Bergbau
Seltene Erden und andere kritische Mineralien – ein Überblick
Kritische Mineralien sind eine Gruppe von Stoffen, die verschiedene Regierungen als besonders wichtig für die Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder einstufen. Sie sind für moderne Technologien unverzichtbar, insbesondere in den Bereichen Energie und Elektronik. Zu den häufig als „kritisch“ bezeichneten Mineralien zählen etwa Aluminium, Kobalt, Kupfer, Lithium, Mangan, Nickel und Vanadium. Sie stehen neben zahlreichen anderen Stoffen unter anderem auf der Liste kritischer Mineralien des US Geological Survey 2025.
Seltene Erden
Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen, die ebenfalls zu den kritischen Mineralien zählen. Sie werden auch als Seltenerdmetalle oder Seltene Erdelemente bezeichnet und sind etwa wichtige Bestandteile von Windkraftanlagen, Photovoltaiksystemen, E-Autos und Smartphones. Die 17 Seltenen Erden lauten: Cer, Dysprosium, Erbium, Europium, Gadolinium, Holmium, Lanthan, Lutetium, Neodym, Praseodym, Promethium, Samarium, Scandium, Terbium, Thulium, Ytterbium, Yttrium.
Export kritischer Mineralien
Für viele Länder des Globalen Südens stellt der Export von kritischen Mineralien eine wichtige Einnahmequelle dar. In Guinea und der DR Kongo machen Erzeugnisse aus dem Bergbau laut UN mehr als 80 % der Exporte aus.
Der globale Markt für kritische Mineralien ist hunderte Milliarden Dollar schwer. Doch während viele davon profitieren, sieht die Bevölkerung in den Abbaugebieten von diesem Reichtum oft nur sehr wenig. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind nicht selten ausbeuterisch.
Abbau von kritischen Mineralien: Konflikte und Umweltzerstörung
Der Abbau von kritischen Mineralien verschärft zudem Konflikte, etwa in Myanmar, woher China einen Teil seiner Seltenen Erden bezieht. Er zerstört sowohl Naturschätze als auch die Gesundheit der Anwohner*innen. Wo Gesetze zum Schutz von Mensch und Umwelt überhaupt existieren, behindert oft die Schwäche staatlicher Institutionen ihre Umsetzung.
Bevölkerung seit der Kolonialzeit durch Rohstoffabbau ausgebeutet
Der Rohstoffabbau zulasten der Bevölkerung und der Umwelt hat in vielen Regionen des Globalen Südens traurige Tradition. Ein einschlägiges Beispiel ist die DR Kongo, deren heutiges Gebiet 1885 zum Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. erklärt wurde. Dieser beutete das Land und seine Bewohner*innen massiv aus. Unter belgischer Kolonialherrschaft wurden neben Kautschuk auch Mineralien abgebaut und außer Landes gebracht. Millionen Menschen kamen infolge von Zwangsarbeit, Hunger und Gewalt ums Leben.
Nach der Unabhängigkeit der DR Kongo war der Bergbau häufig Anlass für gewaltsame Konflikte. Gegenwärtig sind es Rebellengruppen, ausländische Truppen und Milizen, die kleine Minen im Osten des Landes nutzen, um Waffen zu finanzieren. Die lokale Bevölkerung wird im informellen Bergbau unter katastrophalen Bedingungen rücksichtslos ausgebeutet. Vielen Einheimischen mangelt es aber an Alternativen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Der Handel mit kritischen Mineralien reproduziert also auch heute weiterhin koloniale Muster. Industriestaaten, China inbegriffen, greifen nach den Rohstoffen in ökonomisch schwächeren Ländern, verarbeiten sie weiter und profitieren von der Wertschöpfung.
Lieferkettengesetz und internationale Bündnisse
Fortschritte sind erkennbar, geschehen aber zu langsam. Das Lieferkettengesetz der EU etwa ist eine Errungenschaft im Bereich Sorgfaltspflicht, wurde zuletzt aber abgeschwächt und verschoben. Internationale Kooperationen wie die Global Battery Alliance für eine nachhaltigere und sozialere Herstellung von Batterien sind begrüßenswert, müssten aber viel mehr Nachahmer finden. Auch die Umstellung auf eine insgesamt nachhaltigere Produktion von Waren wie Smartphones und E-Autos findet, wenn überhaupt, viel zu langsam statt.
Um die Lage für die Menschen in den Abbaugebieten zu verbessern, müssten sich ihre Arbeitsbedingungen ändern, und sie müssten insgesamt fairer an den Schätzen, die sie heben, beteiligt werden. Ein Baustein dafür kann sein, mehr Wertschöpfung vor Ort zu halten.
Länder des Globalen Südens wehren sich gegen unfaire Handelsbedingungen
Verschiedene Länder des Globalen Südens haben bereits deutlich gemacht, dass sie sich nicht auf die Rolle als Ressourcenlieferanten reduzieren lassen möchten. Beispielsweise hat Burundi die Aktivitäten internationaler Unternehmen vorübergehend ausgesetzt, um fairere Bedingungen zu erwirken. Auch Bolivien, das riesige Vorkommen von Lithium beherbergt, möchte stärker von den Gewinnen profitieren als bisher.
Kritische Mineralien und die Sustainable Development Goals (SDGs)
Aus Sicht der Sustainable Development Goals stellt der Abbau von kritischen Mineralien ein Dilemma dar: Einerseits verursacht er Leid durch schlechte Arbeitsbedingungen (SDG8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) und Umweltzerstörung (SDG15 – Leben an Land; SDG6 – Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen), insbesondere in Ländern des Globalen Südens.
Andererseits ist er für viele dieser Länder und auch für die Bevölkerung vor Ort ökonomisch wichtig (SDG1 – Keine Armut). Zudem sind kritische Mineralien unerlässlich für moderne Technologien (SDG9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur) und die globale Energiewende (SDG7 – Bezahlbare und saubere Energie). Damit spielen sie eine wesentliche Rolle für den globalen Klimaschutz (SDG13 – Maßnahmen zum Klimaschutz).
Im Sinne des Erreichens der SDGs sollte der Abbau kritischer Mineralien also möglichst sozial und ökologisch erfolgen (SDG12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion). Insbesondere sollten die Menschen vor Ort angemessen an Gewinnen beteiligt werden. Auch sollte das Recycling von E-Waste als Quelle wertvoller Rohstoffe forciert werden, wie dies etwa in Indien bereits geschieht.
Verhalten von Konsument*innen
Nicht zuletzt spielen auch die Verbraucher*innen und ihr Konsumverhalten eine wichtige Rolle – insbesondere auch in den reicheren Ländern. Sind sie bereit, auf faire Produktionsbedingungen Wert zu legen und dafür möglicherweise auch einen höheren Preis zu akzeptieren?
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