-allocate-new-sdrs

IMF, 2021: Guidance note for fund staff on the treatment and use of SDR allocations. Washington.
https://www.imf.org/en/Publications/Policy-Papers/Issues/2021/08/19/Guidance-Note-for-Fund-Staff-on-the-Treatment-and-Use-of-SDR-Allocations-464319


Kathrin Berensmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).
[email protected]

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