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Unsere Sicht

Tourismus sozial und ökologisch verträglich gestalten

Die globale Tourismusbranche erholt sich von der Pandemie. Für die Wirtschaft vieler Länder ist das eine gute Nachricht, allerdings kehren auch die Schattenseiten des Tourismus zurück, darunter Zerstörung von Ökosystemen und sozialen Gefügen. Der Tourismus muss stärker auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ausgerichtet werden.
Devotionalien im Souvenirverkauf in Kathmandu. picture-alliance/imageBROKER/Egmont Strigl Devotionalien im Souvenirverkauf in Kathmandu.

Die Covid-19-Pandemie war ein Schock für den globalen Tourismus: Der internationale Reiseverkehr brach um mehr als 70 Prozent ein; Hotels und Ferienwohnungen mussten schließen; Veranstaltungen wurden abgesagt. Viele, die vom Tourismus lebten, standen vor den Trümmern ihrer wirtschaftlichen Existenz. 

Mittlerweile hat sich die Branche erholt. Die Zahl der internationalen Ankünfte von Übernachtungsgästen liegt laut UN nur noch knapp unter dem Niveau von 2019. Die regionalen Unterschiede sind aber groß: Besucherzahlen im Mittleren Osten fangen sich deutlich schneller als in Asien und in reichen Industrienationen schneller als in Schwellenländern. In den am geringsten entwickelten Ländern steigen die Zahlen am langsamsten.

In vielen dieser Länder wankt damit weiterhin eine tragende Säule ihrer Wirtschaft. Auswärtige Besucher*innen bringen Kaufkraft und Devisen – und eröffnen Verdienstmöglichkeiten für Einheimische. In manchen Ländern spielt mit wachsenden Einkommen auch Binnentourismus eine immer größere Rolle. Die Erschließung wenig entwickelter Regionen für den Fremdenverkehr ist nicht selten Anlass, Infrastruktur zu errichten, die auch nichttouristischen Zwecken dient, etwa Verkehrswege, Wasser- und Stromnetze.

Negative Aspekte des globalen Tourismus

Mit dem weltweiten Wiedererstarken des Tourismus kehren aber auch dessen Schattenseiten zurück: Wo neu erschlossen und gebaut wird, leiden oft Ökosysteme. Wenn Wohlhabende strukturschwache Gegenden als Reiseziel ausmachen und Investor*innen dort Land kaufen, steigen die Grundstückspreise – und das soziale Gefüge verändert sich häufig zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. An anderen Orten wiederum sind die Auswirkungen des Massentourismus schon jetzt so erheblich, dass Verantwortliche versuchen, mit Restriktionen wie Zugangsbeschränkungen den schlimmsten Schaden für Umwelt und Anwohner*innen abzuwenden. 

Nicht zuletzt verursacht der zunehmende internationale Reiseverkehr auch wieder mehr Treibhausgasemissionen. Die Klimakrise mag in den vergangenen Jahren stärker ins Bewusstsein gerückt sein – doch die Tourismusbranche bleibt weit von Klimaneutralität entfernt. Dabei sind beliebte Reiseziele direkt von den Folgen der Klimakrise betroffen, etwa wenn der Meeresspiegel steigt. Laut einer UN-Umfrage zählen Extremwetterereignisse zu den wichtigsten Faktoren, die die Erholung des internationalen Tourismus beeinträchtigen – gleich nach gestiegenen Kosten für Transport und Unterkünfte sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. 

Tourismus weltweit wird mit steigendem Wohlstand eher zu- als abnehmen. Umso wichtiger ist es, ihn sozial und ökologisch verträglich zu gestalten, im Einklang mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung. Schäden für Mensch und Umwelt gilt es vorzubeugen, etwa mit klugen Zertifizierungssystemen und gemeinwohlorientiertem Handeln auf lokaler Ebene. Dazu gehört, dass Gemeinden vor Ort nicht überrannt werden, sondern den Wandel aktiv mitgestalten und davon profitieren.

Gelingt dies, kann Tourismus auch künftig seine wichtigen Funktionen erfüllen: Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenbringen, Bildung und Entspannung ermöglichen und benachteiligten Regionen und Bevölkerungsgruppen wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. 

Nicht nachhaltiger Tourismus dagegen zerstört Ökosysteme, soziale Gemeinschaften und deren Kultur – und damit auf kurz oder lang auch seine eigenen Grundlagen. 

Jörg Döbereiner ist Chef vom Dienst bei E+Z/D+C.
euz.editor@dandc.eu