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Afrika

Umweltzerstörung

von Karim Okanla

Meinung

Für den Verkauf verpackte Holzkohle im ländlichen Kenia.

Für den Verkauf verpackte Holzkohle im ländlichen Kenia.

Südlich der Sahara ist Armut eine wichtige Entwaldungsursache. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen brauchen Ackerland sowie Feuerholz und Holzkohle. Industriell betriebene Holzwirtschaft, Großplantagen, Bergbau und Infrastrukturvorhaben sind ebenfalls schädlich.

In der Elfenbeinküste sind etwa 80 Prozent der ursprünglichen Bewaldung verschwunden – oft verdrängt von Kakao- und Kaffeeplantagen. Laut Schätzungen der EU REDD Facility, die Maßnahmen zur Reduzierung von Klimagasen wegen Entwaldung und Waldschäden unterstützt, gehen in diesem Land jährlich etwa drei Prozent des verbleibenden Waldes verloren.

In Nigeria ist die Lage ähnlich schlimm. Muhtari Aminu-Kano von der unabhängigen Nigerian Conservation Foundation sagt, 96 Prozent des Waldes seien zerstört worden. Wesentlicher Antreiber dieser Entwicklung sei die Nachfrage der wachsenden Bevölkerung nach Ackerland und Brennmaterial. Die kommerzielle Holzwirtschaft sieht er als weiteres Problem. Die biologische Vielfalt schwinde – mit harten Konsequenzen für Menschen.

Überlebensstrategien der Armen spielen auch anderswo eine wichtige Rolle. Die internationale Umweltorganisation WWF berichtet, südlich der Sahara gehörten zwei Regionen zu den elf Regionen weltweit, in denen in diesem Jahrzehnt 80 Prozent der weltweiten Entwaldung zu erwarten seien: erstens das Kongo-Becken und zweitens drei Länder an der Küste des Indischen Ozeans: Mosambik, Tansania und Kenia. Die Hauptursachen seien der Landbedarf kleiner Bauernhöfe sowie die Nachfrage nach Brennholz und Holzkohle. Industriell betriebene Holzwirtschaft, Bergbau und Infrastrukturvorhaben seien sekundär, spielten aber ebenfalls eine Rolle.

Dem WWF zufolge ist erwähnenswert, dass die Bedürfnisse armer Menschen  wichtig sind und sich diese Bedürfnisse in vielen afrikanischen Ländern ähneln (zum Beispiel in Uganda – siehe Gloria Laker Aciro Aiiki im Schwerpunkt des E+Z/D+C ­e-Paper 2020/04). Folglich ist Armutsbekämpfung für Waldschutz nötig. Gebraucht werden bessere Erwerbschancen sowie Zugang zu moderner Energieversorgung. Das sind gewaltige Aufgaben zu deren Bewältigung Handeln jenseits der Wälder erforderlich ist.

Selbstverständlich ist es aber auch nötig, die kommerzielle Holzwirtschaft zu regulieren und Forstschutzprogramme aufzuglegen. Mancherorts würde schon die bloße Durchsetzung von Gesetzen helfen. Seit langem wird beispielsweise Rosenholz illegal im Senegal geschlagen, nach Gambia geschmuggelt und von dort nach China exportiert. Die BBC schätzt den Wert dieses rechtswidrigen Geschäfts auf 50 Millionen Dollar im Jahr.

Die Implementierung groß angelegter Forstprogramme ist nicht leicht, wie das Beispiel der Great Green Wall zeigt. So heißt ein Vorhaben, das durch Aufforstung die Ausweitung der Sahara nach Süden begrenzen soll. Auf einem fast 8000 Kilometer langen Streifen sollen von Senegal im Westen bis Djibouti im Osten Bäume gepflanzt werden. Die Afrikanisch Union hat 2007 einen entsprechenden Beschluss gefasst, aber das Projekt kommt nur langsam voran.

Der nigerianische Umweltschützer Nnimmo Bassey findet den Plan gut. Er betont aber, dass die Partizipation der örtlichen Bevölkerung bei jeder Art von Forstpolitik für den Erfolg wesentlich ist (siehe Tribüne von E+Z/D+C e-Paper 2019/03).

In dem kleinen westafrikanischen Land Liberia sind die Wälder noch vergleichsweise intakt. Auch dort gibt es politischen Streit. Dort, wo die Holzwirtschaft große Flächen kahl schlägt, entstehen Großplantagen. Die örtliche Bevölkerung soll nun stärker in Entscheidungen involviert werden. Eine Studie, die das nichtstaatliche World Resources Institute in Washington veröffentlicht hat, betont, es komme besonders auf Frauen an. Sie nutzten spezifische Waldressourcen und hätten ein tiefes Verständnis der Ökologie. Allerdings sorgten sie traditionell für ihre Familien, und Teilnahme an Politik und öffentlichen Angelegenheiten werde von ihnen nicht erwartet. Meist hätten sie dafür auch gar keine Zeit. Mehr Geschlechtergerechtigkeit würde also auch zu einer gesünderen Umwelt beitragen.


Karim Okanla ist Mediendozent und freier Autor in Benin.
[email protected]

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